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28.07.2014

06:42 Uhr

Sparkurs verschärft

Commerzbank setzt wieder den Rotstift an

ExklusivNeuer Ärger für die Commerzbank: Der Konzern will stärker sparen als bislang bekannt, hunderte Stellen sind bedroht. Zudem hat die Finanzaufsicht Bafin die IT der Bank untersucht – mit teils peinlichen Ergebnissen.

Dunkle Wolken über der Commerzbank: Das Kreditinstitut will weitere Stellen streichen. dpa

Dunkle Wolken über der Commerzbank: Das Kreditinstitut will weitere Stellen streichen.

FrankfurtDie Commerzbank verschärft ihren Sparkurs. Das zweitgrößte deutsche Geldhaus will Teile des Bereichs Finanzen, in den unter anderem die Finanzbuchhaltung fällt, an externe Dienstleister auslagern, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen (den vollständigen Artikel finden Sie hier als Download im Kaufhaus der Weltwirtschaft). Ungemach droht dem Konzern auch von der Finanzaufsicht Bafin, die Mängel im IT-Bereich gerügt hat.

Von den Kürzungen sind nach Informationen des Handelsblatts die Aufgaben von mehreren hundert Mitarbeitern betroffen. Die dadurch drohenden Stellenstreichungen gehen über den erst vor einem Jahr vereinbarten Abbau von 5.200 Stellen hinaus. „Im Rahmen der regelmäßigen Überprüfung der Geschäftsprozesse plant die Commerzbank Umstrukturierungen im Bereich Finance“, sagte eine Commerzbank-Sprecherin dem Handelsblatt. Die Bank habe dazu Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen.

Auch bei der Commerzbank-Tochter Hypothekenbank Frankfurt sollen die Kosten schneller als bisher geplant sinken: Das Institut gab am Freitag intern bekannt, dass die sechs Inlandsniederlassungen am 30. September 2015 schließen sollen – drei Monate früher als ursprünglich avisiert. Hintergrund ist der unerwartet schnelle Abbau von Immobilienkrediten. Davon sind rund 100 Beschäftigte betroffen. Die Commerzbank-Sprecherin bestätigte den Termin. „Der Abbau soll so sozialverträglich wie möglich erfolgen“, sagte sie. Die Instrumente dafür seien im Sozialplan und in den aktualisierten Anlagen des Interessenausgleichs umfassend geregelt.

Die Finanzaufsicht Bafin hat Mängel im IT-Bereich der Commerzbank festgestellt – dabei geht es auch um Themen der Datensicherheit. Das geschah im Rahmen einer Sonderprüfung nach Paragraf 44 des Kreditwesengesetzes, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen.

Das Geschäftsjahr 2013 der Commerzbank

Unter dem Strich

Die Bank erwirtschaftete Erträge in Höhe von 9,27 Milliarden Euro und erzielte ein operatives Ergebnis in Höhe von 725 Millionen Euro (2012: 1,17 Milliarden Euro). Der Gewinn nach Steuern betrug 78 Millionen Euro (-47 Millionen Euro im Jahr 2012).

Privatkunden

Mit modernen Filialen und einem runderneuerten Online-Banking will die Commerzbank im Privatkundengeschäft in die Spur finden. Das operative Ergebnis der Sparte lag 2013 mit 225 Millionen Euro fast exakt auf dem Vorjahreswert. Im vierten Quartal gab es ein operatives Plus von 60 Millionen Euro (nach 25 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum).

Mittelstandsbank

Im Geschäft mit Mittelstandskunden ist die Commerzbank einer der wesentlichen Akteure auf dem deutschen Markt. Das operative Ergebnis schrumpfte 2013 auf 1,1 Milliarden Euro (nach 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2012). Die Risikovorsorge – Rückstellungen für vom Ausfall bedrohte Kredite – lag bei 470 Millionen Euro. Im Jahr 2012 hatten Sondereffekte zu einer Risikovorsorge nahe null geführt.

Zentral- und Osteuropa

In diesem Segment ist vor allem das Engagement der Commerzbank in Polen erfasst. Die Tochter „mBank“ ist dort als Direktbank aktiv. Das operative Ergebnis lag 2013 bei 254 Millionen Euro und damit etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Die Bank Forum in der Ukraine hatte die Commerzbank 2012 bereits verkauft.

Kapitalmarktgeschäft

Im Segment „Corporates & Markets“ gab es einen Anstieg des operativen Ergebnisses auch wegen eines positiven Effekts bei der Bewertung eigener Verbindlichkeiten. Notieren die Anleihen von Banken an den Kapitalmärkten schwächer, hat das einen positiven Effekt auf die Bilanz – denn dann kann der Wert der Verbindlichkeiten niedriger angesetzt werden. Insgesamt kletterten das operative Ergebnis 2013 von 202 auf 778 Millionen Euro.

Interne „Bad Bank“

Im Segment „Non-Core Assets“ fasst die Bank Wertpapiere zusammen, die als Altlast aus der Finanzkrise gesehen werden oder aus der missglückten Übernahme der Immobilienbank Eurohypo stammen. Der Abbau der Positionen sei 2013 schneller voran gegangen als zunächst erhofft. Dei Bestände sollten auf 125 Milliarden Euro schrumpfen – tatsächlich landete die Bank bei 116 Milliarden Euro.

Im endgültigen Bericht, der im Frühjahr der Bank zugestellt wurde, hätten die Bankaufseher dem Institut zahlreiche Mängel vorgeworfen. In drei Punkten bescheinigte die Aufsichtsbehörde dem zweitgrößten deutschen Geldhaus sogar „schwerwiegende Verstöße“. Das ist die schlechteste Note, die die Aufseher bei solchen Prüfungen vergeben. Die Bank äußerte sich zu den Informationen nicht.

Insidern zufolge hat die Commerzbank schon im vergangenen Jahr eine Projektgruppe eingerichtet, die die Mängel beheben soll. Viele der Mängel sollen in der Zwischenzeit abgestellt worden sein, hieß es in Finanzkreisen. Im Lenkungsausschuss des betreffenden Projekts sollen neben IT-Vorstand Frank Annuscheit auch Commerzbank-Chef Martin Blessing sitzen.

Kommentare (3)

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Herr Manfred Zimmer

28.07.2014, 09:04 Uhr

"Die Finanzaufsicht Bafin hat Mängel im IT-Bereich der Commerzbank festgestellt – dabei geht es auch um Themen der Datensicherheit. Das geschah im Rahmen einer Sonderprüfung nach Paragraf 44 des Kreditwesengesetzes, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen."

Es war bisher nicht bekannt, dass die Commerzbank auf diesem "Gebiet" besonders nachlässig sei. Wenn man dies so hinnimmt, dann muss man vermuten, dass auch bei den übrigen Banken ähnliche Ergebnisse angetroffen werden.

Der jüngste Fall im Hause der EZB hat aufschrecken und erahnen lassen wie naiv mit Daten umgegangen wird. Man muss sogar feststellen, dass im Hause der EZB das Datenoleck offensichtlich nie bekannt geworden wäre, wäre diese besagtze Erpressermail nicht eingegangen.

Man ist geneigt festzustellen, dass Manager am ruhigsten schlafen, wenn sie den eigenen Betriebsprozess nicht in Frage stellen und kritisch prüfen. Wollte man diesen Standpunkt einnehmen, könnten wir auch gleich die Revisionsabteilungen in den Banken aus Kostengründen und mit ihnen gleich die Aufsichtsbehörden mit abschaffen.

Zuweilen ist ob ihrer Effizienz diese Forderung naheliegend. Aber es wäre falschein Prinzip deshalb abzuschaffen, weil mit der Besetzung der Funktionen einfach nur die falschen Leute betraut sind oder vom Vorstand oder gar von Gerichten falsche Prinzipien vorgelebt werden. Ich denke da besonders an die Gerichtsentscheidung im Zusammenhang mit "Dr. No.". Auch wenn Dr. No nicht verurteilt wurde, kann es nicht zur Diskussion stehen, dass es in der HSH auf den verschiedensten Ebenen zu skandalösen Verfehlungen gekommen ist. Verfehlungen, für die, nach dem Urteil des Gerichts, die Steuerzahler haftbar gemacht werden.

Das ist nicht erklärbar!

Die Bankenaufsicht in Singapure, aber auch die BAFin selbst hat mit ihrer Sicht der Dinge nicht hinter dem Berg gehalten und klar definiert, was das Anforderungsprofil an eine Bank darstellt und den Tatbestand des "Organisationsverschuldens" in den Vordergrund gerückt.

Herr peter Spirat

28.07.2014, 09:55 Uhr

sind die Kriege mal wieder Ablenkung??
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Monsterklage über $250 Mrd. gegen Banken eingereicht


Während die ganze Aufmerksamkeit der Welt mit dem Absturz von Malaysia Airlines Flug 17 beschäftig ist, wurde im Hintergrund eine Bombe gezündet, welche die Fundamente des globalen Finanzsystems bis auf die Grundmauern erschüttern, wenn nicht sogar das Kartenhaus zum Zusammenbrechen bringen kann.

Es geht um den Schaden der durch den Subprime-Betrug angerichtet wurde und zur Finanzkrise 2008 führte, wegen dem Lehman Brothers geopfert wurde. Investoren die von BlackRock, weltgrösste Vermögensverwalter, und PIMCO, weltgrösster Anleihenverwalter, angeführt werden, haben die grössten Banken der Welt wegen Verletzung der treuhänderischen Pflichten ihres anvertrauten Vermögens verklagt. Die Investoren klagen einen Schadenersatz in Höhe von 250 Milliarden Dollar ein.


Herr Manfred Zimmer

28.07.2014, 15:23 Uhr

Ich denke, dass Sie das Thema hier zu hoch aufhängen. Hier geht es um simples Organisationsverschulden, Abberufung von Vorständen und Levitenlesen bei den Aufsichtsräten ob der Qualität ihrer Aufsicht.

Die Erfahrung zeigt jedoch, und da bin ich bei Ihnen trotzdem, dass in einem Unternehmen Zucht und Ordnung oder aber ein "Drunter und Drüber" ist. Letzteres scheint sich bei der Commerzbank aufgetan zu haben.

Wichtiger als dieser Fall "Commerzbank" wird es sein, dass die BAFin abklärt, ob dies ein einmaliger oder ein erster Fall im Bankwesen ist.

Bringt man den Fall "EZB" (Datendiebstahl) mit der Qualität der internen Kontrollen zusammen, muss es jedem Bürger Angst und Bange um die Sicherheit seines der Bank anvertrauten Geldes werden.

Es muss einem Angst und Bange um die Qualität der die Institute führenden Manager, deren Aufsicht und letztlich der staatlichen Aufsicht werden.

Manipulationen bei Zins- und Devisenkursen, Zinsmanipulationen der EZB - als Politik bezeichnet -, Nachlässigkeiten bei der IT. Was kann da noch kommen? Werden wir wirklich nur noch von Kriminellen regiert?

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