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30.06.2011

17:03 Uhr

Sparpaket verabschiedet

Griechenlands Banker atmen auf

Große Erleichterung in den Vorstandsetagen der griechischen Banken. Das Sparpaket ist abgesegnet, ein radikaler Schuldenschnitt vorerst abgewendet. Doch die Gefahr ist längst nicht gebannt.

National Bank of Greece: Die Aktie des Marktführers legte seit Dienstag um 7,25 Prozent zu. Quelle: ap

National Bank of Greece: Die Aktie des Marktführers legte seit Dienstag um 7,25 Prozent zu.

AthenNicht nur Ministerpräsident Giorgos Papandreou atmete auf nach der gewonnenen Kampfabstimmung um das neue Sparpaket, das den Weg zu neuen Milliardenhilfen für Griechenland öffnet. Auch die Vorstände der griechischen Banken sind erleichtert. Denn kaum eine Branche muss eine Griechenland-Pleite mehr fürchten als der Bankensektor an der Akropolis.

Nach Schätzungen von JP Morgan halten die Institute griechische Staatsanleihen im Nennwert von rund 50 Milliarden Euro. Diesen Bondbeständen steht ein Eigenkapital von nur knapp 30 Milliarden gegenüber. Käme es zu einem Schuldenschnitt von 50 bis 70 Prozent, wie ihn Analysten der Ratingagentur Standard & Poor’s letztlich für unausweichlich halten, würde das Eigenkapital ausradiert. Ein Zusammenbruch des griechischen Bankensystems wäre die unausweichliche Folge.

Dass diese Gefahr fürs erste abgewendet scheint, freut auch die Anleger: die Aktie des Marktführers National Bank of Greece (NBG) legte seit Dienstag um 7,25 Prozent zu, das Papier des Branchenzweiten Eurobank EFG konnte sich um 5,24 Prozent verbessern, und die Anteile der Alpha Bank, Nummer drei der Branche, stiegen um fast sieben Prozent. Bisher haben sich die griechischen Banken noch nicht dazu geäußert, ob sie sich an einer möglichen freiwilligen Laufzeitverlängerung der Staatsanleihen beteiligen werden. Man wartet den weiteren Diskussionsprozess im Ausland ab.

Inoffiziell heißt es aber in Branchenkreisen, dass alle griechischen Banken mitmachen würden. Wie sich eine Verlängerung der Papiere auf die Bilanzen auswirken würde, hat noch kein Institut genau durchgerechnet. Aus dem Schneider sind die Athener Banken aber ohnehin noch nicht. Denn sie kämpfen mit wachsenden Liquiditätssorgen. Weil die Institute unter der miserablen Bonität des Staates leiden, sind sie vom Interbankmarkt praktisch ausgeschlossen und weitgehend auf die Liquidität der Europäischen Zentralbank angewiesen.

Auch die Refinanzierung über Kundengelder wird zunehmend schwieriger. Denn die Griechen plündern ihre Bankkonten. Seit Jahresbeginn fielen die Einlagen um rund 21,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang um 7,5 Prozent. Im zweiten Quartal beschleunigte sich der Aderlass: Einlagen von rund 17 Milliarden flossen ab.

Der Schwund geht nicht nur auf das Konto der Kapitalflucht. Die steigende Arbeitslosigkeit zwingt immer mehr Familien, ihre Ersparnisse anzugreifen. Wegen der Rezession lösen auch viele Unternehmen zunehmend Rücklagen auf. Die Banken werben bereits mit Zinsen von fünf Prozent und mehr um Termineinlagen, doch das dürfte die Gewinne weiter schmälern.

Von

ghoe

Kommentare (1)

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Hellaskenner

30.06.2011, 18:09 Uhr

Ergänzend zum griechischen Sparpaket hier folgender Vorschlag :Reduzierung der Abgeordneten auf 160 statt wie bisher 300.Pro Abgeordnetem wären das dann ca.70.000 Bürger.
Verglichen mit Frankreich und Deutschland deren Parlamente auf ca.115000 - 130000 Bürger pro Abgeordnetem kommen zwar immer noch viele,aber ein Anfang und riesiges Einsparpotenzial!!



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