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28.07.2014

19:34 Uhr

Sparpläne konkretisiert

Commerzbank streicht 450 Stellen

Die Commerzbank senkt Kosten, wo sie nur kann - vor allem aber bei ihren Mitarbeiter. Rund 450 Stellen will sie im September streichen. Gewerkschafter kritisieren, dass sich die Bank aus den Tarifverträgen flüchte.

Die zweitgrößte Bank in Deutschland muss ihr Geld zusammenhalten und plant eine neue Entlassungsrunde. Dabei soll die Finanzbuchhaltung an Billig-Töchter in Polen und in Ostdeutschland ausgelagert werden. dpa

Die zweitgrößte Bank in Deutschland muss ihr Geld zusammenhalten und plant eine neue Entlassungsrunde. Dabei soll die Finanzbuchhaltung an Billig-Töchter in Polen und in Ostdeutschland ausgelagert werden.

FrankfurtDie Mitarbeiter der Commerzbank müssen sich auf eine neue Sparwelle einstellen und bangen wieder um ihre Jobs. „Die Führungsetage schaut sich alle Bereiche an, wo sie noch an der Kostenschraube drehen kann”, sagte eine mit den Überlegungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Der für das operative Geschäft zuständige Vorstand Frank Annuscheit bestätigte die Pläne zum Teil: „Wir werden dahin kommen müssen, Kostendisziplin als dauernde Management-Aufgabe zu betrachten. Die 'guten alten Zeiten' werden nicht zurückkommen”, erklärte der auch als Personalchef agierende Manager im Intranet der teilverstaatlichten Bank.

Wie das Handelsblatt am Montag exklusiv berichtete, ist das erste konkrete Ergebnis die Auslagerung eines Teils der Finanzbuchhaltung, die von Billig-Töchtern in Ostdeutschland oder Polen erledigt werden soll. 450 Mitarbeitern in Frankfurt, Duisburg und Berlin droht Insidern der Verlust ihrer Stelle bei der zweitgrößten deutschen Bank. Es gehe darum, Standard-Aufgaben billiger erledigen zu lassen, sagte Annuscheit, ohne den Umfang der Verlagerungen zu nennen.

Andere Banken seien hier schon weiter. Die Gespräche mit dem Betriebsrat hätten begonnen, die nächste Runde sei im September angesetzt. Es gehe primär um Verlagerungen innerhalb des Konzerns. Der Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi sammeln derzeit Unterschriften gegen die Auslagerungspläne und den Stellenabbau. Die Deutsche Bank lässt bereits viele Routinearbeiten in Tochterfirmen an Niedriglohnstandorten erledigen.

Das Geschäftsjahr 2013 der Commerzbank

Unter dem Strich

Die Bank erwirtschaftete Erträge in Höhe von 9,27 Milliarden Euro und erzielte ein operatives Ergebnis in Höhe von 725 Millionen Euro (2012: 1,17 Milliarden Euro). Der Gewinn nach Steuern betrug 78 Millionen Euro (-47 Millionen Euro im Jahr 2012).

Privatkunden

Mit modernen Filialen und einem runderneuerten Online-Banking will die Commerzbank im Privatkundengeschäft in die Spur finden. Das operative Ergebnis der Sparte lag 2013 mit 225 Millionen Euro fast exakt auf dem Vorjahreswert. Im vierten Quartal gab es ein operatives Plus von 60 Millionen Euro (nach 25 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum).

Mittelstandsbank

Im Geschäft mit Mittelstandskunden ist die Commerzbank einer der wesentlichen Akteure auf dem deutschen Markt. Das operative Ergebnis schrumpfte 2013 auf 1,1 Milliarden Euro (nach 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2012). Die Risikovorsorge – Rückstellungen für vom Ausfall bedrohte Kredite – lag bei 470 Millionen Euro. Im Jahr 2012 hatten Sondereffekte zu einer Risikovorsorge nahe null geführt.

Zentral- und Osteuropa

In diesem Segment ist vor allem das Engagement der Commerzbank in Polen erfasst. Die Tochter „mBank“ ist dort als Direktbank aktiv. Das operative Ergebnis lag 2013 bei 254 Millionen Euro und damit etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Die Bank Forum in der Ukraine hatte die Commerzbank 2012 bereits verkauft.

Kapitalmarktgeschäft

Im Segment „Corporates & Markets“ gab es einen Anstieg des operativen Ergebnisses auch wegen eines positiven Effekts bei der Bewertung eigener Verbindlichkeiten. Notieren die Anleihen von Banken an den Kapitalmärkten schwächer, hat das einen positiven Effekt auf die Bilanz – denn dann kann der Wert der Verbindlichkeiten niedriger angesetzt werden. Insgesamt kletterten das operative Ergebnis 2013 von 202 auf 778 Millionen Euro.

Interne „Bad Bank“

Im Segment „Non-Core Assets“ fasst die Bank Wertpapiere zusammen, die als Altlast aus der Finanzkrise gesehen werden oder aus der missglückten Übernahme der Immobilienbank Eurohypo stammen. Der Abbau der Positionen sei 2013 schneller voran gegangen als zunächst erhofft. Dei Bestände sollten auf 125 Milliarden Euro schrumpfen – tatsächlich landete die Bank bei 116 Milliarden Euro.

Erst im vergangenen Jahr hatte die Commerzbank die Streichung von 5200 Arbeitsplätzen bis 2016 angekündigt, vor allem in der Privatkunden-Sparte. Das ist jede zehnte Stelle. Schon damals sei klar gewesen, dass es mit einem einmaligen Abbau nicht getan sei, wenn insgesamt zwei Milliarden Euro investiert werden sollten, hieß es im Umfeld der Bank. Zwei Insider sagten, Ergebnisse der neuen Sparrunde könnten Mitte September dem Aufsichtsrat vorgestellt werden. Die Commerzbank sitzt derzeit auf einem Kostenblock von sieben Milliarden Euro im Jahr.

„Das Projekt 'Strategie 2016' ist noch nicht beendet, und schon stehen weitere drastische Sparmaßnahmen an”, heißt es auf einem Flugblatt der Verdi-Arbeitnehmervertreter, das auf einer Betriebsversammlung verteilt wurde. „Verlagerungen und Personalabbau sollen in der Bank kein Ende nehmen. Wir vermissen seit Jahren ein überzeugendes Konzept, das wieder für Wachstum sorgt.” Die Bank versucht vor allem ihr Privatkundengeschäft auf Vordermann zu bringen und zugleich die Altlasten in der Bilanz zu bereinigen. Von der Commerzbank befragte Analysten rechnen im Schnitt für 2014 mit 346 Millionen Euro operativem Gewinn in der Privatkundensparte, doch der Abbau von Immobilien-, Staats- und Schiffskrediten dürfte in diesem Jahr noch einmal 730 Millionen Euro verschlingen. Für den Gesamtkonzern rechnen Experten mit knapp einer Milliarde Euro Gewinn.

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