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24.01.2005

09:31 Uhr

Spektakulärste Bankenpleite Deutschlands

Am Tag, als Raumstation Orion abstürzte

VonThomas Knüwer

„Die Bank ist zum Teufel. Mir ist nichts geblieben. Ich lebe von meinen Kindern, die mich das aber nicht fühlen lassen. Geld anzunehmen, wenn man immer gegeben hat, ist bitter.“ Als Iwan David Herstatt dies 1994 dem „Kölner Stadtanzeiger“ sagt, jährt sich das Aus für sein Bankhaus zum 20. Mal. Und was ihn ebenso trifft: „Der Dattel läuft immer noch frei herum.“

HB DÜSSELDORF. „Der Dattel“ heißt mit Vornamen Dany und ist die schillerndste Figur im Drama um Aufstieg und Fall des Kölner Bankhauses I. D. Herstatt, der spektakulärsten Bankenpleite der deutschen Geschichte. Selbst heute, nach über 30 Jahren sind die Akten nicht geschlossen, ist die Bank nicht abgewickelt – dank Dany Dattel.

Fotos aus jener Zeit zeigen einen etwas fülligen Mittdreißiger mit hoher Stirn, Wuschelkopf und großer Nase. 1958 beginnt er als Lehrling bei Herstatt, einer kleinen Kölner Bank, die erst seit drei Jahren unter diesem Namen firmierte. Damals hatte Iwan David Herstatt mit seinem Jugendfreund, dem Versicherungsmagnaten Hans Gerling, die winzige Privatbank Hocker übernommen. Ein Jugendtraum: Sein Vorfahr hatte 1727 das Fundament für das alte Bankhaus Herstatt gelegt.

Die neue Herstatt-Bank wächst atemberaubend: Von 72 Millionen Mark Bilanzsumme 1956 auf zwei Milliarden 1973. Das liegt zum einen am Chef, der sich zum Dreh- und Angelpunkt der Kölner Gesellschaft macht. Ein Vatertyp, 1,96 lang, begnadeter Verkäufer und kölscher Klüngeler, Mitglied in 82 Vereinen. An einem Abend taucht er gern bei mehreren Karnevalssitzungen auf. Die Vereine führen ihre Konten bei Herstatt, genauso wie jeder Kölner Bürger, der was auf sich hält. Und immer sind Herstatts Konditionen einen Tick besser als die der Rivalen.

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