Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.03.2006

20:10 Uhr

Spitzeninstitut der österreichischen Sparkassen

Erste Bank setzt voll auf den Osten

VonOliver Stock

Die größte Bankengruppe Österreichs, die Erste Bank, will mit ihrer jüngsten Neuerwerbung in Rumänien mehr verdienen, als derzeit die ganze Gruppe an Gewinn erzielt.

WIEN. Die Banca Commerciala Romana (BCR) werde in drei Jahren dazu in der Lage sein, sagte Erste-Bank-Chef Andreas Treichl dem Handelsblatt. „Wir haben das Potenzial, eine der ganz großen Banken in Europa zu werden“, fügte er hinzu. Die Tochtergesellschaften in Osteuropa tragen bislang 62 Prozent zum Konzernüberschuss bei.

Die Erste Bank, die als Spitzeninstitut der österreichischen Sparkassen auftritt, hat im vergangenen Jahr das beste Ergebnis ihrer Geschichte erzielt. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern erhöhte sich von 17 auf 19 Prozent; der Gewinn vor Steuern stieg um 22 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro. Die Analysten von Merrill Lynch sprechen von einer „erfolgreichen Bank, die allerdings fair bewertet“ sei.

Den Erfolg der Österreicher in Osteuropa begründet Treichl mit einer „mentalen Nähe“: „Ich fühle mich in Ungarn zu Hause.“ Die Deutschen hätten dagegen eine „pompöse Art“ des Auftritts. Auch die Deutsche Bank hatte sich um die BCR bemüht, angesichts des Kaufpreises aber einen Rückzieher gemacht. „Sich flugs eine Bank in Rumänien zu kaufen ist für die Deutschen auch nicht logisch“, sagt Treichl. „Wir dagegen folgen der Mobilität unserer Kunden und gehen in die Märkte, die an unser bestehendes Netzwerk grenzen.“

13 Mill. Kunden zählt das Spitzeninstitut der österreichischen Sparkassen inzwischen in Osteuropa. „Das ist für uns ein riesiger Markt“, sagt Treichl. Aus der Perspektive deutscher und erst recht der US-Banken sehe das allerdings anders aus.

Mit zehn Akquisitionen in den vergangenen acht Jahren „sind wir rasch gewachsen“, sagt Treichl. Der Erste-Bank-Chef plant daher in absehbarer Zeit keine weiteren Zukäufe. Hintergrund ist, dass der Konkurrent Bank Austria/Creditanstalt nun durch die italienische Unicredito-Gruppe geführt wird, die Wien zu ihrem Osteuropa-Brückenkopf ausbauen will. Die Unicredito-Tochter ist führend im Osteuropageschäft.

Treichl begrüßt diese Entwicklung: Sie werde zu professioneller kalkulierten Preisen für Bankdienstleistungen in Österreich führen. Und sie werte Wien als Bankenstandort weiter auf: „Wien ist nicht mehr wie vor zehn Jahren bankentechnisch das letzte Kaff.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×