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21.01.2015

06:55 Uhr

Spitzenposten in der Finanzbranche

Frauen müssen draußen bleiben

VonDietmar Neuerer

Frauen in Chefetagen großer Konzerne sind in Deutschland immer noch selten. Vor allem Banken und Versicherungen bleiben ihrem Ruf treu, eine Männerdomäne zu sein. Eine DIW-Studie sieht „sehr großen Nachholbedarf“

In der Welt der Banken und Versicherungen haben in Spitzengremien nach wie vor die Männer die Nase vorn. dpa

In der Welt der Banken und Versicherungen haben in Spitzengremien nach wie vor die Männer die Nase vorn.

BerlinDas Thema Frauen in Führungspositionen ist seit Jahren auf nationaler wie europäischer Ebene ein Dauer-Streitthema. In Deutschland gelang Ende vergangenen Jahres nach wochenlanger Diskussion ein Durchbruch: Das zwischen SPD und Union hart umkämpfte Gleichstellungsgesetz soll Frauen und Männern in Unternehmen und im öffentlichen Dienst gleichberechtigten Zugang zu Spitzenjobs verschaffen.

108 börsennotierte und voll mitbestimmungspflichtige Betriebe müssen ab 2016 dafür sorgen, dass 30 Prozent der Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzt werden. Klappt das nicht, bleiben Stühle leer.

Angesichts des politischen Drucks sollte man meinen, dass in den Unternehmen allmählich ein Umdenken einsetzt. Doch weit gefehlt: Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt zu dem Ergebnis, dass der Finanzsektor in Deutschland immer noch reine Männersache ist. „In den Spitzengremien von Unternehmen des Finanzsektors waren Frauen Ende des Jahres 2014 kaum häufiger vertreten als ein Jahr zuvor“, heißt es im Managerinnen-Barometer des DIW, das heute in Berlin vorgestellt wird. Es bestehe in diesem Bereich damit „weiterhin ein sehr großer Nachholbedarf“.

Die Untersuchung, die dem Handelsblatt (Online-Ausgabe) vorliegt, weist für die Vorstände der 100 größten Banken und Sparkassen einen Frauenanteil von knapp sieben Prozent aus; in den Vorständen von Versicherungen sind rund 8,5 Prozent Frauen. „Auf niedrigem Niveau glich die Dynamik der Entwicklung eher einem Ritt auf der Schnecke“, schreiben die Autorinnen der Studie, Elke Holst und Anja Kirsch.

Wo Frauen ähnlich wie Männer verdienen und wo nicht

Insgesamt

Frauen verdienen noch immer weniger als Männer - das ist keine Überraschung. Je nach Branche unterscheiden sich die Diskrepanzen aber enorm. Während in manchen Berufssparten die Gehaltsspanne 30 Prozent beträgt, sind es in einer Branche nur noch vier Prozent unterschied. Insgesamt verdienten Frauen 2010 durchschnittlich 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Techniker und nichttechnische Berufe

Die größten Unterschiede zwischen Frauen und Männern bestehen immer noch bei Techniker-Berufen und gleichrangigen Jobs. Wer hier als Frau seine Berufung gefunden hat, muss mit einem 30 Prozent geringeren Einkommen rechnen als der männliche Kollege mit der gleichen Ausbildung.

Führungskräfte

Genauso benachteiligt sind Frauen in Führungspositionen. Auch hier liegt die Gehaltsdiskrepanz bei 30 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt.

Akademische Berufe

Wer als Frau einen akademischen Beruf ergreift, steht etwas besser da - aber nicht viel. Akademikerinnen müssen aktuell noch damit leben, dass der männliche Kollege am benachbarten Schreibtisch 28 Prozent mehr verdient.

Handwerks- und verwandte Berufe

Bei Schreiner, Bäcker, Friseur und Co. sieht es etwas besser aus, auch wenn die Gehaltsspanne ebenfalls noch groß ist: Frauen in Handwerksberufen bekommen durchschnittlich 25 Prozent weniger als der Kollege - immer noch ein stärkerer Gehaltsunterschied als im gesamtdeutschen Durchschnitt.

Bediener von Anlagen und Maschinen und Montageberufe

Knapp unter dem Durchschnitt liegt der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen, die etwa Maschinen bedienen oder als Monteure arbeiten: 19 Prozent verdient ein männlicher Mitarbeiter hier mehr als ein Weiblicher.

Fachkräfte in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei

Einen Sprung nach unten gibt es bei der Gehaltsspanne in der Land- und Forstwirtschaft. Wer sich in diesem Bereich ausbilden lässt oder wen es aufs Meer zieht, der verdient als Frau verhältnismäßig besser - bzw. ähnlich viel wie der männliche Kollege: Der Unterschied liegt hier bei 13 Prozent - zwar deutlich weniger als etwa bei den Akademikern, aber immer noch deutlich.

Hilfsarbeitskräfte

Gleiches gilt für Arbeitskräfte ohne branchenspezifische Berufsausbildung: Auch hier haben Frauen durchschnittlich 13 Prozent weniger in der Lohntüte als Männer.

Dienstleistungsberufe und Verkäufer

Kaum geringer ist der Unterschied bei Servicekräften, Verkäufern und Co.: Frauen müssen sich mit einem durchschnittlich 12 Prozent geringeren Einkommen begnügen.

Bürokräfte und verwandte Berufe

Das beste Gehaltsniveau für Frauen findet sich bei den Bürojobs und ähnlichen Berufen. Hier beträgt der Gehaltsunterschied zu den männlichen Kollegen nur noch 4 Prozent - 18 Prozent unter der durchschnittlichen Diskrepanz.

In den Aufsichtsräten ist der Frauenanteil traditionell höher. In den untersuchten Banken und Versicherungen lag er im Jahr 2014 jedoch mit 18 Prozent ebenfalls weiter unter der ab 2016 geltenden gesetzlichen Quote von 30 Prozent Frauen bei Neubesetzungen. Nur leichte Zuwächse an Frauen in Aufsichtsräten verzeichnen laut DIW die öffentlichen-rechtlichen Institute, die damit „weiterhin keine Vorreiterrolle“ einnähmen.

Alle Bankengruppen seien vielmehr „noch weit von einer ausgeglichenen Repräsentation von Frauen und Männern entfernt“. In den Aufsichtsräten insbesondere bei den Banken sei die Aufwärtsbewegung in den letzten Jahren „ins Stocken“ gekommen. In den Vorständen bleibe die „Schubkraft“ ohnehin aus. „Diese Männerdomänen sind nach wie vor überwältigend“, stellen die DIW-Expertinnen fest.

Kommentare (8)

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Herr John Smith

21.01.2015, 08:43 Uhr

Vielleicht- aber nur vielleicht ist die Verteilung ja schon gerecht? Oder möchte mir jemand erzählen, dass Frauen sich prozentual ebenso oft wie Männer 12h pro Tag den *rsch aufreißen? Ebenso oft am Burnout leiden, soviel Verantwortung übernehmen wollen ? Ich habe noch nie eine weibliche Führungsposition in meiner Laufbahn erlebt, welche so oft, lange und intensiv Ihren Führungsstil ausübt wie ein Mann. Ich bin zwar für Gleichberechtigung, aber diese Frauenquote ist doch der letzte Mist. Falls es eine Dame in eine Führungsposition schafft heißt es doch nur noch "Ohne die Quote wäre Sie da jetzt nicht". Und das muss nichtmal stimmen !

Herr Lutz Pape

21.01.2015, 08:52 Uhr

Ich bin ja generell für die Gleichstellung von Mann und Frau. Es ist auch gut, dass Frauen in Vorstände sollen und allgemein in höhere Management Positionen.
Was ich jedoch nicht gutheisse ist zum einen die vorgegebene Quote (egal ob nun 30% oder 10% oder 90%), da dies unter gewissen Voraussetzungen das Unternehmen zwingt einen schhlechteren Bewerber nur aufgrund seines Geschlechtes zu wählen. Auch die Frauen an sich werden dadurch abgewertet, da jede Frau sich selbst fragen wird ob sie nun aufgrund ihrer Leistungen und Qualifikation oder aufgrund ihres Geschlechts ausgewählt wurde.
Somit ist das was eigentlichen Frauen unterstützen sollte, sexistischer als viele Normalitäten welche die immer auftauchenden Gutmenschen zu verstecken versuchen.

Zum anderen ärgert es mich, dass die Frauenquote mit biegen und brechen durchgebracht wird. Ich mein, noch vor 50 Jahren war es Standard, dass eine Frau zuhause blieb und den Haushalt machte. Diese Rollenverteilung war über Jahrhunderte, gar Jahrtausende festgesetzt über beinahe alle Kulturen hinweg.
Doch nun soll es ruck zuck in den letzten Jahren mal eben alles umgeschmissen werden.
Ich bin der Meinung, dass die Frauen erstmal Zeit brauchen sich in Stellung zu bringen.
Sie müssen erstmal das untere und mittlere Management stärker besetzen um dann weiter aufzusteigen.
Viele der Frauen die heute als Vorstandsmitglieder gehandelt werden könnten, sind vor 20 oder 30 Jahren in den Beruf gegangen und vermutliche viele von ihnen ohne den Wunsch mal CEO zu werden.
Gebt den Frauen Zeit. Die Tendenz ist in der Wirtschaft auch ohne diesen politischen Zwang, ganz klar zu mehr Frauenanteilen. Immer mehr Frauen wollen arbeiten und nicht Hausfrau sein. Das ist gut, aber es muss nicht von heute auf morgen übers Knie gebrochen werden.
Gerade in der Wirtschaft brauchen wir Evolution und keine Revolution. Wird es zu sehr forciert wird am Ende niemand gewinnen. Zuallerletzt die Frauen.

Account gelöscht!

21.01.2015, 10:20 Uhr

Eine schöne junge Frau sollte sich lieber einen reichen Investmentbanker oder Profikicker als Partner suchen der ihren Lebensstandard finanziert und ein finanziell sorgenfreies und abgesichertes Leben bietet, anstatt ihre kostbare Zeit auch nur ansatzweise mit Arbeit zu verschwenden.
(...)
 
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