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04.02.2005

07:48 Uhr

Staaten meiden US-Großbank wegen Marktmanipulation – Ruf des Instituts leidet erheblich

Citigroup rutscht im Bondgeschäft ab

Die Citigroup muss für die versuchte Manipulation im Staatsanleihehandel büßen. Noch bevor klar ist, ob die Frankfurter Staatsanwaltschaft Klage erhebt und wie Ermittlungen von Wertpapieraufsichtsbehörden außerhalb Deutschlands ausfallen, schließen die Länder der Euro-Zone die US-Investmentbank bei der Wahl der Konsortialführer für Anleiheemissionen aus.

cü/mab/mak/rob FRANKFURT/M. Über den Deal von Londoner Händlern der Citigroup im August kommt immer mehr ans Licht. Im Kern geht es darum, dass die Citigroup über massive Käufe des Anleiheterminkontrakts Bund-Future zunächst die Kurse von europäischen Staatsanleihen nach oben trieb und dann binnen zwei Minuten europäische Staatsbonds über gut zwölf Mrd. Euro auf der elektronischen Bondhandelsplattform MTS verkaufte. Die Transaktion war lange vorbereitet, und die Hinweise verdichten sich, dass damit der europäische Termin- und Anleihemarkt aus den Angeln gehoben werden sollte.

Noch halten sich die Staaten mit offiziellen Statements zurück und wollen zunächst die Ermittlungen der europäischen Wertpapieraufsichtsbehörden abwarten. In Italien heißt es, dass die Untersuchungsergebnisse „unmittelbar“ bevorstehen. Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), forderte gestern eine gründliche Aufklärung des Falls durch die Aufsichtsbehörden. Denn für die Finanzmärkte sei es entscheidend, dass sich Investoren auf eine faire Preissetzung verlassen könnten.

Wie die Untersuchungen ausgehen, ist offen. Der Marktanteil der Citigroup im Geschäft mit über Konsortialbanken platzierten Anleihen ist aber von Anfang August bis Ende Januar auf 0,3 Prozent eingebrochen (siehe Tabelle). Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 5,7 Prozent. Seitdem führte die weltgrößte Bank nur bei einem 100 Mill. Dollar starken Bond von Finnland das Konsortium an.

Hinter vorgehaltener Hand heißt es in Spanien, Italien und Portugal bei den für den Kapitalmarktauftritt der Länder verantwortlichen Managern bereits, die Citigroup sei aus dem Geschäft. Rund elf Prozent der Staatsanleihen, die in der Euro-Zone auf den Markt kommen, werden direkt über Banken platziert, der Rest über Auktionsverfahren. 2004 gab es neue europäische Staatsbonds über 600 Mrd. Euro.

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