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27.02.2013

11:05 Uhr

Staatsanleihen als Risiko

Löst Italien das Krisen-Domino aus?

VonSebastian Ertinger

Der Wahlausgang in Italien versetzt die Märkte in Aufruhr. Die Euro-Krise droht erneut aufzuflammen. Das kann auch Folgen für Banken und Versicherer haben. In deren Bilanzen türmen sich immer noch Staatsanleihen.

Finanzviertel in London: In den Bankbilanzen lauern nach wie vor Gefahren. dapd

Finanzviertel in London: In den Bankbilanzen lauern nach wie vor Gefahren.

DüsseldorfItalien hat gewählt – mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen für die Euro-Zone. Die Ratingagentur Moody's erwägt wegen der drohenden politischen Blockade eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes. Bei weiteren Entwicklungen, die den wirtschaftlichen Aussichten des krisengeschüttelten Landes schadeten oder auf Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Reformen hindeuteten, werde Moody's eine Herabstufung der Bonität erwägen, erklärt die Agentur. Moody's bewertet Italien seit Juli 2012 mit „Baa2“. Der Ausblick ist negativ.

Ein rapider Bonitätsverlust der Krisen-Staaten gefährdet auch die Stabilität des Finanzsystems. Denn eifrige Käufer von Staatsanleihen sind Banken und Versicherer. Schuldverschreibungen der öffentlichen Hand im Wert von vielen Milliarden Euro schlummern in den Portfolien der Geldhäuser. Europäische Banken halten sogar bevorzugt Anleihen ihres Heimatstaates in den Büchern.

Auch Fonds, Versicherungen und Pensionskassen besitzen in erheblichem Umfang Schuldverschreibungen der öffentlichen Hand. So hat etwa die Allianz 2012 stärker in italienische Staatsanleihen investiert. Den Bestand baute der Konzern wegen der als attraktiv gesehenen Risikoaufschläge hingegen von 29,3 auf 29,8 Milliarden Euro aus. Den Bestand an spanischen Papiere reduzierte die Allianz dagegen deutlich.

Die Papiere bergen erhebliche Risiken für die Finanzbranche – wie für die Volkswirtschaften. Denn rutscht ein Staat in die Pleite, müssen die Banken ihre Anleihe-Bestände abschreiben und vergeben weniger Kredite an Unternehmen und Verbraucher. Dies wiederum dämpft die Konjunktur, drückt die Steuereinnahmen und belastet die Staatskasse. Ein Teufelskreis.

Ratings der größten Volkswirtschaften der Welt

USA

S&P Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA

Ausblick: Negativ

China

S&P Rating: AA-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Japan

S&P Rating: AA-
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: A+
Ausblick: Negativ

Deutschland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Frankreich

S&P Rating: AA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Vereinigtes Königreich

S&P Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Brasilien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Italien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Russland

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Indien

S&P Rating: BBB-
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB-
Ausblick: Stabil

Kanada

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Australien

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Spanien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Schweiz

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

„Risiken durch Staatsanleihen in den Bankbilanzen beobachten wir, wie auch die Marktteilnehmer, sehr genau“, sagt Johannes Wassenberg, Managing Director bei der Ratingagentur Moody’s für den europäischen Banksektor. Seine Kollegen bei der Agentur, die Staatsanleihen bewerten, hatten jüngst etwa Großbritannien die Top-Note „AAA“ aberkannt.

Die Regeln der Aufsicht machen den Banken den Erwerb von Staatsanleihen besonders schmackhaft. Denn für Staatsbonds aus den in der OECD zusammengeschlossenen Industrieländern müssen Geldhäuser kein Eigenkapital zurückstellen. Finanzinstitute können nach diesen Regeln, nach dem Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht „Basel II“ genannt, also ohne weitere Risikovorsorge Staatspapiere in ihrem langfristigen Anlagebestand halten.

Kommentare (22)

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27.02.2013, 11:13 Uhr

Europa hat den Krisenmodus nie verlassen und steuert auf eine Katastrophe zu. Der Euro erweist sich als unhaltbar. Die deutsche Bevölkerung muss ihre Politiker notfalls zum Umsteuern zwingen. Empört euch!

Ludwig500

27.02.2013, 11:13 Uhr

Der Brandherd Euro ist doch nie erloschen. Die Krise wurde lediglich totgeschwiegen, schöngeredet, durch unzulässige Eingriffe, vor allem durch die EZB, in die Zukunft verschoben.

Jede anstehende Wahl kann den Euro sprengen. Das wird nicht mehr lange gutgehen.

Account gelöscht!

27.02.2013, 11:14 Uhr

Die Euro-KRise hat nicht mal richtig angefangen sondern wird die ganze Zeit von der Brüsseler Mafia mit Hilfe Ihrer Gefolgschaft ala Merkel und Co. künstlich zurückgehalten und die Wahrheit wird den Bürgern verschwiegen.

Fast der gesamte EU-Haufen befindet sich in der Pleite und Germany und wenige andere sollen bezahlen was ohnehin nicht aufzuhalten ist. Mit Italien jetzt hat das wenig zu tun, Italien ist seit Jahren bereits im Eimer und konnte es gut verdecken, genau wie Frankreich es nach wie vor verdeckt und Spanien es lange verdeckt hat obwohl Spanien schon seit ca. 10 Jahren kaputt ist aber Dank EU verdecken konnte.

Dieses Euro-Spiel ist AUS und alles was den MEnschen erzählt wird ist erstunken und erlogen. Die KRise war nie weg oder abgeflacht, sondern sie kam nicht mal annähernd zum Ausbruch. Es ist höchste Zeit dieses perverse EU-Spiel zu beenden und jene die es zu verantworten haben, wegen BEtruges an Millionen Bürgern, zur Rechenschaft zu ziehen.

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