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15.08.2012

14:44 Uhr

Staatsanleihen

Banken sitzen noch auf hohen Lasten

VonElisabeth Atzler, Frank Matthias Drost, Thomas Hanke, Yasmin Osman

Staatsanleihen südeuropäischer Länder galten einst als sichere Investition. Doch seit der Schuldenkrise müssen die Geldhäuser ihren Bestand deutlich reduzieren – auch wenn das hohe Verluste bedeuten kann.

Besonders italienische Staatsanleihen stehen bei den Banken nicht mehr hoch im Kurs. dpa

Besonders italienische Staatsanleihen stehen bei den Banken nicht mehr hoch im Kurs.

Frankfurt/DüsseldorfTrotz milliardenschwerer Verkäufe machen Staatsanleihen der Euro-Krisenländer Portugal, Italien und Spanien Bankvorstände nervös. Verschärft sich die Schuldenkrise, könnten auf einige Banken aus Deutschland und anderen europäischen Ländern erhebliche Belastungen zukommen. Denn noch immer addiert sich der Anleihebesitz oft auf Milliardensummen. „In den Banken herrscht die Vorgabe, so schnell wie möglich Staatsanleihen aus den südeuropäischen Ländern abzubauen“, sagt Dirk Müller-Tronnier, Branchenexperte beim Wirtschaftsprüfer Ernst & Young.

Seit Anfang 2012 haben die Institute auch ihre Positionen in Anleihen anderer südeuropäischer Länder merklich abgebaut – über Verkäufe oder weil die Papiere ausgelaufen sind und die Banken keine neuen gekauft haben. Dabei sind griechische Bonds für die meisten Bankvorstände kein Thema mehr, weil sie sie komplett oder weitgehend aus ihren Büchern verbannt haben. Dafür stehen jetzt bei den meisten Häusern spanische und italienische Anleihen im Fokus.

Die HRE-Tochter Deutsche Pfandbriefbank (PBB) berichtete gestern, dass ihr Bestand an italienischen Staatsanleihen in der ersten Jahreshälfte um 800 Millionen Euro auf 2,2 Milliarden Euro schrumpfte und bis zum Jahresende unter 1,5 Milliarden Euro sinken wird. Dabei muss sie keine Anleihen verkaufen: Das Laufzeitende der Anleihen naht, sie werden zurückgezahlt.

Besonders drastisch trennte sich die US-Investmentbank Goldman Sachs im zweiten Quartal von italienischen Anleihen. Sie senkte den Bestand um 92 Prozent. Das Marktrisiko bei italienischen Staatsanleihen schrumpfte bis Ende Juni auf 191 Millionen Dollar.

Das sind die größten Banken Europas

Platz 9

Barclays (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 36,1 Milliarden Euro

Platz 9

Deutsche Bank (Deutschland) - Marktkapitalisierung (2011): 36,1 Milliarden Euro

Platz 8

Royal Bank of Scotland (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 36,6 Milliarden Euro

Platz 7

UBS (Schweiz) - Marktkapitalisierung (2011): 41,3 Milliarden Euro

Platz 6

BNP Paribas (Frankreich) - Marktkapitalisierung (2011): 45,4 Milliarden Euro

Platz 5

Standard Chartered (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 45,5 Milliarden Euro

Platz 4

Allied Irish Banks (Irland) - Marktkapitalisierung (2011): 48,8 Milliarden Euro

Platz 3

Banco Santander (Spanien) - Marktkapitalisierung (2011): 54,3 Milliarden Euro

Platz 2

Sberbank (Russland) - Marktkapitalisierung (2011): 55,9 Milliarden Euro

Platz 1

HSBC Holdings (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 120,8 Milliarden Euro

Die Deutsche Bank hatte sich bereits im vergangenen Sommer massiv von Italien-Bonds getrennt. Sie hielt zum Ende des zweiten Quartals italienische Anleihen im Volumen von über 2,5 Milliarden Euro sowie spanische Staatspapiere im Umfang von rund 900 Millionen Euro.

Nicht jede Bank kann beim Abbau so ein Tempo vorlegen. Das gilt vor allem für Institute, die Anleihen mit sehr langen Laufzeiten besitzen. Die lassen sich nicht so leicht verkaufen. „Die Banken, die ihre Positionen schnell mindern wollen, können das meist nur mit deutlichen Abschlägen“, so Müller-Tronnier.

Bestes Beispiel in Deutschland dafür ist die Commerzbank. Die hat zwar ihr Anleiheportfolio aus südeuropäischen Krisenstaaten seit Jahresbeginn um 3,5 Milliarden Euro auf 11,2 Milliarden reduziert. Davon entfielen allein auf Italien 7,8 Milliarden Euro und weitere 2,6 Milliarden Euro auf Spanien.

Kommentare (2)

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RDA

15.08.2012, 17:30 Uhr

Die Banken sind selbst schuld. Bis zur Finanzkrise waren die Renditen für Bundesanleihen nur unwesentlich niedriger, als für PIIGS-Anleihen. Mit deutschen Pfandbriefen hätte jede Bank eine sichere und besser verzinsliche Anlage gehabt, als mit PIIGS-Anleihen. Wer nach Ausbruch der Finanzkrise PIIGS-Anleihen gekauft hat, hat um das Risiko gewusst und muss dies auch selbst tragen.

Eddie

15.08.2012, 18:10 Uhr

Idiotische Politiker und Buerokraten haben es somit erreicht, den Markt fuer Staatsanleihen zu zerstoeren (statt Investitionen nur noch Verkaeufe). Gleichzeitig wird von den Krisenlaendern Einsparungen verlangt - ein Hohn, denn jede Einsparung wird durch die hohen Zinsen fuer die Refinanzierung sofort zunichte gemacht, gleichzeitig schrumpft deren Wirtschaft, d.h. die Einnahmen des Staates. Hilfe fuer die so in die Enge getriebenen Laender wird auch nur sehr ungern bewilligt oder sogar verhindert. Herr, lass Hirn regnen, unsere Politiker brauchen das dringendst...

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