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15.01.2014

09:42 Uhr

Staatsanleihen

EZB nimmt Banken eine Sorge

Ein Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) könnte die Bankenwelt durchrütteln – wenn auch Staatsanleihen dabei als ausfallgefährdet eingestuft würden. Doch in diesem Punkt deutet EZB-Präsident Draghi Milde an.

Aufgestellte Euro-Münzen: Oft wird über die Bewertung von Staatsanleihen in Bankbilanzen gestritten. dpa

Aufgestellte Euro-Münzen: Oft wird über die Bewertung von Staatsanleihen in Bankbilanzen gestritten.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) will mit Staatspapieren in den Büchern der europäischen Großbanken bei dem anstehenden Stresstest schonend umgehen. EZB-Präsident Mario Draghi schloss in einem am Dienstag veröffentlichten Schreiben aus, dass auch Staatsanleihen zu Marktwerten angesetzt werden müssten, die die Geldhäuser als langfristige Anlage betrachten und deshalb im Bankbuch halten. Auch wenn die Papiere am Markt vorübergehend zu niedrigeren Kursen gehandelt werden, bekommen die Inhaber am Ende der Laufzeit den vollen Betrag zurück - sofern der Staat nicht vorher pleitegeht.

Draghi bekräftigte, dass Staatsanleihen jedweder Kategorie in den Stresstest einbezogen würden. Wie die Aufseher mit Staatspapieren umgehen, für die die Institute zumindest nicht ausschließen, sich vorzeitig von ihnen zu trennen, ließ Draghi offen. Einzelheiten des Stresstests würden Ende Januar oder Anfang Februar veröffentlicht.

Der Umgang mit Staatsanleihen europäischer Länder hatte beim letzten Stresstest der EU-Bankenaufsicht EBA für Unmut bei Investoren gesorgt. Dort waren Wertverluste dieser Papiere zum Tabu erklärt worden, obwohl gleichzeitig die Euro-Schuldenkrise die Märkte erschütterte. Die EZB will ähnliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Tests ausräumen, mit dem sie die Banken vor dem Start der europäischen Bankenunion im November auf Herz und Nieren prüfen will. Draghi antwortete in seinem Schreiben auf einen Brief von Sharon Bowles, der britischen Vorsitzenden des Wirtschafts- und Währungs-Ausschusses im EU-Parlament.

Die drei Stufen der EZB-Bankenprüfung

1. Stufe

Risikobewertung
In einem ersten Schritt prüft die EZB die Risiken in den Bankbilanzen. Dabei schaut sie auf die kurzfristig zur Verfügung stehenden Mittel (Liquidität), die Verschuldung und die Refinanzierung der Bank.

2. Stufe

Asset Quality Review
Im zweiten Schritt schaut sich die EZB mit einem einheitlichen Bewertungsmaßstab etwa für faule Kredite die Bestandteile der Bilanzposten an. Auf dieser Basis wird beurteilt, ob etwa ausreichende Rückstellungen gebildet worden sind. Dabei sind acht Prozent hartes Kernkapital als Zielquote vorgegeben – Banken, die darunter liegen, sollen voraussichtlich auf staatliche Auffangmechanismen zurückgreifen müssen.

3. Stufe

Stresstest
Als letzter Schritt vollzieht die EZB einen Stresstest: Wie reagieren die Bankbilanzen auf gewisse Risikoszenarien? Die Details für den Stresstest sind noch nicht bekannt. Alle drei Schritte sollen bis November 2014 vollzogen sein, wenn die EZB offiziell die Aufsichtsfunktion übernimmt.

Dem Stresstest vorgeschaltet ist eine eingehende Prüfung der Bilanzen aller 128 teilnehmenden Banken (Asset Quality Review, AQR). Auch dort seien die Bestände an Staatsanleihen ein Thema, auch wenn "das Risiko gering ist, dass im AQR etwas Negatives dabei herauskommt", schrieb Draghi. Nach den geltenden Bilanzierungs- und Kapitalvorschriften werden Staatsanleihen grundsätzlich als risikolos eingestuft. Experten warnen aber vor den Milliardenbeständen, die vor allem Banken aus den südeuropäischen Krisenländern in Staatsanleihen ihrer Heimatstaaten aufgebaut haben.

Der EZB-Präsident versuchte auch Bowles' Bedenken zu zerstreuen, dass die Bilanzprüfung und der Jahresabschluss, der bei den meisten Banken parallel erstellt werden muss, sich ins Gehege kommen. Es bestehe keine Gefahr, dass die Institute die Bilanzen für 2013 nach dem AQR neu aufstellen müssten. Dessen Ergebnisse würden ohnehin erst im Herbst veröffentlicht und würden dann nötigenfalls in den Bilanzen des laufenden Jahres berücksichtigt - sofern die EZB-Prüfer keine gravierenden Fehler in der Bilanzierung entdeckten. Deutsche Banken, die nach dem Rechnungslegungsstandard des HGB bilanzieren statt nach den internationalen IFRS-Regeln, bekämen bei dem Banken-TÜV besondere Hilfestellungen. (Reporter: Paul Carrel und Alexander Hübner; redigiert von Georg Merziger)

Von

rtr

Kommentare (3)

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Oeconomicus

15.01.2014, 14:06 Uhr

Bemerkungen zur EZB-Bankenaufsicht und den anstehenden Stresstest
http://oconomicus.wordpress.com/2014/01/09/leserfrage-hinsichtlich-der-bankenaufsicht-durch-die-ezb-und-den-erwartungen-an-den-anstehenden-banken-stresstest/

r-tiroch@t-online.de

15.01.2014, 15:38 Uhr

diese sogenannten Stresstests sind nur nutzlose Scheiße.

Mazi

16.01.2014, 13:41 Uhr

"EZB-Präsident Mario Draghi schloss in einem am Dienstag veröffentlichten Schreiben aus, dass auch Staatsanleihen zu Marktwerten angesetzt werden müssten, die die Geldhäuser als langfristige Anlage betrachten und deshalb im Bankbuch halten."

Eine interessante Einlassung!

Hat die EZB auch Staatsanleihen im Bestand?
Setzt sie diese etwa nicht zum Marktwert an?
Wenn sie dies nicht vornehmen würde, dann könnte sie daraus auch keine Verluste ausweisen.

Wenn sie selbst die Staatsanleihen zum niedrigeren Marktwert, dem beizulegenden Wert, tatsächlich selbst bilanziert, weshalb sollte sie den Banken eine andere Bilanzierung erlauben wollen. Schließlich darf davon ausgegangen werden, dass weder in Deutschland noch im südeuropäischen Ausland oder in Frankreich namhafte Bestände in Staatsanleihen bei Banken und Versicherungen "auf den Büchern" ist.

Aufmerksame Leser ist wahrscheinlich aufgefallen, dass auch nichts an obiger Darstellung stimmt. So hoffe ich, dass das Eingangszitat ebenfalls unzutreffend ist.

Man gewinnt den Eindruck, dass es hier nicht um Systeme, ob sie funktionieren oder nicht, geht, sondern, dass hier Gauner im Spiel sind, Hütchenspieler!

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