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28.05.2015

17:59 Uhr

Staatsanwalt im Sal. Oppenheim-Prozess:

Angeklagter wollte „Untätigkeit oder Unfähigkeit vertuschen“

Im Sal. Oppenheim-Prozess ist der Showdown im Gange: Die Staatsanwaltschaft ist die ehemalige Führung der Bank am Morgen scharf angegangen. Harte Strafen drohen den Angeklagten, die bislang nicht kooperieren.

Plädoyers im Sal. Oppenheim-Prozess

Müssen die Top-Banker hinter Gitter?

Plädoyers im Sal. Oppenheim-Prozess : Müssen die Top-Banker hinter Gitter?

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KölnBeim Sal. Oppenheim-Prozess hat heute das Finale begonnen. Wegen Untreue und Verstößen gegen das Kreditwesengesetz sind die vier früheren persönlich haftenden Bank-Gesellschafter Matthias Graf von Krockow, Christopher Freiherr von Oppenheim, Friedrich Carl Janssen und Dieter Pfundt sowie der Immobilienunternehmer Josef Esch angeklagt.

Alle Blicke richteten sich am Morgen auf die Staatsanwaltschaft. Nach über 120 Verhandlungstagen hatten Angeklagte und Öffentlichkeit gespannt auf deren Schlussplädoyers gewartet. Als erstes ergriff Oberstaatsanwalt Torsten Elschenbroich das Wort – und erhob schwere Kritik an der Unternehmensführung.

Im Umgang mit dem Engagement des Geldhauses beim späteren Pleite-Konzern Arcandor sei es zu Pflichtverletzungen gekommen, sagte Elschenbroich. Alle Partner an der Spitze der Bank seien im Detail über die Vorgänge informiert gewesen und hätten Chancen gehabt, gegenzusteuern. „Hier baute sich ein großes Klumpenrisiko auf, ohne dass darauf adäquat reagiert wurde.“

Im Herbst 2008 stockte Sal. Oppenheim auf Geheiß der Führungsriege den Arcandor-Anteil auf und gewährte einen Kredit von 20 Millionen Euro – ohne ausreichende Sicherheiten. Dem Warenhauskonzern half die Geldspritze nicht. Seine Pleite verschärfte die Krise von Sal. Oppenheim. Das Institut überlebte nur durch die Rettung der Deutschen Bank.

Die Banker hätten in den letzten Jahren vor der Finanzkrise eine „gesteigerte Risikobereitschaft“ an den Tag gelegt, so der Oberstaatsanwalt. Während sich die Bank schnell vergrößert habe, sei die Unternehmensleitung jedoch stetig verkleinert worden. Dabei sei die Führung der Bank zum Teil nachlässig mit ihrer Informationspflicht umgegangen. Und Elschenbroich legte noch eins drauf: „Ein Geschäftsführer, der sich wie Pfundt verhält, will Untätigkeit oder Unfähigkeit vertuschen.“

Janssen und Pfundt, ehemaliger Chef der Investmentsparte, dürften heute besonders nervös sein. Bis dato bestreiten sie alle Vorwürfe. Sie haben das höchste Strafmaß zu befürchten: Mangels Geständnis ist für beide eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung realistisch.

Die Angeklagten im Sal. Oppenheim-Prozess

Matthias Graf von Krockow
  • bis 2009 Sprecher der zunächst fünf, später vier persönlich haftenden Gesellschafter
  • verheiratete mit Ilona von Ullmann aus der Familie der Oppenheims
  • angeklagt wegen Untreue im besonders schweren Fall
  • vorläufig von der Staatsanwaltschaft gefordertes Strafmaß: 4 bis 4,5 Jahre Haft
  • vorläufig von der Richterin in Aussicht gestelltes Strafmaß: 2 bis 3 Jahre
  • Verteidiger: Daniel Krause, Christof Püschel
Christopher von Oppenheim
  • bis 2009 persönlich haftender Gesellschafter
  • angeklagt wegen Untreue im besonders schweren Fall
  • vorläufig von der Staatsanwaltschaft gefordertes Strafmaß: 3 bis 3,5 Jahre Haft
  • vorläufig von der Richterin in Aussicht gestelltes Strafmaß: 22 bis 34 Monate Haft
  • Verteidiger: Klaus Volk, Norbert Scharf
Friedrich Carl Janssen
  • bis 2009 als persönlich haftender Gesellschafter zuständig für Risikomanagement, Beteiligungen, Bankbetrieb sowie die Rechts- und Steuerabteilung
  • angeklagt wegen Untreue im besonders schweren Fall
  • vorläufig von der Staatsanwaltschaft gefordertes Strafmaß: 3,5 bis 4 Jahre Haft
  • lehnte Verständigungsvorschlag des Gerichts ab
  • Verteidiger: Franz Salditt, Ulrich Leimenstoll
Dieter Pfundt
  • bis 2009 als persönlich haftender Gesellschafter zuständig für das Investmentbanking
  • angeklagt wegen Untreue im besonders schweren Fall
  • vorläufig von der Staatsanwaltschaft gefordertes Strafmaß: 15 bis 21 Monate Haft
  • vorläufig von der Richterin in Aussicht gestelltes Strafmaß (bei Geständnis): 20 bis 32 Monate Haft
  • Verteidiger: Felix Dörr, Johannes Corsten
Josef Esch
  • Immobilienunternehmer aus Troisdorf mit engen Geschäftsbeziehungen zum Bankhaus Sal. Oppenheim
  • Anklage wegen Beihilfe zur Untreue eingestellt nach Paragraf 153a Strafgesetzbuch gegen Zahlung einer Geldauflage von sechs Millionen Euro
  • weiterhin angeklagt wegen Verstoß gegen das Kreditwesengesetz
  • Verteidiger: Eberhard Kempf, Heiko Lesch

Bereits Ende 2014 hatten die Staatsanwälte Elschenbroich und Gunnar Greier eine Zwischenbilanz gezogen und durchblicken lassen, welche Strafen sie für angemessen halten: Vier bis viereinhalb Jahre für Krockow, dreieinhalb bis vier Jahre für Janssen, drei bis dreieinhalb Jahre für Oppenheim.

Kommentare (7)

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Herr Manfred Zimmer

28.05.2015, 09:21 Uhr

Das sollen alle gewesen sein, die sich schuldig gemacht haben? Da konnte man in der Zwischenzeit aber anderes lesen.

Gehen wir einmal davon aus, dass es sich lediglich um einen Schauprozess handelt und "die Öffentlichkeit kein Interesse an einer weiteren Aufklärung hatte".

So oder ähnlich formuliert doch die Staatsanwaltschaft, wenn sie als "Kettenhunde" aus bestimmter Richtung "geschickt" werden.

Der ESM und die "alternativlosen" Entscheidungen unserer Volksvertreter sind nicht nur von den Beträgen her gesehen viel größer, sondern betreffen die Bürger in weit größerem Maße! Dagegen sind die hier angeklagten doch Waisenknaben.

Sergio Puntila

28.05.2015, 10:21 Uhr

Da hat garnicht begonnen geschweige denn wird es justiziabel:

Eine elendig verschweinerte Gesellschaft , die für ihre Schweinereien auch noch die Justiz in Anspruch zu nehmen wollen scheint.

Herr Marc Otto

28.05.2015, 10:24 Uhr

Und wieder geht es eigentlich nur darum, dass man das Volk davon ablenken will, dass uns die NSA weiterhin ausschnüffeln kann?

- Erika belügt uns
- Die NSA + BND schnüffeln uns aus
- Ami-Land klaut unserer Wirtschaft die Erfindungen

Aber das Volk starrt auf jede Ablenkung, die man ihm vorwirft.

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