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16.06.2015

11:30 Uhr

Staatsanwaltschaft ermittelt

Neuer Ärger für Sal. Oppenheim

VonVolker Votsmeier

Razzia bei der Ex-Privatbank: Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen Sal. Oppenheim wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. Das Verfahren richtet sich auch gegen noch aktive Mitarbeiter der Bank.

Das Kölner Bankhaus steht im Visier der Staatsanwaltschaft. Der Vorwurf: Steuerhinterziehung. dapd

Sal. Oppenheim

Das Kölner Bankhaus steht im Visier der Staatsanwaltschaft. Der Vorwurf: Steuerhinterziehung.

DüsseldorfDer früheren Privatbank Sal. Oppenheim steht neuer Ärger ins Haus: Die Staatsanwaltschaft Köln hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung und der Beihilfe zur Steuerhinterziehung eingeleitet. Es geht um Investitionen von hochvermögenden Kunden in Luxemburger Spezialfonds. Womöglich haben die Investoren mit Hilfe von Bankmitarbeitern Steuervorteile in Anspruch genommen, die ihnen nicht zustehen.

Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ sind bei der groß angelegten Razzia in der vergangenen Woche insgesamt 28 Objekte durchsucht worden. Auch das Bankhaus selbst war von den Ermittlungen betroffen. Nach dem Bericht richtet sich das Verfahren gegen 14 teils ausgeschiedene und teils noch aktive Mitarbeiter der Bank. In ihrem Fall geht es um mögliche Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Nicht bekannt ist dagegen die Zahl der betroffenen Kunden, die – so der Verdacht der Staatsanwälte – selbst Steuerhinterziehung begangen haben.

Sal. Oppenheim: Aufstieg und Niedergang

1789

Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

1798

Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

1904

Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

1929

Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

1938

Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

1947

Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

1964

Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

1993

Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

1999

Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

2005

Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

2008

Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

2009

Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.

Die Ermittler haben offenbar Investments in Luxemburger Spezialfonds im Visier. Die Anlage war einige Zeit bei hochvermögenden Familien sehr beliebt. Es handelt sich nicht um einen klassischen Publikumsfonds, sondern um ein maßgeschneidertes Anlage-Vehikel für einen sehr ausgewählten Kreis von Investoren. Der Clou: Zwischenzeitlich realisiert Gewinne können zunächst steuerfrei verbucht werden, erst wenn der Investor aus dem Fonds aussteigt, muss er Steuern zahlen.

Allerdings war dieses so genannte Fondsprivileg an strenge Regeln gebunden: Vor allem darf der Kunde sich nicht selbst um die Anlagen des Fonds kümmern, das ist Sache der Fondsfirma oder der Bank. Womöglich haben viele Investoren diese Regel missachtet und so die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen. Sie vermuten, dass die im Fonds erzielten Veräußerungsgewinne zu Unrecht nicht versteuert wurden.

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Neun Beschuldigte, zwei Ermittlungsfälle, Verdacht auf Steuerbetrug in Höhe von 43 Millionen Euro: Zwei Tage nach der Razzia bei der Deutschen Bank nennt die Staatsanwaltschaft Details. Das Geldhaus hat wohl mitverdient.

„Das Bankhaus Sal. Oppenheim jr. & Cie. hat im Rahmen von internen Untersuchungen Hinweise auf Vorgänge mit potentiell steuerlichen Auswirkungen bei bestimmten Fondsanlagen erhalten und darüber im Rahmen rechtlicher Vorgaben unmittelbar die zuständigen Behörden informiert“, sagte ein Sprecher der Bank. Die Staatsanwaltschaft habe Unterlagen zu diesen Geschäftsvorgängen angefordert, die seitens Sal. Oppenheim zur Verfügung gestellt worden sein. „Sal. Oppenheim hat der Staatsanwaltschaft ihre umfassende Kooperation im Zuge der weiteren Ermittlungen zugesichert“, sagte der Sprecher. Auch das eigene Haus hat Sal. Oppenheim bereits mit Hilfe der Kanzlei Linklaters durchleuchtet.

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt wegen eines ähnlichen Fonds gegen die Brüder Thomas und Andreas Strüngmann. Die Hexal-Gründer hatten deshalb im Frühjahr Besuch von der Steuerfahndung bekommen und erklärt, vollständig kooperieren zu wollen.

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