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02.08.2011

06:44 Uhr

Staatsschuldenkrise

Bafin-Aufseher fühlt sich „weitgehend machtlos“

VonFrank Matthias Drost

ExklusivBafin-Aufseher Raimund Röseler ist auch nach dem Bankenstresstest der Eba alles andere als beruhigt. Sorgen macht ihm die Staatsschuldenkrise, in der er die Bafin als „weitgehend machtlos“ sieht.

BerlinDer oberste Bankenaufseher der Finanzaufsicht Bafin, Raimund Röseler, ist besorgt. "Ich halte den deutschen Bankenmarkt nach wie vor für verwundbar", sagte Röseler dem Handelsblatt in seinem ersten Interview als neuer Exekutivdirektor für Bankenaufsicht. Die Aussage überrascht, denn die zwölf größten deutschen Banken haben den Stresstest der europäischen Finanzaufsichtsbehörde EBA im Juli bestanden. Dabei wurde simuliert, wie die Institute auf extreme Marktentwicklungen reagieren.

Der Test habe zwar gezeigt, dass die deutschen Banken robust und widerstandsfähig seien, räumt Röseler ein. Aber "beruhigt zurücklehnen können wir uns trotzdem nicht". Schließlich würden sich Stresstests dadurch auszeichnen, dass sie nur in bestimmten Segmenten außergewöhnliche Entwicklungen simulieren. "Womöglich wird aber die nächste Krise nicht in einem Geschäftsfeld ausgelöst, das wir gerade unter die Lupe genommen haben", so Röseler.

Landesbanken sind nicht generell Sorgenkinder der Kreditwirschaft

Die EBA untersuchte beispielsweise, wie Banken einen zweijährigen Wirtschaftseinbruch von vier Prozent mit einhergehenden Einbrüchen bei den Aktien- und Anleihemärkten verkraften würden. Wer in diesen Krisenszenarien ein Kernkapital aufwies, das die Marke von fünf Prozent unterschritt, hatte den Test nicht bestanden. Nur knapp bestanden die HSH Nordbank und die NordLB den Test. Die Landesbank Hessen-Thüringen blieb dem Test fern, nachdem die EBA die Zusage des Landes, stille Einlagen in haftendes Kernkapital umzuwandeln, nicht anerkennen wollte.

"Es gibt Sorgenkinder unter den Landesbanken, aber Landesbanken sind nicht generell die Sorgenkinder der deutschen Kreditwirtschaft", betonte Röseler. Es sei nicht Aufgabe der Bankenaufsicht, die Geschäfte der Landesbanken neu auszurichten. "Sorge macht mir aber, wenn die EU-Kommission antritt und beispielsweise bei Landesbanken verlangt, dass gerade funktionierende Teile eines Geschäftsmodells zurückgefahren werden müssen", so Röseler. Das ist beispielsweise bei der Schiffsfinanzierung der HSH Nordbank der Fall.

Das Direktionsmitglied der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Raimund Röseler. Quelle: dapd

Das Direktionsmitglied der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Raimund Röseler.

Länderrisiken bereiten dem Bankenaufseher derzeit die größten Sorgen. Auch nach dem neuen Rettungspaket für Griechenland bestehe die Gefahr von Ansteckungseffekten. Zweistellige Risikoaufschläge auf portugiesische Staatsanleihen seien beunruhigend. Würde ein einzelnes Land der Peripheriestaaten zahlungsunfähig werden, wären die direkten Belastungen für die deutschen Banken zwar sehr schmerzhaft, meist aber wohl noch verkraftbar, so Röseler.

Ansteckungsgefahren drohen vor allem durch andere Banken

Nicht kalkulierbar wären aber potenzielle Ansteckungsketten. Zum Beispiel könnten andere europäische Banken Probleme bekommen und sie auf deutsche Institute übertragen, befürchtet der Exekutivdirektor. Die Deutsche Bank hat Konsequenzen aus den Spekulationen über die abnehmende Bonität von EU-Staaten gezogen und ihre Kredite an den italienischen und spanischen Staat reduziert.

An der mitunter polemischen Debatte um die Rolle der Ratingagenturen, der Bonitätswächter von Staaten und Unternehmen, beteiligt sich Röseler nicht. Ratingagenturen hätten die Situation in den EU-Staaten während der Schuldenkrise so beschrieben, wie sie sei. "Das kann man ihnen nicht vorwerfen. Kritisch sehe ich lediglich das Timing der Ratingentscheidungen, weil Ratingagenturen mit ihrem Urteil trendverstärkend wirken", so Röseler. Generell seien die Agenturen in einer undankbaren Situation. Früher habe man sie zu Recht gescholten, weil sie nichts oder zu spät etwas gesagt haben; "jetzt sagen sie etwas, und bekommen dafür wieder Kritik", beschreibt Röseler die Lage.

Kommentare (5)

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02.08.2011, 08:29 Uhr

Banken und andere Kreditgeber lernen gerade unter großen Schmerzen, daß man Schuldnern nicht ohne weiteres Vertrauen schenken sollte, auch nicht Staaten und Regierungen.

Das läßt immerhin hoffen.

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02.08.2011, 08:45 Uhr

Gar nichts wurde gemacht! Es wurden zu wenige Gesetze wieder zurückgenommen, die das Drama erst möglich machten. Bilanzierungstricks, Breifkastenfirmen und Eigenkaptialvorschriften. Was ist mit den Credit Default Swaps? Was ist mit den Schattenbanken bzw. Hedgefonds. Man reguliert aber auch gar nichts! Seitens der Politik ist nichts seit 2008 passiert, obwohl man beteuerte das man sich darum kümmern würde. Man braucht sich jetzt nicht zu wundern!

Account gelöscht!

02.08.2011, 09:20 Uhr

Gar nichts haben die Banken gelernt außer, dass sie spekulkieren können bis zum "Geht nicht mehr" um dann zu sagen: Hilfe Hilfe lieber, blöder Steuerzahler... .

Und der kommt auch prompt und hält seinen Allerwertesten hin.

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