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20.05.2016

18:58 Uhr

Stadtsparkasse München

Kostenloses Online-Konto nur für Gutverdiener

VonElisabeth Atzler, Jens Hagen

Wer nicht monatlich mindestens 1.750 Euro aufs Online-Konto einzahlt, muss bei der Stadtsparkasse München künftig Gebühren zahlen. Das ruft sogar den Bürgermeister auf den Plan. Doch ungewöhnlich ist das Vorgehen nicht.

Viele Banken und Sparkassen erhöhen derzeit ihre Kontogebühren. Die Stadtsparkasse München hat jetzt Ärger mit dem Münchner Oberbürgermeister. Der hält eine neue Gebühr für sozial ungerecht. dpa

Sparkassen

Viele Banken und Sparkassen erhöhen derzeit ihre Kontogebühren. Die Stadtsparkasse München hat jetzt Ärger mit dem Münchner Oberbürgermeister. Der hält eine neue Gebühr für sozial ungerecht.

Frankfurt Es ist gerade einmal vier Wochen her, da kündigte die Stadtsparkasse München neue Kontomodelle an – wie viele andere Geldhäuser auch. Im Kern müssen die Kunden immer mehr zahlen als bisher, so auch in München.

Dort gibt es drei verschiedene Konten. Das Komfort-Konto kostet nun 7,95 Euro im Monat, einzelne Dienstleistungen sind kostenlos. Für das Individual-Konto müssen Kunden 2,95 Euro zahlen – und für etliche Leistungen extra. Überweisungen per Papierbelegt schlagen zum Beispiel mit 60 Cent zu buche, Auszahlungen am Geldautomaten mit 30 Cent.

Aufgebracht hat den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) die dritte Kontovariante, das Online-Konto. Das ist kostenlos, wenn der Kunde monatlich mindestens 1.750 Euro einzahlt. Sonst muss er 4,95 Euro berappen. Genau daran stört sich Reiter, der an der Spitze des Verwaltungsrats der Sparkasse steht, und er machte seinem Unmut diese Woche in einem Statement Luft. Reiter hält die Gebühren für unfair, wenn Geringverdiener mehr berappen müssen.

Die größten Sparkassen (2015)

Platz 10

Sparkasse Bremen AG

Bilanzsumme: 11,1 Mrd. Euro
Einlagen: 7,6 Mrd. Euro
Spareinlagen: 3,1 Mrd. Euro
Kundenkredite: 8,8 Mrd. Euro

Angaben jeweils für Ende 2015

Platz 9

Nassauische Sparkasse (Wiesbaden)

Bilanzsumme: 11,4 Mrd. Euro
Einlagen: 8,7 Mrd. Euro
Spareinlagen: 1,8 Mrd. Euro
Kundenkredite: 8,9 Mrd. Euro

Platz 8

Mittelbrandenburgische Sparkasse (Potsdam)

Bilanzsumme: 11,6 Mrd. Euro
Einlagen: 9,5 Mrd. Euro
Spareinlagen: 4,5 Mrd. Euro
Kundenkredite: 5,4 Mrd. Euro

Platz 7

Ostsächsische Sparkasse (Dresden)
Bilanzsumme: 12,3 Mrd. Euro
Einlagen: 10 Mrd. Euro
Spareinlagen: 3,8 Mrd. Euro
Kundenkredite: 5,2 Mrd. Euro

Platz 6

Sparkasse Hannover
Bilanzsumme: 113,7 Mrd. Euro
Einlagen: 10,9 Mrd. Euro
Spareinlagen: 3 Mrd. Euro
Kundenkredite: 10,6 Mrd. Euro

Platz 5

Stadtsparkasse München
Bilanzsumme: 17,1 Mrd. Euro
Einlagen: 14,6 Mrd. Euro
Spareinlagen: 4,7 Mrd. Euro
Kundenkredite: 12,2 Mrd. Euro

Platz 4

Frankfurter Sparkasse

Bilanzsumme: 18 Mrd. Euro
Einlagen: 15,6 Mrd. Euro
Spareinlagen: 1,9 Mrd. Euro
Kundenkredite: 7,5 Mrd. Euro

Platz 3

Kreissparkasse Köln

Bilanzsumme: 24,6 Mrd. Euro
Einlagen: 17,7 Mrd. Euro
Spareinlagen: 5,6 Mrd. Euro
Kundenkredite: 19,4 Mrd. Euro

Platz 2

Sparkasse KölnBonn

Bilanzsumme: 26,7 Mrd. Euro
Einlagen: 19.109.971.000 Euro
Spareinlagen: 5.125.852.000 Euro
Kundenkredite: 19.140.172

Platz 1

Hamburger Sparkasse (Haspa)

Bilanzsumme: 43 Mrd. Euro
Einlagen: 33 Mrd. Euro
Spareinlagen: 7,6 Mrd. Euro
Kundenkredite: 30,5 Mrd. Euro

Quelle

Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV)

„Mein Ziel ist es, dass nicht ausgerechnet die untersten Einkommensgruppen mit der höchsten Gebührenlast bei der Kontoführung belegt werden, sondern ein sozial ausgeglicheneres Modell oberste Einkommensgruppen ebenfalls angemessen einbezieht“, sagt Reiter. Ihn hätten dazu eine „Vielzahl von Beschwerden“ erreicht, die höhere Gebühren bei geringen Zahlungseingängen als sozial ungerecht bewertet hätten.

Reiter will erreichen, dass die Stadtsparkasse ihre neuen Gebühren noch einmal überdenkt. Er habe Sparkassenchef Ralf Fleischer gebeten, ein „alternatives Gebührenmodell zu berechnen, welches bei gleichem betriebswirtschaftlichem Ergebnis eine sozialgerechte Lastenverteilung zum Inhalt hätte“, so der Oberbürgermeister. Die Sparkasse will das nun prüfen und das Thema in einer der nächsten Verwaltungsratssitzungen aufgreifen, wie ein Sprecher sagte.

Die öffentliche Rüge Reiters ist ungewöhnlich. Möglicherweise heikle Angelegenheiten werden von Vorstand und Verwaltungsrat meist hinter den Kulissen geklärt. Die Sparkasse operativ zu führen, ist dabei Sache des Vorstands. Allerdings, so heißt es im bayrischen Sparkassengesetz, erlässt das Kontrollgremium Richtlinien für die Geschäftsführung.

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Grundsätzlich ist das Vorgehen der Stadtsparkasse München alles andere als ungewöhnlich. Gratis-Konten für Arme gibt es nämlich so gut wie nicht, belegt eine Auswertung der FMH Finanzberatung für Handelsblatt Online unter 62 Banken. Bei 33 Gratis-Konten verlangen die Institute einen monatlichen Gehalts- oder zumindest Geldeingang. So sind beispielsweise die Gratis-Konten der Commerzbank und der Postbank daran gebunden, dass 1000 Euro beziehungsweise 1200 Euro im Monat eingehen.Andernfalls verlangt die Postbank 5,90 Euro und die Commerzbank gar 9,90 Euro. 1000 Euro müssen es bei der Volkswagen Bank und der PSD Nord eingehen.

Auch bei Sparkassen gibt es solche Modelle. So kostet das Onlinekonto der Mittelbrandenburgischen Sparkasse Potsdam 2,50 Euro, wenn weniger als 1200 Euro im Monat eingehen. Die Gebühr für das Aktiv-Konto der Frankfurter Sparkasse springt auf 6,90 Euro, sollte der Kunde nicht 1300 Euro einzahlen.

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