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19.06.2015

16:35 Uhr

Stage Entertainment

„König der Löwen“ geht an Finanzinvestor

Millionen Menschen weltweit strömen jedes Jahr in die Theater des Musical-Moguls Joop van den Ende. Jetzt nimmt der bisherige Besitzer einen finanzkräftigen Investor mit ins Boot bei Stage. Ziel: weiter wachsen.

Mit dem Finanzinvestor CVC an Bord will der Musical-Veranstalter weiter wachsen. obs

Stage-Musical „Das Phantom der Oper“

Mit dem Finanzinvestor CVC an Bord will der Musical-Veranstalter weiter wachsen.

Amsterdam/HamburgMusical- und Theaterproduzent Joop van den Ende (73) verkauft die Mehrheit an seinem internationalen Musical-Imperium Stage Entertainment. Der Finanzinvestor CVC Capital Partners werde 60 Prozent der Anteile übernehmen, verkündete van den Ende am Freitag in Amsterdam. Die Transaktion soll in der zweiten Jahreshälfte 2015 abgeschlossen sein. Details wurden nicht genannt.

Joop van den Ende hatte Stage Entertainment vor 17 Jahren gegründet. Seitdem habe sich das Unternehmen zum Marktführer in der Musicalwelt mit mehr als zehn Millionen Besuchern pro Jahr entwickelt, hieß es. Weltweit erwirtschaftete das Unternehmen mit 3500 Beschäftigten 2013/14 (31.7.) einen Umsatz von 500 Millionen Euro.

Der Niederländer verkauft die Mehrheit an Stage Entertainment an den Investor CVC Capital Partners. dpa

Joop van den Ende

Der Niederländer verkauft die Mehrheit an Stage Entertainment an den Investor CVC Capital Partners.

In Deutschland (Hauptsitz ist Hamburg) betreibt Stage zwölf Theater. Zu den Hits gehören „Das Phantom der Oper“, „König der Löwen“ und „Das Wunder von Bern“. In der Saison erzielten sie mit 1650 Beschäftigten 299 Millionen Euro Umsatz.

Als Grund für den Verkauf nannte van den Ende sein Alter. Er wolle so den Fortbestand und den Erfolg des Unternehmens sicherstellen. Unabhängige Analysen sähen vielversprechende Wachstumsmöglichkeiten im weltweiten Live Entertainment Markt und besonders für Musicals in Europa, Nordamerika, aber auch in neuen Märkten wie Asien und Südamerika. Die Partnerschaft mit CVC Capital Partners solle einen wichtigen Beitrag zum Wachstum des Unternehmens liefern.

Der Musicalmarkt

Der Marktführer

Die „Stage Entertainment Deutschland“ mit Sitz in Hamburg beherrscht den deutschen Musicalmarkt. Umsatz rund 600 Millionen Euro, Mitarbeiter: etwa 4000. Geschäftsführer Johannes Mock O’Hara.

Zu Stage gehört auch der Ticket-Systembetreiber „Ticket Online Software GmbH“ sowie der britische Ticketanbieter SEE Ticket. Zudem ist die Stage Mitgründer des Entertainment- und Medienunternehmens ID&T Germany. Hinzu kommen ein eigenes Call-Center für den Ticket-Verkauf sowie die Show „Holiday on Ice“.

Auch den eigenen Nachwuchs bildet Stage aus: An der „Joop van den Ende Academy“ werden jährlich zehn Darsteller ausgebildet. Die „Stage Entertainment Deutschland“ ist Teil der in den Niederlanden beheimateten internationalen Stage Entertainment, deren Eigentümer der langjährige Vorstands- und jetzige Aufsichtsratsvorsitzende Joop van den Ende ist.

Musicals: König der Löwen, Mamma Mia, Rocky, Tarzan

Der Verfolger

„MehrEntertainment“ mit Sitz in Düsseldorf ist der Stage-Verfolger im Millionenbusiness Musical. Umsatz: 77,3 Millionen Euro, Gewinn: 7,9 Millionen Euro (Edtida), Mitarbeiter 700; Geschäftsführer Maik Klokow (ehemals Stage) und Günter Irmler.

Neben der Produktion und der Vermietung von sieben Spielstätten gehören zur Unternehmensgruppe unter anderem auch der Hamburger Konzertveranstalter a.s.s. concerts & promotion gmbh, die Kölner Tourneeagentur s.e.a. entertainment gmbh sowie der Ticketvermarkter Deutsche Eintrittskarten TKS GmbH mit Online-Ticketportal zum Unternehmen.

Musicals unter anderem: Cats und Starlight Express

Das Urgestein

BB Promotion mit Sitz in Bremen besteht seit mehr als 25 Jahren, Umsatz: 80 Millionen Euro, Mitarbeiter 100, Geschäftsführer Ralf Kokemüller; Der Schwerpunkt liegt im Gegensatz zu „MehrEntertainment“ auf der Produktion von Musicals und dem Tourgeschäft.

Eigene Standorte baut das Unternehmen nicht auf, sondern mietet sich mit seinen Shows in anderen Häusern ein.

Musicals unter anderem: Queen, Die Schöne und das Biest, West Side Story

Der Pionier

Die Stella Entertainment brachte erstmalig in den 80ern Musicals in großem Umfang nach Deutschland. 1986 startete der Schwabe Fritz Kurz mit der Firma das Musical „Cats" im Hamburger Operettenhaus. 1988 trat Rolf Deyhle in das Unternehmen ein.

Die beiden trennten sich, nach Deyhles Ausstieg geriet die Stella unter Peter Schwenkow in finanzielle Schieflage – nicht aber aus inhaltlichen Grünen, wie Experten bescheinigen, sondern weil die neuen Besitzer zu viel Geld aus dem Unternehmen zogen.

Die von Joop van den Ende 1998 gegründete Stage Entertainment übernahm die Stella-Theater und -Musicals.

Der größte Erfolg

„Phantom der Oper“ mit einem weltweiten Einspielerebnis von 5,6 Milliarden US-Dollar (Stand: Mai 2013) vor „Der König der Löwen“ (5 Milliarden) und „Wicked“ sowie „Cats“ (jeweils 2,8 Milliarden Dollar).

Die Mitarbeiter

Die Löhne in der Branche gelten gerade bei den Big Playern als vernünftig. Wer eine Hauptrolle ergattert und zu den Stars gehört, dessen Gehalt kann gar fünfstellig (brutto) werden.

Ensemblemitglieder bei großen Produktionen liegen laut Bühnengenossenschaft ungefähr bei 3000 Euro (brutto). Problematisch sind allerdings die zeitlichen Beschränkungen. Selbst Jahresverträge sind die Ausnahme, kürzere Engagements eher die Regel. „Die Unsicherheit in der Branche ist das größte Problem“, sagt Professor Schmude.

Die Tickets

Preislich durchbrechen die meisten Musicals gemessen an der ersten Kategorie längst die 100 Euro-Marke. Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland damit aber eher im Mittelfeld. Je nach Standort zahlen Musicalfans in den USA bis zu 222,35 Euro (umgerechnet).

„Ich bleibe Stage Entertainment in den kommenden Jahren persönlich und als Anteilseigner eng verbunden“, kündigte van den Ende an. „In meiner Funktion als Co-Chairman des Aufsichtsrats, der die Spielplangestaltung, die Entwicklung neuer Titel und die Strategie des Unternehmens verantwortet, werde ich mich auf die kreative Entwicklung eigener neuer Titel für nationale und internationale Märkte fokussieren.“

CVC äußerte sich optimistisch über die Wachstumsmöglichkeiten. Und auch van den Ende betonte: „In den kommenden fünf Jahren können wir von heute zehn Millionen Besuchern pro Jahr auf dann 20 Millionen jährlich wachsen.“

Von

rtr

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