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03.07.2013

16:57 Uhr

Standard & Poor's warnt

Anleger reagieren auf Rüge für Deutsche Bank

Die schlechten Nachrichten für die Deutsche Bank reißen nicht ab: Nun hat auch noch die Ratingagentur Standard & Poor's Zweifel am Geschäftsmodell des größten deutschen Geldinstituts. Die Aktie leidet darunter.

Die Sorgen für Jürgen Fitschen reißen nicht ab: Der Co-Chef der Deutschen Bank muss sich jetzt auch noch mit dem schlechteren Ranking von S&P beschäftigen. dapd

Die Sorgen für Jürgen Fitschen reißen nicht ab: Der Co-Chef der Deutschen Bank muss sich jetzt auch noch mit dem schlechteren Ranking von S&P beschäftigen.

London/Frankfurt/DüsseldorfEs sind harte Worte, die die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) in Richtung der Deutschen Bank sendet: „Wir sehen Risiken im Profil des weltweiten Investmentbankings der Deutschen Bank und glauben, dass die Fähigkeit der Bank, stabile, vorhersehbare Erlöse zu generieren, gesunken ist.“ In der Nacht zu Mittwoch hat die Agentur ihre Bewertung für die Kreditwürdigkeit des Instituts um eine Stufe von „A+“ auf „A“ gesenkt. Die Anleger beeindruckte das jedoch nur moderat und so sank im Laufe des Tages die Aktie stets um etwa drei Prozent im Vergleich zum Vortag.

Der gesenkte Daumen der Ratingagentur belastete jedoch die Börsenkurse der gesamten Branche. Der europäische Branchenindex Stoxx 600 Banks stand mit einem Minus von 3,03 Prozent am unteren Ende des Sektortableaus. Noch kräftiger fielen aber Titel der Commerzbank.

Die schlechten Nachrichten kommen für die Deutsche Bank zur Unzeit. Seit Jahresbeginn ist der Wert der Aktie um mehr als fünf Prozent gesunken, allein im vergangenen Monat gab sie sogar um fast zehn Prozent nach. Erst am Montag war bekannt geworden, dass die EU-Kommission die Deutsche Bank und zwölf weitere Investmentbanken aus Europa und den USA verdächtigt, geheime Absprachen beim Handel mit Kreditausfallversicherungen (CDS) getroffen zu haben. Den Geldhäusern drohen hohe Kartellstrafen.

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Haben 13 Großbanken den Handel mit Kreditausfallversicherungen abgeschottet? Die EU-Kommission glaubt, ausreichend Belege dafür zu haben, und droht mit Geldbußen. Auch die Deutsche Bank ist betroffen.

Zudem zeigte eine Berechnung der US-Einlagensicherung (FDIC) Ende Juni, dass die Deutsche Bank trotz Kapitalerhöhungen am schwächsten von allen internationalen Großbanken kapitalisiert ist. Auch S&P sieht darin ein Problem. Obwohl man anerkenne, dass das Institut seine Kapitalausstattung verbessert hat, sehe S&P „Risiken, die in dem Profil der Deutschen Bank als weltweit operierende Investmentbank und der damit zusammenhängenden Volatilität der Erlöse der Deutschen Bank stehen.“ Fast 50 Prozent der Erlöse des Unternehmens stammten schließlich aus dem Bereich Investment Banking.

Zusätzlich sieht die Ratingagentur die Bank durch die künftig schärferen Regeln in Deutschland und den USA belastet.
Außer dem größten deutschen Institut sieht S&P auch die britische Barclays Bank und die Schweizer Credit Suisse kritisch. Beide wurden von der Ratingagentur ebenfalls wegen ihres großen Investmentbankings auf „A“ abgewertet. Angesichts des unsicheren Umfelds sei es für die drei Institute schwer, stabile und planbare Erträge zu erwirtschaften. Zumindest müssen die Geldhäuser zunächst mit keiner weiteren Abwertung rechnen: Der Ausblick sei „stabil“.
In ihrer Analyse erinnerte S&P Investoren an die weiterhin großen Risiken für die Branche. Die strengeren gesetzlichen Auflagen, die unsichere globale Wirtschaftslage, die Stagnation in Europa und die möglichen Kosten aus den zahlreichen Rechtsstreitigkeiten belasteten die Institute. Schon in den vergangenen Tagen waren die Kurse für die Kreditausfallversicherungen der Banken deutlich gestiegen.

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