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18.10.2013

10:30 Uhr

Standortverlagerung

Nimm die Zentrale und wandere

Beim Software-Konzern SAP wird viel diskutiert, ob in den kommenden Jahre die Zentrale aus Walldorf vielleicht gar ins Ausland verlegt werden könnte. Einige Beispiele zeigen, dass so etwas nicht unmöglich ist.

Nicht nur das kulturelle Angebot in London lockt immer mehr Unternehmen nach London. Die Einschnitte bei der Unternehmenssteuer haben eine gewisse Anziehungskraft. dpa

Nicht nur das kulturelle Angebot in London lockt immer mehr Unternehmen nach London. Die Einschnitte bei der Unternehmenssteuer haben eine gewisse Anziehungskraft.

LondonDie Schweizer Stadt Baar hat saubere Luft, leichten Zugang zu Skipisten und eine niedrige Einkommenssteuer. Und London? Jede Menge Verkehr und ständigen Dauer-Nieselregen. Und dennoch: Die Manager von Noble, einem Dienstleister für die Ölindustrie, verlegen gerade ihre Unternehmenszentrale von Baar in die britische Hauptstadt. Sie verweisen auf talentierte Arbeitskräfte und die vorteilhafte Fluganbindung via London-Heathrow, dem verkehrsstärksten Flughafen in Europa. Hinzu kommt, dass das britische Steuersystem inzwischen mit dem traditionell sehr unternehmensfreundlichen Steuersystem der Schweiz mithalten kann.

Noble gehört zu einer Reihe ausländischer Unternehmen, die mit ihren Firmenzentralen in die britische Hauptstadt umziehen. Angelockt werden sie dabei unter anderem vom sinkenden Steuersatz für Unternehmen. Die Entwicklung spiegelt die Bemühungen des britischen Premierministers David Cameron wider, sein Land für ausländische Unternehmen attraktiver zu machen. Gleichzeitig könnte London vor diesem Hintergrund die Abhängigkeit von der Finanzbranche reduzieren. Diese befindet sich seit der Finanzkrise im Jahr 2008 auf dem Rückzug.

In Deutschland ranken sich zuletzt immer wieder Gerüchte, dass der Software-Konzern SAP zumindest die Zentralfunktionen aus dem angestammten Standort im baden-württembergischen Walldorf abziehen könnte. Das Unternehmen weist dies zurück, aber zumindest unmöglich ist ein solcher Umzug nicht.

„Es gibt definitiv eine Bewegung Richtung Großbritannien, und ich glaube, mehr wird kommen“, sagt Angus Winther, Berater bei der Investmentbank Evercore Partners Inc. „Es gibt riesige Vorteile: Man hat ein breites Reservoir an Talenten, Infrastruktur, Sprache, niedrigere Steuern.“

Im Jahr 2012 verlagerten 45 ausländische Unternehmen weltweite oder regionale Zentralen nach London – nach nur 25 im Jahr 2009. Das belegen Daten von FDI Markets. Zu den Umzüglern dieses Jahr zählen die Öl- und Gassparte von General Electric, die zuvor in Italien war, sowie der chinesische Entwickler ABP (China) Holdings Group, der seine Weltzentrale in London aufbaut. Auch Aon Plc, Nummer zwei unter den Versicherungsmaklern der Welt, verlegte seinen Sitz im vergangenen Jahr von Chicago nach London. WPP, die größte Werbeagentur der Welt, kündigte vergangenes Jahr an, sie wolle nach London zurückkehren.

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