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08.11.2011

09:14 Uhr

Staranalyst Mike Mayo

„Banken sind immer noch eine Blackbox“

VonRolf Benders

ExklusivMike Mayo ist einer der bekanntesten Köpfe der US-Finanzbranche. Im Gespräch mit dem Handelsblatt sieht der US-Staranalyst beim spektakulären Kollaps des Brokers MF Global die alten Mechanismen der Wall Street am Werk.

Wall Street analyst Mike Mayo spricht offene Worte. dapd

Wall Street analyst Mike Mayo spricht offene Worte.

New YorkWir sind auch stinksauer“, sagt Mike Mayo, New Yorker Staranalyst, der gleichermaßen gefürchtet wie geachtet ist. „Wir, das sind die 99 Prozent der Wall Streeter, die die Finanzkrise nicht hervorgerufen haben“, sagt er, der als einer der wenigen Experten die Bankenkrise von 2008 vorhergesehen hat.

Wie die Protestler der „Occupy Wall Street“-Bewegung ist Mayo auf großer Mission – nur auf andere Art und Weise. In seinem nüchtern eingerichteten Büro in der „Avenue of the Americas“ inmitten des boomenden Geschäftsviertels Midtown steht hinter ihm überlebensgroß das Cover des derzeit in der New Yorker Finanzmeile wohl am heftigsten diskutierten Buches. Seines Buches: „Exil an der Wall Street – der Kampf eines Analysten zur Rettung der Banken vor sich selbst“.

Mayo gehört zum Kreis der wenigen Experten, die wie der populäre New Yorker Professor Nouriel Roubini die Finanzkrise haben kommen sehen. Aber Mayo ist anders als der Akademiker Roubini: Manche Banken würden sagen, er ist gefährlicher. Denn auf den an der Wall Street arbeitenden Analysten hören die Investoren. Stuft er eine Aktie herab, äußert sich abfällig über sie, dann fallen die Kurse.

Wie die Bank of America um die Zukunftsfähigkeit kämpft

Verkauf von Anteilen an chinesischer Großbank

Am 29. August hat die Bank of America den Verkauf von Anteilen an der China Construction Bank für rund 8,3 Milliarden Dollar (5,7 Milliarden Euro) angekündigt. Sie nutzte die erste Gelegenheit nach dem Ende der Haltefrist, um einen Teil der Aktien zu Geld zu machen und verdiente damit 3,3 Milliarden Dollar. So gewaltig war die Summer aber nicht - angesichts eines Rekordverlusts der größten US-Bank von 8,8 Milliarden Dollar im zweiten Quartal des vergangenen Jahres.

Beteiligung von Investor Buffett

Erst am 26. August hatte die Nachricht vom Einstieg des legendären Investors und Milliardärs Warren Buffett mit fünf Milliarden Dollar die Anleger überrascht - und beruhigt.

Jobabbau

Bank-Chef Brian Moynihan hatte angekündigt, jedes Quartal 1,5 Milliarden Dollar einzusparen. Allein im dritten Quartal bis Ende September sollten 3500 Stellen wegfallen. Der laufende Umbau des Geldhauses könnte insgesamt sogar über 10.000 Beschäftigte den Job kosten, das wäre mehr als jede 30. Stelle.

Warum die Bank of America Sorgen macht

Die Bank of America hatte in der Finanzkrise Countrywide übernommen. Das erwies sich jedoch als schwerer Fehler, weil der Immobilienfinanzierer Kredite viel zu lax vergeben hatte. Hausbesitzer können nun reihenweise ihre Raten nicht mehr zahlen und frühere Geschäftspartner von Countrywide verlangen Schadenersatz. Deshalb muss sich die Bank of America mit massiven Verlusten herumschlagen und ist der zurzeit größte Sorgenfall unter den US-Kreditinstituten.

Vergleich wackelt

Wegen des milliardenschweren Hypothekenvergleichs der Bank of America formiert sich immer mehr Widerstand. Am 29. August reichte auch die US-Einlagensicherheitsbehörde FDIC beim US-Bezirksgericht in Manhattan Beschwerde gegen das Abkommen ein. Die Bank of America will den 22 institutionellen Investoren die Rekordsumme von 8,5 Milliarden Dollar zahlen, um Rechtsstreitigkeiten aus dem Weg zu räumen, die auf Countrywide zurückgehen.

In seinem Buch beschreibt Mayo, wie es zur Krise kam und wie Banken versucht haben, ihn als frühzeitigen Warner kaltzustellen. So verlor er auf Druck der Branche seinen Job bei Credit Suisse, nachdem er 1999 die Banken wegen der bereits damals wuchernden Kreditrisiken auf „Verkaufen“ herabgestuft hatte. War er mitten in der Krise noch bei der Deutschen Bank beschäftigt, arbeitet er heute für den französischen Credit-Agricole-Konzern.

Wie 1999 sieht Mayo derzeit schwere Zeiten für die US-Bankenbranche aufziehen: „Sie wird eine etwas mildere Version dessen erleben, was die japanischen Banken seit einer kleinen Ewigkeit durchmachen: niedriges, unspektakuläres Wachstum.“ Der Grund: Weil die Immobilienkrise in den USA nicht ausgestanden ist, schlummern nach seiner Berechnung immer noch unrealisierte Verluste in Höhe von 300 Milliarden Dollar in den Büchern der US-Banken.

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