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22.01.2007

13:09 Uhr

Statt Euronext-Fusion

Die Deutsche Börse ordnet ihr Management neu

VonRolf Benders

Nachdem die Euronext-Fusion der Deutschen Börse gescheitert ist, sieht Konzern-Chef Reto Franconi die künftigen Aufgaben vorerst im inneren Bereich. Wertpapierabwickler Clearstream soll abgetrennt, Zuständigkeiten neu verteilt werden. Das Ziel ist eine durchschaubarere Struktur.

FRANKFURT. In der Deutschen Börse zeichnet sich ein Umbau der Führungsstruktur ab. Der seit gut einem Jahr amtierende Börsenchef Reto Francioni bereite eine Neudordnung der von seinem Vorgänger Werner Seifert verteilten Zuständigkeiten vor, heißt es in Finanzkreisen. Außerdem werde über eine rechtliche Abtrennung des Wertpapierbawicklers Clearstream nachgedacht. Dadurch soll Kapital freigesetzt und an die Aktionäre ausgezahlt werden. Ein Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

Francioni war Ende 2005 auf den Vorstandschefposten berufen worden, hat aber seither die Konzernstruktur unberührt gelassen. Vielmehr war er – unter dem Druck der Aktionärsgruppe der Hedgefonds – darauf konzentriert, eine Fusion mit der Vierländerbörse Euronext zustande zu bekommen. Diese entschied sich aber im Dezember 2006 endgültig, dem Angebot der New Yorker Börse (Nyse) den Vorzug zu geben.

Im Aufsichtsrat wird die nun anlaufende Debatte zur internen Struktur begrüßt: „Es ist gut, wenn er sich nach den gescheiterten Fusionsplänen nun den hausinternen Dingen widmet“, sagte ein Aufsichtsrat. Francioni Vorgänger Seifert hatte der Börse 2003 eine komplizierte Führungsstruktur gegeben. Sie folgte der Idee, dass die Börse Handelssysteme baut, mit handelbaren Produkten belädt und diese Systeme betreibt. Gemäß dieser abstrakten Betrachtungsweise des gelernten Unternehmensberaters Seifert waren die Zuständigkeiten im Konzern aufgeteilt worden. „Es gibt dadurch zu große Bereiche und zuviel Doppelarbeit“, heißt es nun dazu in Finanzkreisen. So ist der Chef der Derivatebörse Eurex, Andreas Preuß, für das gesamte Handelsgeschehen, inklusive des Aktiengeschäftes zuständig. Analysten rechnen daher unter anderem damit, dass die Bereiche Aktien und Derivate wieder getrennt werden. Möglicherweise werde der derzeit unterhalb des Vorstandes für den Kassamarkt zuständige Manager Rainer Riess in das Leitungsgremium aufrücken, wird spekuliert. Dies entspräche auch der Segmentstruktur des Konzerns aus Aktien, Derivaten, Abwicklung, Datenvertrieb und IT-Division. Die Pläne befinden sich aber in einem sehr frühen Stadium. Der Aufsichtsrat, der erst im März wieder tagt, war bislang nicht damit befaßt.

Neben einem Vorstandsumbau beschäftigt sich das Börsenmanagement erneut mit einer rechtlichen Abtrennung des Wertpapierabwicklers Clearstream. Der Grund: Clearstream ist eine Bank, die ein stabiles, erstklassiges Rating benötigt. Trennt man sie ab und weist ihr entsprechend Eigenkapital zu, könnte man das Kapital des Restgruppe senken, ohne dieses Rating zu beschädigen. Unter Druck der Hedge-Fonds kehrt die Börse in einem bis Mai laufenden Program 1,7 Mrd. Euro an die Aktionäre aus. Sie will dieses Programm fortführen und sucht offenbar derzeit nach Finanzierungsquellen.

Die Aktien der Deutsche Börse verteuerten sich im Computerhandel Xetra am Freitag in Spekulation auf eine Programmfortführung um gut fünf Prozent auf 164,30 Euro.

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