Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.08.2012

11:30 Uhr

Steueraffäre

Schweizer Banken verraten Mitarbeiterdaten an die USA

Schweizer Banken ringen in den USA mit Steuerskandalen. Nun geben die Institute die Namen von Tausenden ihrer Mitarbeiter an die Behörden weiter. Die Banken hoffen auf Milde – und werfen ihre eigenen Leute zum Fraß vor.

Unwettergefahr: Schweizer Banken haben in den USA Ärger mit der Steuerbehörde. Reuters

Unwettergefahr: Schweizer Banken haben in den USA Ärger mit der Steuerbehörde.

New York/GenfMehrere große Schweizer Bankhäuser haben in den USA Verfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung am Hals. Nun geben die Institute die Namen von Tausenden ihrer Mitarbeiter an US-Behörden. Sie wollen die Ermittler milde stimmen.

Mindestens fünf der Kreditinstitute haben E-Mails und Telefonaufzeichnungen mit bis zu 10.000 Namen an das Justizministerium der Vereinigten Staaten ausgehändigt, schätzt Douglas Hornung, der als Anwalt 40 derzeitige und frühere Mitarbeiter von Credit Suisse, Julius Bär und der Schweizer Sparte der HSBC vertritt.

Diese Datenweitergabe ist illegal, sagt Alec Reymond, der frühere Präsident der Anwaltskammer Genf (OdA), der zwei Mitarbeiter der Credit Suisse vertritt. Er arbeitet für die Kanzlei Keppeler & Associés in Genf. Die Banken werfen ihre eigenen Leute zum Fraß vor, „beim Versuch, Deals mit dem Justizministerium zu erreichen“, sagt Hornung. „Diese Verletzung des Persönlichkeitsrechts ist beispiellos in der Schweizer Bankenbranche.“

Das sind die größten Banken Europas

Platz 9

Barclays (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 36,1 Milliarden Euro

Platz 9

Deutsche Bank (Deutschland) - Marktkapitalisierung (2011): 36,1 Milliarden Euro

Platz 8

Royal Bank of Scotland (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 36,6 Milliarden Euro

Platz 7

UBS (Schweiz) - Marktkapitalisierung (2011): 41,3 Milliarden Euro

Platz 6

BNP Paribas (Frankreich) - Marktkapitalisierung (2011): 45,4 Milliarden Euro

Platz 5

Standard Chartered (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 45,5 Milliarden Euro

Platz 4

Allied Irish Banks (Irland) - Marktkapitalisierung (2011): 48,8 Milliarden Euro

Platz 3

Banco Santander (Spanien) - Marktkapitalisierung (2011): 54,3 Milliarden Euro

Platz 2

Sberbank (Russland) - Marktkapitalisierung (2011): 55,9 Milliarden Euro

Platz 1

HSBC Holdings (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 120,8 Milliarden Euro

Den Instituten liegt sehr viel daran, sich mit den US-Behörden wegen der Vorwürfe der Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu einigen. Denn das US-Justizministerium hatte am 2. Februar Anklage gegen die Bank Wegelin & Co. erhoben. Die Ermittler werfen Wegelin vor, Kunden dabei geholfen zu haben, Geld vor der Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS) zu verbergen. Credit Suisse, HSBC und Julius Bär händigen nun Daten an die US-Behörden aus, um sie zu beschwichtigen, sagt Hornung. Die Häuser rechnen eigenen Angaben zufolge mit Strafzahlungen in den Verfahren.

Die Credit Suisse argumentiert, dass die Datenübermittlung von der Schweizer Regierung genehmigt worden sei. Zudem müsste die große Mehrheit der Mitarbeiter nichts befürchten. Von Julius Bär und der Zürcher Kantonalbank hieß es ebenfalls, dass entsprechende Genehmigungen eingegangen seien. HSBC erklärte, Dokumente ausgehändigt zu haben und mit den USA zusammenzuarbeiten.

Das Bankgeheimnis in der Schweiz ist im Zuge der Steuerskandale immer löchriger geworden. Ins Rollen kam die Entwicklung 2009 mit dem Geständnis der UBS, Steuerhinterziehung unterstützt zu haben. Die größte Schweizer Bank zahlte 780 Millionen Dollar, um einer Strafverfolgung zu entgehen. Später wurden die Daten von etwa 4700 Konten an die Steuerfahnder weitergegeben.

Zwar ist es Schweizer Unternehmen gewöhnlich verboten, Beweisstücke zur Unterstützung von Untersuchungen im Ausland herauszugeben. Im April genehmigte der Bundesrat jedoch eine Ausnahme von dieser Regel auf Anfrage einer nicht genauer genannten Zahl von Banken.

Kommentare (18)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

17.08.2012, 11:42 Uhr

Wie wäre es denn mal wenn der gesamte Globus mal die USA in Sachen STEUERN fragt, wie es denn mit BRiefkastenfirmen in Delaware, Florida, Nevada und co. aussieht?

Dort gibt es unzählige davon, getarnt als Inc's deren Inhaber sich nicht mal in den USA aufhalten, keine Steuern bezahlen sondern lediglich ein paar Gebühren, alles völlig "legal".... na liebe USA? wie wäre es mit ein bisschen Aufklärung?

Oder Deutschland? wie siehts denn aus mit Geldwäsche und Co?

Ohweiohweiohwei

17.08.2012, 11:58 Uhr

Früher haben ehrliche Bankräuber (die für ihre Taten verurteilt wurden ) die Banken ausgeraubt. Heute sind es die Banker selbst, die ihre eigenen Banken ausrauben, ihre Mitarbeiter verraten und für ihre Taten noch mit Bonis belohnt werden. Wenigstens liefern sich jetzt die Banker gegenseitig ans Messer.

Petra

17.08.2012, 12:12 Uhr

Schaut doch mal nach Antigua, die Insel ohne Finazamt was von der USA und der EU geschützt wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×