Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.12.2013

22:25 Uhr

Steuerhinterziehungsvorwürfe

Schweizer Banken stecken im Dilemma

Seit fast fünf Jahren überhäufen die US-Justizbehörden Schweizer Banken mit Steuerhinterziehungsvorwürfen. Mit einem Schuldeingeständnis der Institute könnte das ein Ende nehmen. Doch der Preis für den Frieden ist hoch.

Formell ist der Schritt für die Banken freiwillig. Trotzdem bleibt der Mehrzahl der Institute wohl kaum etwas anderes übrig als sich den Amerikanern zu stellen. Reuters

Formell ist der Schritt für die Banken freiwillig. Trotzdem bleibt der Mehrzahl der Institute wohl kaum etwas anderes übrig als sich den Amerikanern zu stellen.

ZürichIn den Führungsetagen vieler Schweizer Banken rauchen derzeit die Köpfe. Die meisten der rund 300 Institute müssen bis Montag entscheiden, ob sie sich bei den US-Justizbehörden selbst anzeigen und gestehen, unversteuertes Geld reicher Amerikaner verwaltet zu haben. Sind sie zum Gang nach Canossa bereit, können sie auf Frieden mit den Amerikanern hoffen, die Schweizer Banken seit fast fünf Jahren mit Steuerhinterziehungsvorwürfen eindecken. Der Preis aber ist hoch: Neben einem Schuldeingeständnis drohen Geldbußen, die für kleinere Institute den Todesstoß bedeuten könnten. Entsprechend hitzig seien die Diskussionen in den Führungsgremien, sagte ein Anwalt. Nicht betroffen sind 14 größere Geldhäuser wie etwa Credit Suisse und Julius Bär, gegen die schon länger separate Verfahren laufen.

Formell ist der Schritt für die Banken außerhalb der Gruppe der 14 freiwillig. Trotzdem bleibt der Mehrzahl der Institute wohl kaum etwas anderes übrig als sich den Amerikanern zu stellen. „Eine Bank, die sich wegduckt und auch nur ein paar wenige amerikanischen Kunden hatte, lässt sich auf ein Vabanque-Spiel ein“, sagte ein Insider.

Die zehn größten Banken der Welt

Platz 10

Platz zehn belegt die China Construction Bank, seit dem Jahr 2005 werden an der Hongkonger Börse Aktien der CCB im Wert von mehr als 8 Milliarden Dollar gehandelt.

Bilanzsumme: 2241 Mrd. US-Dollar

Platz 9

Darauf folgt die Bank of America, deren Ursprünge auf die im Jahr 1784 gegründete Bank of Massachusetts zurückgehen. Sie ist somit die zweitälteste Bank der USA.

Bilanzsumme: 2258,5 Mrd. US-Dollar

Platz 8

Die JP Morgan Chase & Co. ist, gemessen an der Bilanzsumme von mehr als 2,3 Billionen US-Dollar, die größte Bank der USA.

Bilanzsumme: 2359,1 Mrd. US-Dollar

Platz 7

Die britische Großbank Barclays wurde 2011 in einer an der ETH Zürich veröffentlichten Studie als einflussreichstes Unternehmen der Weltwirtschaft bezeichnet.

Bilanzsumme: 2420,6 Mrd. US-Dollar

Platz 6

Crédit Agricole mit Sitz in Paris ist auch durch seine Tätigkeit als Sponsor des Radsportteams Crédit Agricole weltweit bekannt.

Bilanzsumme: 2431,4 Mrd. US-Dollar

Platz 5

Die MUFG entstand 2005 aus dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen Mitsubishi Tokyo Financial Group (MTFG) und UFJ Holdings, Herzstück des Konzerns ist die Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ.

Bilanzsumme: 2488,8 Mrd. US-Dollar

Platz 4

BNP Paribas entstand 2000 durch die Fusion der Banque Nationale de Paris (BNP) und der Paribas. Zusammen mit der Société Générale und dem Crédit Lyonnais gehört sie zu den drei alten Geschäftsbanken Frankreichs.

Bilanzsumme: 2517,1 Mrd. US-Dollar

Platz 3

Die Deutsche Bank mit Sitz in Frankfurt am Main ist das nach Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl größte Kreditinstitut Deutschlands und unterhält bedeutende Niederlassungen in London, New York City, Singapur und Sydney.

Bilanzsumme: 2655,7 Mrd. US-Dollar

Platz 2

Zweiter ist die Bank HSBC, die ihren Sitz in London hat und somit die größte Bank Europas ist.

Bilanzsumme: 2692,5 Mrd. US-Dollar

Platz 1

Die ICBC ist, gemessen an der Bilanzsumme, nicht nur die größte Bank der VR China, sondern auch die größte Bank der Welt.

Bilanzsumme: 2813,5 Mrd. US-Dollar

Das US-Justizministerium macht schließlich seit Jahren Jagd auf Schweizer Institute und Banker und verfügt über eine Menge von Informationen aus Selbstanzeigen. Das erste Ziel war die Großbank UBS, die sich 2009 mit der Zahlung von 780 Millionen Dollar und der Lieferung von rund 4500 Kundennamen von einer Strafverfolgung freikaufte.

Die Behörden sind inzwischen gegen mehr als 70 Steuersünder, mindestens zwei Institute und über 30 Banker, Anwälte und Berater vorgegangen. Der Feldzug brachte Steuerzahler dazu, freiwillig 5,5 Milliarden Dollar an hinterzogenen Geldern offen zu legen.

Für Banken die sich jetzt melden, werden Bußen von bis 50 Prozent der versteckten Gelder fällig. Für die ganze Schweizer Branche rechnen Experten mit Strafen von bis zu zehn Milliarden Franken. Das ist fast so viel wie der kumulierte Jahresgewinn aller Schweizer Institute. Das US-Programm sei an der Grenze des erträglichen, aber es sei die einzige verbleibende Lösung, erklärte der Bankenverband.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×