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15.01.2013

18:08 Uhr

Steuerschlupfloch

Goldman wird Boni doch nicht aufschieben

Ein Aufschrei ging durch London: Goldman Sachs hatte offenbar erwägt, durch eine spätere Auszahlung seiner Bonuszahlungen ein Steuerschlupfloch zu nutzen. Man habe sich aber nun dagegen entschieden, so ein Insider.

Das Logo von Goldman Sachs an der New Yorker Börse. Reuters

Das Logo von Goldman Sachs an der New Yorker Börse.

LondonGoldman Sachs wird nach einem Aufschrei der Empörung Bonuszahlungen in London wohl doch nicht verschieben und damit auf die Nutzung eines Steuerschlupflochs verzichten. Am Montag hatte es aus dem Umfeld der Bank geheißen, Goldman wolle Boni für seine Banker in Großbritannien erst nach dem 6. April auszahlen, weil sie dann nur noch mit 45 statt mit 50 Prozent besteuert werden.

Dies hatte zu Kritik unter anderem vom britischen Notenbankchef Marvin King geführt. Das zeigte offenbar Wirkung: "Über eine Verschiebung wurde zwar nachgedacht, aber am Dienstag ist die Entscheidung gefallen, es nicht zu tun", sagte ein Insider. Offiziell wollte sich Goldman am Dienstag zunächst nicht äußern.

Soviel Bonus Zahlen die größten US-Banken

Goldman Sachs

Die Banker von Goldman Sachs erhielten im Gesamtjahr 2012 pro Kopf 399.506 Dollar. Der Bonustopf wuchs im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar. Die Bank zählt 32.400 Angestellte.

Quelle: Bloomberg

JP Morgan

Die Großbank verteilte 11,3 Milliarden Dollar an 52.151 Mitarbeiter. Dafür ergibt sich für das Jahr 2012 Monate ein Bonus von 216.928 Dollar pro Kopf. Der Bonustopf ist um drei Prozent kleiner als im Vorjahr. JP Morgan betreibt neben dem Investment-Banking aber auch andere Bankgeschäfte.

Morgan Stanley

Die Investmentbank Morgan Stanley hat für das Jahr 2012 für die Bezahlung der Investmentbanker 6,65 Milliarden Dollar aufgewendet. Das sind 7,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Wie viele Mitarbeiter im Investment-Banking tätig sind, teilt die Bank nicht mit. Der Gehaltsaufwand der gesamten Bank belief sich 2012 insgesamt auf 15,6 Milliarden Dollar, das sind 4,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Beschäftigten liegt bei insgesamt 55.358 – zehn Prozent weniger als Ende 2011.

In Großbritannien gilt der Spitzensteuersatz auf Einkommen von 50 Prozent noch bis zum 6. April, danach sinkt er auf 45 Prozent. Damit blieben bei einem Bonus von zum Beispiel einer Million Pfund prinzipiell 50.000 Pfund mehr im Geldbeutel des Bankers und 50.000 Pfund weniger in der Staatskasse. Bei den Zahlungen von Goldman geht es nach Angaben aus Kreisen um überfällige Boni aus den Jahren 2009, 2010 und 2011.

Notenbankchef King hatte gesagt, eine Auszahlung erst nach dem 6. April würde zwar nicht gegen das Gesetz verstoßen. Es sei aber bedrückend, wenn Menschen, die so viel Geld verdienten, mit Blick auf möglichst niedrige Steuern über den bestmöglichen Auszahlungstermin nachdächten.

In den USA hatte Goldman indes Extravergütungen ins alte Jahr vorgezogen, um dort der Anhebung des Spitzensteuersatzes zum 1. Januar zuvorzukommen. Die Mitteilung über die Überweisung von insgesamt rund 65 Millionen Dollar an zehn Manager, darunter Goldman-Chef Lloyd Blankfein, erreichte die US-Börsenaufsicht am 31. Dezember und damit rund 24 Stunden bevor der US-Kongress die Steuererhöhung verabschiedete. Die Zahlung ging einige Wochen früher über die Bühne als üblich.

Von

rtr

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