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14.05.2014

14:04 Uhr

Steuerstreit

Bei der Credit Suisse könnten Köpfe rollen

VonHolger Alich

Die Spitze der Credit Suisse ist in Alarm-Zustand: Noch im Mai wird das US-Justizministerium wohl mitteilen, zu welchem Preis Credit Suisse den US-Steuerstreit beilegen kann. Es könnten am Ende sogar Köpfe rollen.

Die Niederlassung der Credit Suisse in Bern: Die Schweizer Finanzaufsicht Finma wollte sich zum Fall CS bislang nicht äußern. AFP

Die Niederlassung der Credit Suisse in Bern: Die Schweizer Finanzaufsicht Finma wollte sich zum Fall CS bislang nicht äußern.

In der Schweiz ist bereits eine Debatte entbrannt, ob Brady Dougan als Bank-CEO und Urs Rohner als Präsident des Verwaltungsrats noch tragbar sind. Auslöser ist der Druck des US-Justizministeriums, dass die Schweizer Credit Suisse AG ein formales Schuldeingeständnis (guilty plea) abgeben soll, US-Bürgern beim Steuerhinterziehen geholfen zu haben. Ein Geständnis einer Tochtergesellschaft reicht offenbar nicht mehr. Zudem droht der Bank laut der Nachrichtenagentur Reuters eine Buße von über zwei Milliarden Dollar. Credit Suisse macht auf Anfrage dazu keine Angaben.

US-Justizminister Eric Holder hat bereits eine härtere Linie angekündigt. Keine Bank könne sich wegen seiner Größe einer Strafverfolgung entziehen, sagte er. In der US-Politik wächst der Frust über Großbanken, die trotz massiver Verfehlungen bei Zinsmanipulationen, Geldwäsche oder Steuerflucht-Hilfe stets mit einer Geldbuße davonkamen. Den Rekord hält die US Bank JP Morgan, die wegen unseriöser Geschäfte mit US-Hypothekenpapiere insgesamt 13 Milliarden Dollar Strafe zahlen musste. Bank-Chef James Dimon ist aber immer noch im Amt und bezog trotz allem einen Millionen-Bonus.

Hohe Geldbußen für Banken

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen.

Juli 2010

Die US-Investmentbank Goldman Sachs wendet eine Betrugsklage der US-Börsenaufsicht mit Zahlung einer Strafe von 550 Millionen US-Dollar ab. Die Börsenaufsicht SEC beschuldigte Goldman Sachs, Investoren bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert zu haben, darunter auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilt, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an US-, britische und Schweizer Behörden.

Januar 2013

Die Bank of America überweist insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlich gestützten Hausfinanzierer Fannie Mae, um Streitigkeiten bei Hypotheken-Deals aus der Welt zu schaffen. In einem anderen Fall müssen das Geldhaus und neun andere Finanzfirmen wie JPMorgan Chase oder die Citigroup mit zusammen 8,5 Milliarden Dollar für fehlerhafte Hauspfändungen geradestehen.

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Nun will Holder die Banken härter anpacken: Sie sollen formal eine Schuld eingestehen. Die Folgen für die Bank sind bisher kaum abzusehen. Offenbar haben die Regulierer der US-Justiz bereits zugesichert, der betreffenden Bank nicht die Lizenz zu entziehen.

Dennoch sind Anleger nervös: Die CS-Aktie hat seit Anfang April rund zehn Prozent verloren. „Credit Suisse muss schnell einen Deal präsentieren“, betont ein Bankmanager. Würden Dougan oder Rohner im Namen der CS solch ein Geständnis unterzeichnen, müssten sie dann gehen? Die Meinungen gehen dazu auseinander.

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