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04.01.2012

09:46 Uhr

Steuerstreit

US-Behörden klagen Schweizer Banker an

Die New Yorker Staatsanwaltschaft klagt gegen drei Schweizer Banker: Sie sollen vermögenden Amerikanern geholfen haben, Milliarden Dollar am Fiskus vorbeigeschleust zu haben. Das Image der Eidgenossen leidet weiter.

Kein guter Tag für Schweizer Banken. dpa

Kein guter Tag für Schweizer Banken.

New Haven/ZürichDie US-Behörden erhöhen im Steuerstreit den Druck auf die Schweizer Banken. Die New Yorker Staatsanwaltschaft klagte am Dienstag drei Schweizer Banker wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung an. Die drei in der Schweiz wohnhaften Männer sollen vermögenden US-Steuerzahlern geholfen haben, über 1,2 Milliarden Dollar vor den Steuerbehörden zu verbergen. Mit der Sache vertraute Personen erklärten, dass die Männer für die Privatbank Wegelin arbeiteten.

Bei Wegelin hieß es, die Bank sei auf die Auseinandersetzung vorbereitet. Wegelin sei weiterhin daran interessiert, zur Klärung der Angelegenheit mit früheren US-Kunden beizutragen, und habe ihre Rechtsvertreter in den USA ermächtigt, entsprechende Verhandlungen mit den US-Justizbehörden zu führen. Das Geschäft mit US-Kunden habe Wegelin in der Zwischenzeit vollständig aufgegeben und die betroffenen Mitarbeiter würden anders eingesetzt.

Der Anklageschrift zufolge arbeiteten die Männer von 2005 bis 2010 für die ungenannte Bank und boten ihre Dienstleistungen vom Zürcher Büro aus an. Die Banker hätten versucht, Gelder zu gewinnen, die bei der UBS und einer anderen großen internationalen Schweizer Bank abflossen, als 2008 und 2009 bekannt wurde, dass die US-Steuerbehörde gegen die UBS ermittelt. Wenn die Mitarbeiter verurteilt werden, droht ihnen eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren. Auch ranghohe Mitarbeiter der Bank seien am Verkauf der Steuerflucht-Dienstleistungen beteiligt gewesen, hieß es in der Anklage.

Wegelin steht im Besitz mehrerer Partner. Die 1741 gegründete Bank hat keine US-Präsenz. Die Dienstleistungen für die rund 100 US-Kunden wickelte Wegelin über eine Niederlassung der UBS in Stamford ab.

Die Klage gegen die Mitarbeiter sind ein Hinweis, dass eine Klage gegen eine Schweizer Bank näher rücken könnte. „Üblicherweise wird eine Klage gegen Spitzenbanker und Manager eingesetzt, bevor es zu einer Klage gegen eine Bank kommt“, erklärte Anwalt Jeffrey Neiman. Der New Yorker Strafverteidiger Robert Katzberg erklärte, dass die Anklage weiteren Druck ausübe, mit den Behörden zu kooperieren. Dies gelte nicht nur für Wegelin, sondern für alle elf im Visier der US-Behörden stehenden Schweizer Banken.

Die US-Behörden verdächtigen Zehntausende vermögende Amerikaner, in den vergangenen Jahren Milliarden von Dollar über Schweizer Banken am Fiskus vorbeigeschleust zu haben. Die Schweizer und die Amerikaner verhandeln seit Monaten über eine Lösung für den Steuerstreit. Zeitungsberichten zufolge bieten die USA den Schweizer Banken im Gegenzug für die Offenlegung aller Details ihrer US-Offshore-Geschäfte den Verzicht auf eine strafrechtliche Verfolgung an. Eine Einigung dürfte der Übereinkunft ähneln, der die UBS 2009 zugestimmt hatte.

Damals zahlte das Geldhaus 780 Millionen Dollar und gab Informationen von rund 4450 Kunden preis.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Fragender

04.01.2012, 10:17 Uhr

Ist Beihilfe zur Steuerhinterziehung in Deutschland nicht strafbar? Oder warum gibt es nischt längst tausende solcher Prozesse in Deutschland?

svebes

04.01.2012, 11:16 Uhr

da gehts um entgangene Steuergelder, ok. Aber was ist eigentlich mit den Caymen Islands? Dort gründen die ganzen grossen Amifirmen ihre Tochterunternehmen, schenken denen dann zB. ihre Patente ( Google, etc. ) und kaufen dann die Nutzungsrechte für jedes Produkt dann wieder bei ihren eigenen Töchtern teuer ein. Resultat keine Steuern in den USA zu bezahlen. Das ist klarer Betrug - aber bei ihren Britschen Brüdern schaut man halt weg. Bigotter geht wohl nicht. Eerstmal vor der eigenen Haustür kehren und zwar richtig. Dahin sollten mal die europäischen Politiker drängen. Aber auf die "kleine" Schweiz einzuhacken ist einfacher für diese hautberuflichen, geistig verbeamteten, Sesselpuper.

Account gelöscht!

04.01.2012, 12:33 Uhr

Kann mir mal jemand erklären, warum alle springen, wenn die Amis niesen?

So langsam aber sicher sollten sich die Unternehmen aus Amerika zurückziehen und die Amis links liegen lassen. Mal sehen, wie weit die Amerikaner kommen, wenn sie ignoriert werden.
Deren paranoiden Forderungen nachzukommen, wird langsam aber sicher richtig teuer für die Unternehmen.

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