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29.03.2011

13:53 Uhr

Stille Einlagen

Commerzbank will Staatsgelder zurückzahlen

Die Commerzbank will so schnell wie möglich die Stillen Einlagen des Bundes ablösen. Commerzbank-Chef Blessing hat ein Eigeninteresse an einer schnellen Rückzahlung - daran hängt sein Gehalt.

Commerzbank-Chef Martin Blessing will so schnell wie möglich die Stillen Einlagen des Bundes ablösen. Quelle: APN

Commerzbank-Chef Martin Blessing will so schnell wie möglich die Stillen Einlagen des Bundes ablösen.

FrankfurtDer Bund kann noch in diesem Jahr mit einer Milliarden-Rückzahlung seiner Hilfen für die Commerzbank rechnen. Vorstandschef Martin Blessing mahnte am Dienstag zur Eile: „Unser Anspruch ist es, die Stillen Einlagen des Bundes so schnell wie möglich abzulösen“, schrieb er im Geschäftsbericht an die Aktionäre der vom Staat mit gut 18 Milliarden Euro gestützten Bank. „In aufnahmebereiten Märkten“ könne die Commerzbank dazu auch Eigenkapital aufnehmen, bekräftigte er. Blessing hat ein Eigeninteresse an einer schnellen, umfassenden Rückzahlung - daran hängt sein Gehalt.

Auf ein Volumen legt sich der Commerzbank-Chef jedoch nicht fest: „Bereits in diesem Jahr wollen wir einen signifikanten Betrag in Milliardenhöhe zurückgeben - unter Beibehaltung einer guten Eigenkapitalquote“, hieß es im Geschäftsbericht nur. Die Commerzbank dürfte nächste Woche zu ihrer Hauptversammlung am 18. Mai einladen. Dabei werden auch Beschlüsse für einen großen Kapitalrahmen erwartet. Diesen könnte die Bank dazu nutzen, einen großen Teil der Stillen Einlage von 16 Milliarden Euro an den Bankenrettungsfonds (SoFFin) zurückzuzahlen.

Spekulationen auf eine baldige Kapitalerhöhung drückten am Dienstag den Kurs der Commerzbank-Aktie um 2,5 Prozent auf 5,62 Euro. Die Commerzbank hat aber klargemacht, dass sie auch ohne diesen Schritt Geld an den Staat zurückgeben könnte, weil ihre risikogewichteten Aktiva (RWA), die mit Eigenkapital unterlegt werden müssen, zurückgehen. 2010 wurden sie auf 268 Milliarden von 280 Milliarden Euro reduziert, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht.

ACKERMANN VERDIENT DOPPELT SO VIEL WIE COMMERZBANK-VORSTAND

Erst wenn mehr als die Hälfte der SoFFin-Hilfen getilgt sind oder die Bank wenigstens Zinsen auf die Stille Einlage zahlt, können Blessing und seine neun Vorstandskollegen wieder mehr als 500.000 Euro im Jahr verdienen. 2010 bekam der gesamte Vorstand 4,6 (2009: 4,2) Millionen Euro - gut die Hälfte der knapp neun Millionen Euro, die allein Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann erhielt.

Im laufenden Jahr soll der SoFFin anders als 2010 wenigstens die fälligen milliardenhohen Zinsen erhalten. „Erzielt die Bank 2011 ein positives Ergebnis im Einzelabschluss, werden wir auch die Stillen Einlagen des SoFFin bedienen“, schrieb Blessing an die Aktionäre. „Nach unseren derzeitigen Erwartungen ist das der Fall“, betonte er. Für 2009 und 2010 hatte die Bank nach Milliardenverlusten im HGB-Abschluss nichts bezahlt. Das hatte für öffentliche Kritik gesorgt, weil das Institut nach internationalen Standards (IFRS) im vergangenen Jahr Milliardengewinne schrieb.

Grund für die Diskrepanz war eine Abschreibung von 1,9 Milliarden Euro auf den Immobilien- und Staatsfinanzierer Eurohypo, dessen Zukunftsaussichten sich vor dem bis 2014 geplanten Verkauf noch einmal verschlechtert haben. Unter dem Strich belastete die Eurohypo die Commerzbank 2010 mit fast drei Milliarden Euro, wie sich aus dem Geschäftsbericht ergibt.

Die Commerzbank bekräftigte ihre Ziele für das laufende und das nächste Jahr. 2011 soll der operative Gewinn im Vergleich zu den 1,4 Milliarden Euro 2010 „signifikant“ steigen, 2012 sollen es - abgesehen von den Kosten für die schärfere Regulierung und Bankenabgaben - vier Milliarden Euro werden. Dazu muss vor allem das schwächelnde Privatkundengeschäft noch aufholen. Bis 2012 sollen 400 nahe beieinander liegende Filialen der Commerzbank und der ehemaligen Dresdner Bank zusammengelegt werden. In der zweiten Jahreshälfte 2011 hätten die Berater voraussichtlich wieder mehr Zeit für das operativbe Geschäft, hofft die Bank.

 

Von

rtr

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