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10.09.2015

12:55 Uhr

Strafen wegen Sanktionsverstößen

Credit Agricole kommt glimpflicher weg als die Commerzbank

Die Commerzbank hatte eine Strafe von mehr als einer Milliarde Euro wegen Verstößen gegen US-Sanktionen und Geldwäsche zahlen müssen. Jetzt trifft es einen französischen Konkurrenten – in ähnlicher Größenordnung.

Mittlerweile sind die Iran-Sanktionen gelockert. Doch das schützt auch Crédit Agricole nicht vor Verstößen in der Vergangenheit. Reuters

Bankgebäude in Paris

Mittlerweile sind die Iran-Sanktionen gelockert. Doch das schützt auch Crédit Agricole nicht vor Verstößen in der Vergangenheit.

New YorkDer französische Großbank Crédit Agricole ist offenbar bereit, bis zu eine Milliarde Dollar (893 Millionen Euro) an US-Behörden zu zahlen, um Vorwürfe der Verletzung von Sanktionen gegen den Iran und den Sudan beizulegen, wie eine informierte Person berichtet.

Verhandlungen zwischen der französischen Bank und der US-Aufsicht dauerten an, und über die Gesamtsumme sei noch nicht entschieden, hieß es weiter. Die Einigung könne in den nächsten Wochen erfolgen und würde eine Vereinbarung über den Aufschub der Strafverfolgung mit dem Justizministerium beinhalten, so die informierte Person.

Hohe Geldbußen gegen Banken – eine Auswahl

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen. (Stand: April 2015)

JP Morgan – 13 Milliarden Dollar

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

JP Morgan – 6,2 Milliarden Dollar

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Credit Suisse - 2,6 Milliarden Dollar

Mai 2014

Die Schweizer Bank Credit Suisse räumt im Steuerstreit mit den USA die eigene Schuld ein und akzeptiert eine Strafe von mehr als 2,6 Milliarden Dollar. Die Bank hatte Vermögen ihrer Kunden vor den US-Steuerbehörden versteckt.

Deutsche Bank – 2,5 Milliarden Dollar

April 2015

Anfang April 2015 berichteten zunächst US-Medien, dass der Deutschen Bank im Libor-Skandal eine Strafzahlung in Höhe von mindestens 1,5 Milliarden Dollar droht. Unter anderem erkenne eine Bank-Tochter in Großbritannien ihre Schuld an. Schließlich landete die Summe bei 2,5 Milliarden Dollar (2,33 Milliarden Euro).

UBS – 1,5 Milliarden Dollar

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilte, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an amerikanische, britische und Schweizer Behörden.

Commerzbank - 1,45 Milliarden US-Dollar
Britische Banken – 1,3 Milliarden Pfund

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

Rabokbank - 774 Millionen Euro

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

Deutsche Bank – 725 Millionen Euro

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Deutsche Bank - 202 Millionen Dollar

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Ausländische Banken zeigen zunehmendes Interesse an einer Kooperation mit den US-Behörden, seit sich BNP Paribas im vergangenen Jahr bereiterklärte, sich schuldig zu bekennen und knapp neun Milliarden Dollar wegen Verstößen gegen Sanktionen gegen den Sudan, den Iran und Kuba zu zahlen. In diesem Jahr schloss die Commerzbank eine Vereinbarung über den Aufschub der Strafverfolgung, um Vorwürfe beizulegen, sie habe gegen US- Sanktionsvorschriften gegen den Iran verstoßen. Zur Beilegung zahlte die Bank 1,15 Milliarden Dollar und zusätzlich 300 Millionen Dollar im Zusammenhang mit Geldwäschevorwürfen.

„Es gibt anscheinend kein Schuldeingeständnis, und die Strafe für Crédit Agricole wäre viel niedriger als bei BNP“, sagte Karim Bertoni von Bellevue Asset Management in der Schweiz. „Es ist ein Einmalaufwand, der Klarheit schafft, und die Bank kann weitermachen.“

Atomabkommen: Banken scheuen das Iran-Risiko

Atomabkommen

Premium Banken scheuen das Iran-Risiko

Die Industrie hofft auf ein schnelles Ende der Sanktionen nach dem Abkommen zwischen dem Iran und dem Westen. Nur: Wer soll mögliche Exporte finanzieren? Iranische Finanzinstitute sind noch nicht handlungsfähig.

Die Aktie von Crédit Agricole gab am Donnerstag bis zu 1,6 Prozent nach und notierte um 11:22 Uhr noch 0,3 Prozent leichter. Zum Vergleich: Der Branchenindex Stoxx Europe 600 Banks Index verlor 1,2 Prozent.

Crédit-Agricole-Sprecherin Anne-Sophie Gentil lehnte einen Kommentar ab, ebenso Sprecher des Justizministeriums, des Manhattan District Attorney und des Department of Financial Services.

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