Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.07.2015

08:18 Uhr

Strafprozess

Urteil im Sal. Oppenheim-Prozess fällt heute

Im Kölner Landgericht steht am Donnerstag das Urteil gegen die vier früheren Bankenchefs der Privatbank Sal. Oppenheim an. Die Staatsanwaltschaft hat Haftstrafen gefordert – die Banker hatten um Milde gebeten.

Plädoyers im Sal. Oppenheim-Prozess

Müssen die Top-Banker hinter Gitter?

Plädoyers im Sal. Oppenheim-Prozess : Müssen die Top-Banker hinter Gitter?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

KölnIm Strafprozess gegen die frühere Führung von Sal. Oppenheim warten vier Ex-Chefs der Bank auf ihr Urteil. Das Kölner Landgericht verkündet an diesem Donnerstagvormittag nach mehr als zwei Jahren Verhandlung seine Entscheidung. In dem spektakulären Prozess um den Niedergang der einst größten europäischen Privatbank wird dem damaligen Führungsquartett Untreue in einem besonders schweren Fall vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft fordert für alle vier eine Gefängnisstrafe.

Angeklagt sind die einst persönlich haftenden Gesellschafter der Bank: Matthias Graf von Krockow (66), Christopher von Oppenheim (49), Friedrich Carl Janssen (71) und Dieter Pfundt (62). Ihr damals enger Immobilien-Geschäftspartner Josef Esch (58) muss sich lediglich wegen Verstoßes gegen das Kreditwesengesetz verantworten.

Die Angeklagten im Sal. Oppenheim-Prozess

Matthias Graf von Krockow
  • bis 2009 Sprecher der zunächst fünf, später vier persönlich haftenden Gesellschafter
  • verheiratete mit Ilona von Ullmann aus der Familie der Oppenheims
  • angeklagt wegen Untreue im besonders schweren Fall
  • vorläufig von der Staatsanwaltschaft gefordertes Strafmaß: 4 bis 4,5 Jahre Haft
  • vorläufig von der Richterin in Aussicht gestelltes Strafmaß: 2 bis 3 Jahre
  • Verteidiger: Daniel Krause, Christof Püschel
Christopher von Oppenheim
  • bis 2009 persönlich haftender Gesellschafter
  • angeklagt wegen Untreue im besonders schweren Fall
  • vorläufig von der Staatsanwaltschaft gefordertes Strafmaß: 3 bis 3,5 Jahre Haft
  • vorläufig von der Richterin in Aussicht gestelltes Strafmaß: 22 bis 34 Monate Haft
  • Verteidiger: Klaus Volk, Norbert Scharf
Friedrich Carl Janssen
  • bis 2009 als persönlich haftender Gesellschafter zuständig für Risikomanagement, Beteiligungen, Bankbetrieb sowie die Rechts- und Steuerabteilung
  • angeklagt wegen Untreue im besonders schweren Fall
  • vorläufig von der Staatsanwaltschaft gefordertes Strafmaß: 3,5 bis 4 Jahre Haft
  • lehnte Verständigungsvorschlag des Gerichts ab
  • Verteidiger: Franz Salditt, Ulrich Leimenstoll
Dieter Pfundt
  • bis 2009 als persönlich haftender Gesellschafter zuständig für das Investmentbanking
  • angeklagt wegen Untreue im besonders schweren Fall
  • vorläufig von der Staatsanwaltschaft gefordertes Strafmaß: 15 bis 21 Monate Haft
  • vorläufig von der Richterin in Aussicht gestelltes Strafmaß (bei Geständnis): 20 bis 32 Monate Haft
  • Verteidiger: Felix Dörr, Johannes Corsten
Josef Esch
  • Immobilienunternehmer aus Troisdorf mit engen Geschäftsbeziehungen zum Bankhaus Sal. Oppenheim
  • Anklage wegen Beihilfe zur Untreue eingestellt nach Paragraf 153a Strafgesetzbuch gegen Zahlung einer Geldauflage von sechs Millionen Euro
  • weiterhin angeklagt wegen Verstoß gegen das Kreditwesengesetz
  • Verteidiger: Eberhard Kempf, Heiko Lesch

In dem Strafverfahren geht es um ein Immobiliengeschäft in Frankfurt und Kredite an den damals schon angeschlagenen und inzwischen pleitegegangenen Arcandor-Konzern. Die von den Angeklagten zu verantwortenden Transaktionen sollen hohe Millionenschäden für die Bank verursacht haben. Sal. Oppenheim war in der Finanzkrise 2008 als Arcandor-Großaktionär an den Rand des Ruins geraten und gehört seit Anfang 2010 stark verkleinert zur Deutschen Bank.

Von Krockow und von Oppenheim haben Geständnisse abgelegt. Beide bestreiten allerdings, dass es um einen besonders schweren Fall von Untreue geht. Sie hatten Reue und Bedauern geäußert und in einem der größten Wirtschaftsprozesse um Milde gebeten. Janssen und Pfundt hatten die Vorwürfe dagegen stets zurückgewiesen. Im Verfahren stellten sie sich als Randfiguren dar.

Vor einigen Monaten hatte das Gericht einen Zwischenstand mitgeteilt und betont, dass es die Ex-Banker nach vorläufiger Bewertung für schuldig hält. Sie hätten dem Geldhaus einen „Schaden im hohen zweistelligen, wenn nicht dreistelligen Millionenbereich“ zugefügt - allerdings nicht, um sich zu bereichern.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr J.-Fr. Pella

09.07.2015, 10:17 Uhr

Wieso Milde für die Banker. Lug und Betrug sind hart zu bestrafen.
Oder sind in Deutschland die Superreichen besonders, auch vor Gericht, privilegiert??

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×