Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.09.2012

14:10 Uhr

Strategie-Wandel

Deutsche Bank schafft interne „Bad Bank“

Deutschlands größtes Geldhaus will seine Bilanz entlasten und baut intern eine Art „Bad Bank“ auf. Zudem verabschieden sich die neuen Konzernchefs Jain und Fitschen endgültig vom Renditeziel ihres Vorgängers.

Deutsche-Bank-Zwillingstürme in Frankfurt.

Deutsche-Bank-Zwillingstürme in Frankfurt.

FrankfurtDie Deutsche Bank baut eine interne "Bad Bank" mit Vermögenswerten auf, von denen sie sich in den nächsten Jahren trennen will. Es handele sich vor allem um verbriefte Wertpapiere, aber auch um andere Aktiva, die sich über die Jahre in ihrem Investmentbanking angesammelt hätten und die nun nicht mehr zum Kerngeschäft gezählt würden, teilte die Deutsche Bank am Dienstag mit. Hinter diesen Papieren steckten Ende Juni Bilanzrisiken (RWA) von 135 Milliarden Euro. Bis März 2013 soll davon bereits ein Drittel - 45 Milliarden Euro - abgebaut sein.
Die Deutsche Bank will damit ihren Eigenkapitalbedarf senken. Die harte Kernkapitalquote - Aktien und Gewinnrücklagen im Verhältnis zu den RWA - soll bis März 2013 auf acht Prozent, bis Ende März 2015 auf mehr als zehn Prozent steigen. Analysten hatten die Kapitaldecke der Bank oft als zu knapp kritisiert. Die Geschäftseinheit trägt den Namen „Non-Core-Operations“. Die neue Einheit soll nach Vorstellung des Managements „Vermögenswerte möglichst effizient für die Bank verwalten und veräußern“.

Die Klage-Chronik der Deutschen Bank – Teil 1

Diverse Klagen

Mutmaßliche Bilanztricksereien, Hypothekenklagen, Zinsmanipulationen, der Kirch-Streit - die Deutsche Bank muss noch eine ganze Reihe von potenziell sehr teuren Altlasten aufarbeiten. Eine Übersicht über die Vorwürfe und Verfahren seit Anfang 2011, von denen einzelne bereits abgeschlossen sind.

22. März 2011

Der Bundesgerichtshof gibt der Deutschen Bank eine schallende Ohrfeige: Sie muss an einen hessischen Mittelständler mehr als eine halbe Million Euro Schadenersatz zahlen. Diesen Betrag hatte der Kläger mit einem komplizierten Zinsswap-Geschäft verloren, das die Bank nach Auffassung des BGH „bewusst zulasten des Anlegers“ konstruiert hatte. In der Folge einigt sie sich mit zahlreichen Kommunen und Unternehmen nach Angaben von Anwälten auf Vergleiche.

13. April 2011

In den US-Untersuchungen zur Rolle der Wall Street in der Finanzkrise erhebt ein Senatsausschuss schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bank und Goldman Sachs. Der Deutschen Bank wird vorgeworfen, umstrittene Finanzprodukte aufgelegt zu haben. Sie habe unter anderem einen milliardenschweren verbrieften Hypothekenkredit (CDO) namens „Gemstone 7“ geschnürt und verkauft, bevor der Markt abstürzte. Dabei habe der zuständige Händler gewusst, dass das Paket minderwertige Assets enthalte.

29. April 2011

Die EU-Wettbewerbshüter knöpfen sich den Handel mit Kreditausfallversicherungen (CDS) vor, mit denen sich Investoren und Spekulanten gegen Pleiten von Staaten und Firmen absichern. Die Kartellermittlungen richten sich gegen 16 Investmentbanken, darunter die Deutsche Bank. Im weiteren Verlauf der Ermittlungen (2013) wird von den deutschen Häusern zunächst nur die Commerzbank vom Haken gelassen.

4. Mai 2011

Die Deutsche Bank bestätigt, dass die Stadt Los Angeles eine Klage gegen das Institut im Zusammenhang mit umstrittenen Zwangsräumungen eingereicht hat. Die Bank sei über Tochterunternehmen einer der größten „Slumlords“ der Millionenmetropole, heißt es in der Klageschrift, die Entschädigungszahlungen von mehreren hundert Millionen Dollar nach sich ziehen könnte. Sie habe Hunderte Anwesen verfallen lassen und Menschen zu Unrecht aus ihrem Heim vertrieben. Nach Angaben des Instituts wurde die Klage inzwischen abgewiesen. Ob die Stadt in Berufung geht, ist aber weiterhin offen.

2. September 2011

Die US-Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency (FHFA) verklagt 17 Banken wegen umstrittener Hypothekengeschäfte, darunter die Deutsche Bank. Die Behörde wirft ihnen vor, beim Verkauf von mit Hypotheken unterlegten Wertpapieren falsche Angaben gemacht zu haben. Der Klageschrift zufolge werden finanzielle Schäden auf Hypotheken-Anleihen über insgesamt fast 200 Milliarden Dollar geltend gemacht - davon entfallen mehr als 14 Milliarden auf die Deutsche Bank. Das Geldhaus weist die Vorwürfe als unbegründet zurück.

5. September 2011

Laut „Financial Times“ nehmen britische Behörden von der Deutschen Bank und anderen Instituten zusammengestellte Wertpapiere wegen Betrugsverdachts unter die Lupe. Die Untersuchung des Serious Fraud Office soll Beweise dafür liefern, dass die Banken ihren Kunden beim Verkauf von forderungsbesicherten Wertpapieren in Großbritannien falsche Informationen geliefert hätten. Die Ermittlungen sind schwierig, da die Behörde den Instituten Betrugsabsicht nachweisen müsse.

14. November 2011

Die Staatsanwaltschaft München lässt Vorstandsbüros und die Rechtsabteilung im Zusammenhang mit dem Kirch-Prozess durchsuchen. Gegen den damaligen Vorstandschef Josef Ackermann werde wegen des Verdachts auf Prozessbetrug ermittelt. Auch gegen den damaligen Aufsichtsratschef Clemens Börsig, Ex-Vorstandschef Rolf Breuer und den früheren Personalchef Tessen von Heydebreck werde ermittelt. Die Bank und die Betroffenen halten die Beschuldigungen für haltlos und das Vorgehen der Staatsanwaltschaft für unverhältnismäßig.

19. November 2011

Die Pleite der US-Finanzfirma MF Global hat für die Deutsche Bank ein juristisches Nachspiel. Zwei US-Pensionsfonds verklagen Abteilungen des Frankfurter Instituts sowie sechs weiterer Geldhäuser, die MF bei der Erstellung von Anleihe-Angeboten unterstützt haben. Die Kläger werfen ihnen vor, in den Prospekten Probleme verschwiegen zu haben, die zum Kollaps des Brokerhauses geführt haben. Mit der Klage nehmen die Fonds finanzstarke Institute ins Visier, um ihre Verluste nach dem MF-Global-Zusammenbruch auszugleichen.

21. Dezember 2011

Sechs Händler werden wegen eines 230 Millionen Euro schweren Umsatzsteuerkarussells mit CO2-Verschmutzungszertifikaten in Frankfurt zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der Handel wurde über die Deutsche Bank abgewickelt. Unter den 170 Beschuldigten im Visier der Staatsanwaltschaft sind auch sieben Mitarbeiter der Bank. Gegen sie gibt es noch keine Anklagen, die Bank hat aber 310 Millionen Euro Umsatzsteuerforderungen aus dem CO2-Handel abgeschrieben.

Außerdem gab die Deutsche Bank bekannt, dass sie bei Bonuszahlungen für ihre Manager auf die Bremse tritt. Boni für das Topmanagement sollen länger gestreckt werden. „Vorgesehen ist eine Einmalzahlung nach fünf Jahren anstelle gestaffelter Auszahlungen über drei Jahre hinweg“, erklärte der Konzern. Darüber hinaus setzt das seit Juni amtierende Führungsduo Anshu Jain/Jürgen Fitschen ein unabhängiges Expertengremium ein, das Struktur und Ausgestaltung der Vergütungspraxis überprüfen soll. „Die Empfehlungen des Panels werden schon die Jahresvergütung für 2012 beeinflussen.“

Schon für das vergangene Jahr hatte die Deutsche Bank die variablen Vergütungen um 17 Prozent gekürzt. Die Sofort-Boni, die in bar ausgezahlt werden, wurden auf 100.000 Euro begrenzt und die langfristigen Komponenten erhöht.

Bis 2015 würden jährliche Einsparungen von 4,5 Milliarden Euro angepeilt, erklärten die neuen Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Dazu sollen die Kosten vor allem im Investmentbanking sinken, wo die Erträge wegen der Schuldenkrise und der strengeren Regulierung wegbrechen. Ein Personalabbau in dem Bereich steht bereits seit Ende Juli fest. Jetzt will die Bank die Risikopositionen im Kapitalmarktgeschäft noch schneller herunterfahren. Dazu schafft sie eine eigene Einheit, die nicht zum Kerngeschäft gehört.

Das Institut schließt den Abbau weiterer Stellen nicht aus. Bevor eine konkrete Zahl genannt werden könne, werde das Management den Dialog mit den Betriebsräten suchen, sagte Konzernchef Fitschen in Frankfurt. Erwartet worden war, dass zum Beispiel in der Vermögensverwaltung der Rotstift angesetzt wird. Im Juli hatte das Institut angekündigt, noch in diesem Jahr 1900 Arbeitsplätze zu streichen, 1500 davon im Investmentbanking. Die Deutsche Bank beschäftigte Ende Juni 100.654 Vollzeitkräfte weltweit.

Erreicht werden sollen die Einsparungen unter anderem durch den Verkauf von etwa 40 Gebäuden. Knapp 40 Prozent oder 1,7 Milliarden Euro der geplanten Einsparungen entfallen auf die Infrastruktur einschließlich Investitionen in neue IT-Plattformen, eine Neuordnung der Geschäftsabwicklung (Backoffice) und die Zentralisierung des Einkaufs. Die Kosten für die Straffung bezifferte die Bank auf rund vier Milliarden Euro für die kommenden drei Jahre.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.09.2012, 13:49 Uhr

Ist es nicht das Gleiche, wenn ich in meiner Bilanz die Risiken „verschwinden“ lasse? Wie lässt sich meine Firma dann noch beurteilen?
Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Luzifer

11.09.2012, 13:54 Uhr

Superideee - ich werde meine Schuldscheine in einer bestimmten Schublade versenken - dann habe ich endlich Ruhe!
Ja ist denn schon Karneval ???

Bankster

11.09.2012, 13:57 Uhr

Bei einem EK von 53 Milliarden sind die 135 Milliarden nur Peanuts. Heisst auf deutsch, wenn die Risiken um 40% abwerten dann ist das EK weg, von anderen OTC Geschäfte mit Derivate mal abgesehen.
Ist mir ein Rätsel wie die DB mit dem EK von 53 Milliarden ein 2 Billionenrad drehen kann ohne dass die Aufsicht was dagegen hat, aber alles ist im Griff.
Auf gehts und DB Aktien kaufen, schließlich wurden die Risiken jetzt minimiert, oder nicht ?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×