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22.01.2014

13:03 Uhr

Streit in London

Was JP Morgan der Berliner U-Bahn verschwieg

Vor einem Gericht in London zanken sich die Großbank JP Morgan und die Berliner Verkehrsbetriebe. Ein Finanzprodukt steht im Zentrum des Streits. In der Verhandlung geht es auch um kompromittierende Aussagen der Banker.

U-Bahn in Berlin: Die Anschaffung sicherten die Verkehrsbetriebe über ein umstrittenes Finanzpapier ab. dpa

U-Bahn in Berlin: Die Anschaffung sicherten die Verkehrsbetriebe über ein umstrittenes Finanzpapier ab.

LondonIn den Verhandlungen um ein Finanzprodukt gab es im Jahr 2007 einiges, was die US-Großbank JP Morgan den Vertragspartner nicht wissen lassen wollte. Es ging um ein Derivat im Umfang von 200 Millionen Dollar, mit dem die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) den Bau von Straßenbahn- und U-Bahn-Wagen absicherten. Doch einiges sollte im Dunkeln bleiben, zeigten die BVG-Anwälte am Dienstag vor einem Londoner Gericht.

Sie verwiesen auf eine Telefonmitschrift, wonach ein JP-Morgan-Vertriebsmann zu einem Kollegen sagte: „Wir wollen [dem BVG-Vertragspartner] nicht zeigen, dass wir so viel Geld damit verdienen, richtig?“ Ein anderer Banker nannte demzufolge den Verhandlungspartner in Berlin eine „Nervensäge“ („pain in the a...e“).

In dem Verfahren fordert JP Morgan von dem kommunalen Hauptstadt-Unternehmen umgerechnet gut 150 Millionen Euro plus Zinsen, die die BVG dem Institut nach dessen Auffassung noch zahlen müssen. Die BVG steht auf dem Standpunkt, nicht über das wahre Risiko des fraglichen Finanzgeschäfts aufgeklärt worden zu sein. Die Bank wirft den Berlinern vor, die Schuld für Verluste in dieser Höhe um jeden Preis anderen in die Schuhe schieben zu wollen.

Größte Banken der Welt (nach Bilanzsumme)

Platz 11

Deutsche Bank
Deutschland
1955 Milliarden Euro

Stand: Ende Juni 2015. Quelle: Bloomberg.

Platz 10

Barclays
Großbritannien
1960 Milliarden Euro

Platz 9

Bank of America
USA
1998 Milliarden Euro

Platz 8

BNP Paribas
Frankreich
2078 Milliarden Euro

Platz 7

Mitsubishi UFJ
Japan
2224 Milliarden Euro

Platz 6

JP Morgan Chase
USA
2402 Milliarden Euro

Platz 5

Bank of China
China
2408 Milliarden Euro

Platz 4

HSBC
Großbritannien
2489 Milliarden Euro

Platz 3

Agricultural Bank of China
China
2531Milliarden Euro

Platz 2

China Construction Bank
China
2627 Milliarden Euro

Platz 1

Industrial and Commercial Bank of China (ICBC)
China
3216 Milliarden Euro

Hintergrund des Disputs ist ein Finanzderivat, mit dem die BVG auf Anraten von JP Morgan ihre Finanzierung von Straßenbahn- und U-Bahnwagen absicherten. Als sich die Papiere mit Beginn der Finanzkrise als Schrott erwiesen und die BVG dadurch Verluste von rund 156 Millionen Euro eingefahren hätten, habe das Berliner Unternehmen noch ausstehende Zahlungen an die US-Bank eingestellt, berichtete unlängst der Berliner „Tagesspiegel“.

Die fraglichen Finanzderivate gehören zu bestimmten Anlagepaketen (CDOs), die Banken aus einer Reihe von Anleihen schnüren und die im Zuge der Finanzkrise massiv in die Kritik geraten sind. Nach 2008 sind viele Anleger, die durch solche Geschäfte Millionen verloren haben, gegen die Banken vor Gericht gezogen. Sie warfen den Instituten vor, das mit den Kreditpaketen verbundene Risiko verschwiegen zu haben. JP Morgan hatte zuletzt wegen einer Reihe von Rechtsstreitigkeiten fast 20 Milliarden Dollar gezahlt. Die größte US-Bank verdiente zuletzt aber trotzdem wieder glänzend. Der Nettogewinn summierte sich im vierten Quartal auf 5,3 Milliarden Dollar.

Kommentare (10)

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Marcel

22.01.2014, 13:18 Uhr

Liebes Handesblatt,
auf dem Foto ist eine Berliner S-Bahn abgebildet. Die gehört zum Konzern Deutsche Bahn AG und hat rechtlich und organisatorisch nichts mit der BVG (Berliner Verkehrs-Betriebe) zu tun.

Account gelöscht!

22.01.2014, 14:58 Uhr

Bei dem hier "angesagten" Geschäft zwischen BVG und JPM muss man sich schon fragen, ab die Verantwortlichen bei der BVG ansatzweise für ihre Unternehmenspositionen ( gut dotiert ? ) befähigt sind.

Account gelöscht!

22.01.2014, 15:17 Uhr

Wowereit's sexy Berlin ist über den schnöden Mammon erhaben. Man spricht nicht über den Geldetat, nein, man hält einfach die Hand bei den Geberländern auf. Und die zahlen brav. Wenn sie dagegen klagen wollen, werden sie von unserer gleichgeschalteten Presse verdroschen. So dreist verhalten sich noch nicht mal die Euro-Nehmerstaaten.

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