Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.07.2014

11:00 Uhr

Streit über faule Kredite

US-Justiz lässt Citigroup weniger bluten als BNP

Das US-Justizministerium ermittelt gegen Banken, die nach Ansicht der Behörden ihre Kunden mit faulen Krediten über den Tisch zogen. Die Citigroup kommt dabei offenbar mit einer geringeren Zahlung davon als erwartet.

Mehr als zehn Milliarden US-Dollar sollen die US-Behörden im Hypothekenstreit zunächst von der Citigroup verlangt haben. Einem Medienbericht zufolge kommt die Bank günstiger davon. ap

Mehr als zehn Milliarden US-Dollar sollen die US-Behörden im Hypothekenstreit zunächst von der Citigroup verlangt haben. Einem Medienbericht zufolge kommt die Bank günstiger davon.

New YorkDas US-Justizministerium und die Großbank Citigroup scheinen im Streit um faule Hypothekenkredite kurz vor einer Einigung zu stehen. Das Geldinstitut werde einer Klage wohl mit einer Zahlung von rund 7 Milliarden US-Dollar (5,1 Milliarden Euro) aus dem Weg gehen können, berichtete das „Wall Street Journal“ am Dienstagabend (Ortszeit) auf seiner Internetseite unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Zuvor war über eine Summe in Höhe von etwas mehr als 4 Milliarden Dollar spekuliert worden. Bereits kommende Woche könnte eine Einigung bekannt gegeben werden.

Damit treffen sich die Kontrahenten in dem Streit offenbar in der Mitte: Noch vor Wochen lagen die Vorstellungen deutlich auseinander. Zuletzt hatte es aus Kreisen geheißen, das US-Justizministerium verlange um die zehn Milliarden Dollar, die Bank habe aber nur vier Milliarden angeboten. Die Bank hat nach Schätzungen von Analysten 2 bis 4 Milliarden für Rechtsstreitigkeiten zurückgestellt.

Die Behörden in den USA ermitteln gegen eine ganze Reihe von Instituten. Diese hatten vor 2008 in großem Maße Hypothekenpapiere verkauft, die in der Finanzkrise dann massiv an Wert verloren. Der Vorwurf lautet, die Banken hätten ihre Kunden über die Risiken dieser Papiere nicht genügend aufgeklärt oder gar in die Irre geführt.

Welche Finanzfirmen für US-Sanktionsverstöße büßen mussten

Verstoß kann teuer werden

Vor BNP Paribas hat die US-Justiz schon eine ganze Reihe an Finanzkonzernen wegen Verstößen gegen Sanktionen gegen Staaten wie den Iran zur Kasse gebeten. Eine Übersicht.

Deutsche Börse (November 2013)

Die Deutsche Börse zahlt 152 Millionen Dollar, weil ihre Tochter Clearstream bei Wertpapierübertragungen eingefrorenes Geld illegalerweise in den Iran überwiesen haben soll.

Standard Chartered (2012)

Mehrere US-Behörden verdonnern die britische Bank Standard Chartered im Jahresverlauf zur Zahlung von insgesamt 667 Millionen Dollar wegen unerlaubter Geschäfte mit dem Iran.

ING (Juni 2012)

Der niederländische Finanzkonzern ING zahlt 619 Millionen Dollar wegen Geschäften mit Iran und Kuba.

RBS (Mai 2010)

Die Royal Bank of Scotland zahlt 500 Millionen Dollar für Geschäfte der übernommenen niederländischen ABN Amro mit dem Iran, Libyen, dem Sudan, Kuba und anderen sanktionierten Staaten.

Credit Suisse (Dezember 2009)

Die Schweizer Credit Suisse büßt mit 536 Millionen Dollar für Geschäfte mit dem Iran und anderen Staaten.

Lloyds (Januar 2009)

Die britische Bank Lloyds zahlt 350 Millionen Dollar wegen Verstößen gegen Iran- und Sudan-Sanktionen.

Wall-Street-Banken haben bereits mehrere Milliarden Dollar als Entschädigung und Strafe gezahlt. Erst im April hatte die Citigroup im Streit um Hypotheken mehr als 1,1 Milliarden Dollar an eine Gruppe von institutionellen Investoren entrichtet und damit einen Rechtsstreit beigelegt. Rivale JPMorgan hatte sich im November mit der Justiz auf eine Zahlung von 13 Milliarden Dollar geeinigt, um von weiteren Ermittlungen verschont zu bleiben. Bei der Bank of America wird über einen Vergleich in Höhe von 12 Milliarden Dollar spekuliert.

Umstrittene Hypothekengeschäfte der Vergangenheit sind aber nicht das einzige Gebiet, auf dem die US-Justiz hart vorgeht: Die französische Großbank BNP Paribas etwa hat wegen Geschäften mit sogenannten Schurkenstaaten wie Sudan, Iran und Kuba einer Zahlung von knapp neun Milliarden Dollar zugestimmt. Das ist die höchste jemals in den USA verhängte Buße gegen ein ausländisches Kreditinstitut.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×