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23.11.2014

19:47 Uhr

Streit um Abwicklung der Skandalbank

Bayern LB stellt sich bei Hypo-Alpe-Töchtern quer

VonHans-Peter Siebenhaar

Für die Bayern LB ist das Okay zum Verkauf der Balkan-Töchter der verstaatlichen Hypo Alpe Adria an den Investor Advent und die Europäische Bank für Wiederaufbau keine Formalie. Sie könnte den Deal zum Platzen bringen.

Stop! Dieses Signal könnten die Österreicher bei der Abwicklung der Hypo Alpe Adria aus München bekommen: Die ehemalige Eigentümerin Bayern LB will mitreden. dpa

Stop! Dieses Signal könnten die Österreicher bei der Abwicklung der Hypo Alpe Adria aus München bekommen: Die ehemalige Eigentümerin Bayern LB will mitreden.

WienDie Bayerische Landesbank droht Österreich bei der Abwicklung der verstaatlichten Skandalbank Hypo Alpe Adria einen Strich durch die Rechnung zu machen. Denn die Zustimmung zum Verkauf der Balkan-Töchter an den amerikanischen Finanzinvestor Advent und die Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) wird von der Münchner Bank nicht einfach anstandslos gegeben. „Wir sehen uns den Vorgang sehr genau an“, sagt ein Insider. „Das ist keine Formalie.“ Schließlich sei die Bayern LB schon aus aktienrechtlichen Gründen zu einer exakten und intensiven Prüfung verpflichtet.

Ein Team mit einem halben Dutzend Spezialisten durchforsten die Bilanzen der Banken auf den Balkan, wobei die Institute in Kroatien mit einer Bilanzsumme von 3,9 Milliarden Euro und in Slowenien mit 1,6 Milliarden Euro die größten Brocken darstellen. Die Bayern LB will die Entscheidung über ein mögliches Nein zum Verkauf der Südosteuropa-Tochter nicht schnell fällen. Seit knapp zwei Wochen habe man Zugang zum Datenraum. Bis man zu einer abschließenden Beurteilung komme, könne es nochmals zwei Wochen dauern. Im Mittelpunkt der Prüfung, so sagen Insider, steht nicht in erster Linie der Kaufpreis, den Advent und EBRD zahlen werden. Die Bayern LB selbst wollte sich auf Anfrage zum Ergebnis der Prüfung nicht äußern.

Der Niedergang der Hypo Alpe Adria

vor 2006

Im Jahr 1894 gründete das österreichische Bundesland Kärnten die Bank als Landeshypothekenanstalt. Das Institut gehörte dem Land und ist vor allem in der Region aktiv.
1991 beginnt die Bank ihre Expansion in Südosteuropa mit ersten Aktivitäten in Slowenien. Finanziert wird der Ausbau mit günstigem Geld vom Kapitalmarkt, an das die Bank kommt, weil der Mehrheitseigentümer Kärnten als Ausfallbürge komplett für das Institut haftet.
Erst per April 2007 schiebt die EU den ausufernden Garantien des Landes einen Riegel vor. Die letzten verbliebenen Garantien für die Bank laufen 2017 aus.

2006 bis 2008

Ende 2006 erreichen die Garantien des Landes Kärnten für die in Hypo Alpe Adria umbenannte Bank mit 24,7 Milliarden Euro ihren Höchststand. 2007 übernimmt die BayernLB für 1,625 Milliarden Euro einen Anteil von 50 Prozent plus einer Aktie an der Bank. Der Anteil des Landes sinkt auf 20 Prozent. Später steigt die Beteiligung der BayernLB auf 67,08 Prozent.
2008 rutscht die Hypo in die roten Zahlen und schreibt 520 Millionen Euro Verlust. Daraufhin pumpt die Republik Österreich 900 Millionen Euro in die Bank, 700 Millionen Euro kommen von der BayernLB. Bis Ende 2008 steigt die Bilanzsumme der Hypo angesichts der fortgesetzten Expansion auf 43,3 Milliarden Euro. Im Mai 2009 startet die EU wegen staatlicher Rettungsgelder ein Beihilfeverfahren gegen die BayernLB und ihre Tochter Hypo.

2009

Die Hypo verbucht einen Jahresverlust von knapp 1,6 Milliarden Euro und braucht weiteres Kapital. Weil der Mehrheitseigentümer BayernLB nicht mehr in die Bresche springen will, wird das Institut Mitte Dezember 2009 in einer Notaktion verstaatlicht: Die bisherigen Eigentümer geben ihre Anteile für den symbolischen Preis von einen Euro an Österreich ab. Im Gegenzug lassen sie insgesamt rund eine Milliarde Euro an Kapital in der Bank: 825 Millionen Euro kommen von der BayernLB, 200 Millionen Euro vom Land Kärnten und 30 Millionen Euro von der Grazer Wechselseitigen Versicherung. Vorstand und Aufsichtsrat der Hypo werden neu besetzt. Die EU gibt vorläufig grünes Licht für die Rettung der Bank und weitet ihre Untersuchung auf alle bisher geflossenen Hilfen aus.

2010

Der Jahresverlust verringert sich auf gut eine Milliarde Euro. Die Hypo benötigt jedoch noch mehr Geld und erhält 450 Millionen Euro Staatshilfen und 200 Millionen Euro Garantien von Österreich. Weitere 150 Millionen Euro kommen vom Land Kärnten. In Bayern beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss mit der umstrittenen Hypo-Übernahme.

2011

Die Hypo wandelt das 2010 erhaltene Partizipationskapital von 450 Millionen Euro in Grundkapital um. Das Institut schreibt einen Gewinn von 60 Millionen Euro.

2013

Die Hypo erhält eine weitere staatliche Kapitalspritze über 500 Millionen Euro und Garantien für eine milliardenschwere Anleihe. Mit dem Geld stärkt die Bank ihre dünne Kapitaldecke, um die Anforderungen der Aufsichtsbehörden zu erfüllen.

2013

Die EU gibt nach zähen Verhandlungen grünes Licht für die bereits geflossenen Staatshilfen und neue Geldspritzen von bis zu 5,4 Milliarden Euro bis Ende 2017. Im Gegenzug muss die Hypo ihr Österreich- und das Südosteuropageschäft verkaufen und die übrigen Teile der Bank abwickeln. Ein Teil der bis 2017 genehmigten Staatshilfen - 1,75 Milliarden Euro - fließen bis zum Jahresende, um die Bank angesichts weiterer Abschreibungen in Osteuropa über Wasser zu halten.

2014

Die österreichische Regierung stellt sich auf eine weitere Geldspritze von einer Milliarde Euro für die Hypo ein. Um den von der EU verlangten Abbau der Bank voranzutreiben und die künftigen Geldspritzen so gering wie möglich zu halten, prüft die Regierung eine staatliche „Bad Bank“ nach deutschem Vorbild. Alternativ steht auch eine Insolvenz zur Debatte. Das Finanzministerium will bis Ende März entscheiden.

Dem Verkauf der südosteuropäischen Banken der ehemaligen Hypo Alpe Adria muss die Bayerische Landesbank als der frühere Eigentümer neben dem heutigen Eigentümer, der Republik Österreich, zustimmen. Dieses Recht wurde der Bayerischen Landesbank bei der Gewährung ihrer Kredite an die Hypo Alpe Adria in den Jahren 2008 und 2009 zugestanden. Ein Nein aus München würde das Geschäft der Österreicher ins Abseits katapultieren.

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