Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.09.2013

18:57 Uhr

Streitgespräch

„Nicht jede Bank ist eine Finanzmafia“

VonPeter Köhler

Vorzeige-Kommunistin Sahra Wagenknecht gibt sich im Streitgespräch mit Michael Kemmer, dem Geschäftsführer des privaten Bankenverbandes, ungewohnt zahm. Die beiden „Unverbesserlichen“ offenbaren sogar eine Gemeinsamkeit.

Handelsblatt-Tagung

Banken im Umbruch: Großbanken verkleinern

Handelsblatt-Tagung: Banken im Umbruch: Großbanken verkleinern

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtEs ist das „zweite Großflächenplakat“ für die Bundestagswahl der Linken, das die Banker in der Frankfurter City derzeit morgens auf dem Weg zur Arbeit lesen können. „Wer Demokratie will, muss die Finanzmafia entmachten“ fordert darauf Sahra Wagenknecht, die stellvertretende Parteivorsitzende.

Bei ihrem Auftritt im Frankfurter Marriott-Hotel bei der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“ trägt Wagenknecht ein strenges rotes Kostüm und wirkt selbst ein wenig wie eine Managerin. Und ernst ist ihre Miene. Kein Wunder, schließlich begibt sie sich in die Höhle des Löwen. Denn im Marriott warten rund 300 Führungskräfte aus Banken und verwandten Branchen auf ihr Rededuell mit Michael Kemmer, dem Hauptgeschäftsführer des privaten Bankenverbands BdB. „Zwei Unverbesserliche, das kann ja lustig werden“, raunt ein Berater am Eingang des Konferenzsaals. „Sie will der Finanzlobby das Handwerk legen, er ist die Finanzlobby“ - Ring frei für die Kontrahenten.

Oliver Stock, Chefredakteur von Handelsblatt-Online und Moderator der Tagung, fragt gleich zur Eröffnung, ob Kemmer denn zur Finanzmafia gehöre, aber so weit will Frau Wagenknecht nicht gehen. „Nicht jede Bank ist eine Finanzmafia, aber es habe in der Finanzbranche „regelrecht kriminelle Machenschaften“ gegeben, die viel Geld gekostet hätten, meistens das der Steuerzahler. Wer nun genau zur Finanzmafia gehört, bleibt weiter ein Rätsel.

Die zehn größten Banken der Welt

Platz 10

Platz zehn belegt die China Construction Bank, seit dem Jahr 2005 werden an der Hongkonger Börse Aktien der CCB im Wert von mehr als 8 Milliarden Dollar gehandelt.

Bilanzsumme: 2241 Mrd. US-Dollar

Platz 9

Darauf folgt die Bank of America, deren Ursprünge auf die im Jahr 1784 gegründete Bank of Massachusetts zurückgehen. Sie ist somit die zweitälteste Bank der USA.

Bilanzsumme: 2258,5 Mrd. US-Dollar

Platz 8

Die JP Morgan Chase & Co. ist, gemessen an der Bilanzsumme von mehr als 2,3 Billionen US-Dollar, die größte Bank der USA.

Bilanzsumme: 2359,1 Mrd. US-Dollar

Platz 7

Die britische Großbank Barclays wurde 2011 in einer an der ETH Zürich veröffentlichten Studie als einflussreichstes Unternehmen der Weltwirtschaft bezeichnet.

Bilanzsumme: 2420,6 Mrd. US-Dollar

Platz 6

Crédit Agricole mit Sitz in Paris ist auch durch seine Tätigkeit als Sponsor des Radsportteams Crédit Agricole weltweit bekannt.

Bilanzsumme: 2431,4 Mrd. US-Dollar

Platz 5

Die MUFG entstand 2005 aus dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen Mitsubishi Tokyo Financial Group (MTFG) und UFJ Holdings, Herzstück des Konzerns ist die Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ.

Bilanzsumme: 2488,8 Mrd. US-Dollar

Platz 4

BNP Paribas entstand 2000 durch die Fusion der Banque Nationale de Paris (BNP) und der Paribas. Zusammen mit der Société Générale und dem Crédit Lyonnais gehört sie zu den drei alten Geschäftsbanken Frankreichs.

Bilanzsumme: 2517,1 Mrd. US-Dollar

Platz 3

Die Deutsche Bank mit Sitz in Frankfurt am Main ist das nach Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl größte Kreditinstitut Deutschlands und unterhält bedeutende Niederlassungen in London, New York City, Singapur und Sydney.

Bilanzsumme: 2655,7 Mrd. US-Dollar

Platz 2

Zweiter ist die Bank HSBC, die ihren Sitz in London hat und somit die größte Bank Europas ist.

Bilanzsumme: 2692,5 Mrd. US-Dollar

Platz 1

Die ICBC ist, gemessen an der Bilanzsumme, nicht nur die größte Bank der VR China, sondern auch die größte Bank der Welt.

Bilanzsumme: 2813,5 Mrd. US-Dollar

Chef-Lobbyist Kemmer ist gleich zu Anfang bemüht, zu deeskalieren: „Wir sind uns einig, dass viel schief gelaufen ist“, gibt er zu, aber mit „pauschalen Verteufelungen“ sei keinem gedient.

Kemmer und Wagenknecht haben sich zuvor bereits zwei Mal duelliert, jeweils in der TV-Talk-Show von Maybrit Illner. Man kennt sich also und irgendwie ist es wie bei alten Bekannten, die nach neuem Gesprächsstoff suchen - und ihn nicht so richtig finden. „Ihre Zahlen stimmen, ihre Schlussfolgerungen leider nicht“, sagt denn auch der frühere Landesbank-Chef nach einem kurzen Schlagabtausch über die Frage, ob die privaten Großbanken die Kreditvergabe zurückgefahren haben. Kemmer sagt: stimmt, weil die Unternehmen weniger nachfragen, Wagenknecht sagt; stimmt, weil die Banken zu wenig daran verdienen. Und so steuert man nach einigen rhetorischen Schleifen unweigerlich auf das Finanz-Feindbild der Linken zu, das sich ganz konkret beim Namen nennen lässt: die Deutsche Bank.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

05.09.2013, 23:48 Uhr

Wenn ich hier die 3 Top-Kommentare sehe, sieht man wieder, dass einige Parteien mit Fußballteams verwechseln. Auf Argumente wird gar nicht erst eingegangen, was auch erklärt, warum Merkels Kurs so erfolgreich war/ist. Zum Handelsblatt, einen ärmlicheren Kommentar zum Gespräch hätte man sich kaum vorstellen können. Da wirft man etwas - hat sie aber bestimmt gedacht! - und "Kommunisten!" herum und gut ist. Überprüfung der Aussagen? Nicht mit dem Handelsblatt. Dass es bereits eine Teilung zwischen Investment und Privatsektor gegeben hat, mein Gott in den USA sogar, wird direkt ignoriert. Aus welchen Gründen diese Gründung eingeführt wurde und weitaus später wieder nach und nach aufgelöst wurde wird ebenfalls unter den Teppich gekehrt. Dass die Deutsche Bank als Paradebeispiel taugt und sogar in den USA besser investigiert wurde als in Deutschland wird auch in keinster Weise behandelt. Von Lebensmittelwetten zu Griechenlandprofiteur, alles kein Thema für das Handelsblatt. Für was werdet ihr eigentlich bezahlt, oder habt ihr den Journalismus bereits automatisiert?

Account gelöscht!

06.09.2013, 06:53 Uhr

Ob Frau Wagenknecht Kommunistin ist, diese Frage ist belanglos. Dass die Banken seit nunmehr vielen Jahren international betruegerische Gechaefte, und das auch untereinander treiben,ist allgemein und in aller Welt bekannt.

Account gelöscht!

06.09.2013, 07:01 Uhr

Frau Wagenknecht mag Kommunistin sein,was immer das auch heute bedeuten mag. Ihre Kritik der Banken und deren Umtriebe, deren Betruegereien auch gegeneinander, sind allgemein bekannt. Als Herr Greenspan sah,was er u.a. angerichtet hatte, sagte er - so charmant und bescheiden
wie immer - es gaebe da einen kleinen Fehler in seinem
Menschenbild.Er sprach nicht von der Erbsuende, auch wenn
diese genau das war, was er uebersehen hatte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×