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28.11.2013

14:11 Uhr

Stresstest

Europas Banken sind noch lange nicht fit

280 Milliarden Euro – so groß könnte das Loch sein, das in der europäischen Bankenlandschaft klafft. Vor dem Stresstest nächstes Jahr müssen die Institute laut einer neuen Untersuchung ihr Kapital ordentlich aufstocken.

Ein trügerisches Idyll: In der Bankenmetropole Frankfurt haben viele Geldhäuser noch mit Problemen zu kämpfen. dpa

Ein trügerisches Idyll: In der Bankenmetropole Frankfurt haben viele Geldhäuser noch mit Problemen zu kämpfen.

LondonEuropäische Banken müssen ihre Kapitalpolster einer Studie zufolge im kommenden Jahr noch einmal kräftig aufstocken. Im Zuge des Gesundheitschecks durch die europäischen Aufsichtsbehörden könnte bei den Instituten ein Kapitalbedarf von 280 Milliarden Euro aufgedeckt werden, erklärte die Unternehmensberatung PwC in einem am Donnerstag vorgestellten Gutachten. „Den europäischen Banken stehen einige turbulente Jahre bevor“, sagte der zuständige PwC-Manager Miles Kennedy. Sowohl europäische als auch nationale Aufsichtsbehörden würden Druck auf die Banken ausüben, ihre Sicherheitspuffer zu stärken.

Die drei Stufen der EZB-Bankenprüfung

1. Stufe

Risikobewertung
In einem ersten Schritt prüft die EZB die Risiken in den Bankbilanzen. Dabei schaut sie auf die kurzfristig zur Verfügung stehenden Mittel (Liquidität), die Verschuldung und die Refinanzierung der Bank.

2. Stufe

Asset Quality Review
Im zweiten Schritt schaut sich die EZB mit einem einheitlichen Bewertungsmaßstab etwa für faule Kredite die Bestandteile der Bilanzposten an. Auf dieser Basis wird beurteilt, ob etwa ausreichende Rückstellungen gebildet worden sind. Dabei sind acht Prozent hartes Kernkapital als Zielquote vorgegeben – Banken, die darunter liegen, sollen voraussichtlich auf staatliche Auffangmechanismen zurückgreifen müssen.

3. Stufe

Stresstest
Als letzter Schritt vollzieht die EZB einen Stresstest: Wie reagieren die Bankbilanzen auf gewisse Risikoszenarien? Die Details für den Stresstest sind noch nicht bekannt. Alle drei Schritte sollen bis November 2014 vollzogen sein, wenn die EZB offiziell die Aufsichtsfunktion übernimmt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will zunächst die Bilanzen der 128 größten europäischen Banken unter die Lupe nehmen, bevor sie in knapp einem Jahr die Aufsicht übernimmt. Anschließend sollen die Geldhäuser in einem Stresstest unter Beweis stellen, dass sie eine Krise, beispielsweise ausgelöst durch einen Konjunktureinbruch, mit einem ausreichenden Kapitalpuffer überstehen würden.

Institute wie die Deutsche Bank oder Barclays haben ihr Kapital bereits um Milliarden aufgestockt. PwC geht jedoch davon aus, dass die bisherigen Bemühungen der Branche nicht ausreichen. Einen Teil des noch bestehenden Kapitallochs könnten die Geldhäuser unter anderem durch den Verkauf von Unternehmensteilen beheben. Den größten Teil – nämlich 180 Milliarden Euro – müssen die Institute laut PwC aber durch die Aufnahme von frischem Kapital stopfen.

Von

rtr

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