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14.10.2013

12:25 Uhr

Stresstest

EZB fordert zusätzliches Kapitalpolster

Die Europäische Zentralbank erwägt offenbar, beim nächsten Stresstest eine höhere Kernkapitalquote für Großbanken anzusetzen. Die EZB orientiert sich dabei bereits an den Basel-III-Regularien – und dehnt die Prüfung aus.

Der Neubau der Europäischen Zentralbank: Bis zu sieben Prozent mehr Kernkapital gefordert. dpa

Der Neubau der Europäischen Zentralbank: Bis zu sieben Prozent mehr Kernkapital gefordert.

BerlinDie Europäische Zentralbank (EZB) geht beim Bilanz-Check und beim Stresstest für die größten Banken der Euro-Zone über die geltenden Kapitalanforderungen hinaus. Wie aus Äußerungen von EZB-Direktor Yves Mersch hervorgeht, will sie die Banken offenbar an den künftigen Vorschriften nach dem neuen Regelwerk Basel III messen, die in der EU von 2014 an schrittweise eingeführt werden. Das würde bedeuten, dass die Geldhäuser unter dem Strich einen Kapitalpuffer von mindestens sieben Prozent der Bilanzrisiken vorweisen müssen. Die EZB will die Regularien für die dreistufige Überprüfung der Institute, die der Übergabe der Aufsicht auf die Notenbank vorausgehen soll, am 23. Oktober nennen. Der EZB-Rat muss dem Plan vorher noch zustimmen.

Kapitalquoten großer Banken (2. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Bank of America

9,6 Prozent

Citigroup

10 Prozent

Commerzbank

8,4 Prozent (nach 7,5 Prozent im ersten Quartal)

Deutsche Bank

10 Prozent (nach 8,6 Prozent im 1. Quartal 2013)

Goldman Sachs

keine Angabe nach dem 2. Quartal 2013

JP Morgan

9,3 Prozent

Morgan Stanley

9,9 Prozent

UBS

11,2 Prozent

Wells Fargo

8,5 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Und die wichtigsten Kreditinstitute bräuchten „noch einen Aufschlag, der diese herausragende Bedeutung im europäischen Kontext widerspiegelt“, sagte Mersch der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Montagausgabe). Dieser könnte laut dem Bericht ein Prozent, aber auch mehr betragen. „Wenn man das zusammenrechnet, erhält man die Kennziffer, an der wir uns orientieren werden“, sagte Mersch.

Eigentlich sehen die Übergangsvorschriften von Basel III für das kommende Jahr nur eine harte Kernkapitalquote von vier Prozent vor - doch das wird an den Finanzmärkten seit langem als weitaus zu gering angesehen. Bis Anfang 2019 muss sie auf sieben Prozent steigen. Bei den deutschen Bankenverbänden BdB und VÖB stößt die Methodik schon jetzt auf Kritik. Der Ansatz der EZB bringe „erhebliche rechtliche Risiken“, heißt es Finanzkreisen zufolge in einem noch nicht veröffentlichten Positionspapier.

Die EU-Bankenaufsicht EBA hatte 2012 bei ihrem Stresstest von rund 70 Banken in allen 27 EU-Staaten auch unter widrigen Bedingungen eine Kapitalausstattung von mindestens neun Prozent gefordert - nach dem weniger strengen Basel-II-Standard. Den damals geltenden Kapitalpuffer müssen die damaligen Teilnehmer seither aufrecht erhalten.

Kommentare (5)

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Rechner

14.10.2013, 09:37 Uhr

Mersch laut FAZ
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Die Zeitung schließt aus Merschs Angaben, dass die Banken im kommenden Jahr eine Kernkapitalquote von mindestens sieben Prozent im Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiva vorweisen müssen.
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Leider hat Mersch nicht begriffen, daß die "risikogewichteten Aktiva" Schall und Rauch sind, solange investment-grade Staatsanleihen ein Risikogewicht von Null und von den Betrügeragenturen mit AAA bewerteter Ramsch eines von 1,6% haben.

...

Diese Risikogewichtungen sind vollkommen absurd und haben uns schon zwei riesige weltweite Finanzkrisen beschert.

Da helfen auch "Zuschläge" nicht - so werden die Kapitalmärkte nur noch weiter verzerrt.

Weg mit Basel 1,2,3!

Minimale Eigenkapitalquoten OHNE Risikogewichtung!

Account gelöscht!

14.10.2013, 09:43 Uhr

Die Banken werden unter realistischen Bedingungen den Bank Test nicht bestehen, wenn die Staatsanleihen richtig bewertet werden. Das ist doch alle nur Blendwerk. Es ist eine Staatsfinanzierung durch die EZB mittels der PIGGS Banken. Die haben ihren Anteil nämlich gewaltig aufgestockt.

r-tiroch@t-online.de

15.10.2013, 11:15 Uhr

wenn die Banken mit Eigenkapital bis zum Hals verfüllt werden kommt der böse Stresstest daher. da gehen die probleme erst richtig los weil ihre Bilanzen sowas von getürkt sind das es kracht. dass finale ist dann OMT ohne Ende und unser Spargeld ist in rauch aufgelöst. das nennt sich nachhaltige Routineretterei, ihr Deppen!

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