Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.09.2012

15:02 Uhr

Studie

Gehaltseinbruch bei Schweizer Bankern

Schweizer Banker haben im vergangenen Jahr fast ein Viertel weniger verdient. Auch Aufsichtsräte und Spitzenmanager mussten Einbußen hinnehmen. Besonders hart traf es Credit-Suisse-Chef Brady Dougan.

Die Bankmanager in der Schweiz haben im Jahr 2011 weniger Geld bekommen – auch der Chef der Credit Suisse Brady Dougan, dessen Gehalt um mehr als die Hälfte schrumpfte. Reuters

Die Bankmanager in der Schweiz haben im Jahr 2011 weniger Geld bekommen – auch der Chef der Credit Suisse Brady Dougan, dessen Gehalt um mehr als die Hälfte schrumpfte.

ZürichBankmanager in der Schweiz haben 2011 im Schnitt deutlich weniger verdient als ein Jahr zuvor. Die Saläre in den oberen Etagen der 34 größten börsennotierten Finanzdienstleister sanken um 23 Prozent, wie eine am Freitag veröffentlichte Untersuchung der Aktionärsvereinigung Ethos zeigt. Konzernchefs mussten sich dabei mit 15 Prozent weniger begnügen.

Durchschnittlich verdiente der CEO einer Schweizer Bank oder Versicherung im Vorjahr 2,5 Millionen Franken (2,1 Millionen Euro). Dabei sind die Schwankungen groß: Der Chef der Credit Suisse, Brady Dougan, trug nach Ethos-Berechnungen 5,8 Millionen Franken nach Hause – 54 Prozent weniger als 2010. Dagegen verdiente Martin Senn, Chef des Versicherungskonzerns Zurich Insurance Group mit 7,9 Millionen Franken zehn Prozent mehr.

Die Vergütungen der Aufsichtsorgane verminderten sich noch deutlicher. Der Verwaltungsratspräsident eines Finanzdienstleisters erhielt 2011 im Schnitt knapp eine Million Franken – 18 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Auch außerhalb der Finanzbranche mussten sich Spitzenmanager mit weniger zufriedengeben, die Einbußen waren mit drei Prozent für Konzern- und 16 Prozent für Verwaltungsratschefs aber weniger deutlich. Zu den Bestverdienern gehörten die Konzernchefs der beiden Pharmariesen Novartis und Roche: Joseph Jimenez und Severin Schwan verdienten mit 15,7 beziehungsweise 12,8 Millionen Franken deutlich mehr als ein Jahr zuvor. Auch der Konzernchef des Lebensmittel-Weltmarktführers Nestle, Paul Bulcke, wurde mit 11,3 Millionen Franken fürstlich entlohnt, erhielt damit allerdings weniger als 2010.

Auch wenn die Führungskräfte 2011 teilweise weniger verdienten, bleibt nach Ansicht von Ethos das Vergütungsniveau in der Schweiz hoch: Die Top-20 der Geschäftsleitung wurde mit jeweils mehr als fünf Millionen Franken entschädigt, bei den Verwaltungsräten waren es jeweils mehr als eine Million.

Nachholbedarf ortet die bedeutendsten Aktionärsvereinigung der Schweiz weiterhin, wenn es um Transparenz und Mitsprache der Aktionäre bei der Entlohnung der Spitzenmanager geht: Nur knapp die Hälfte der untersuchten Firmen lässt seine Eigentümer konsultativ – also nicht bindend – über die Vergütungen abstimmen.

Dabei nimmt die Opposition zu: Bei den Generalversammlungen 2012 sprachen sich durchschnittlich 14 Prozent der Aktionäre gegen den Vergütungsbericht aus. Bei Aktionärsabstimmung ist Ethos zufolge transparenter, wie sich Entlohnung zusammensetzt, und die Unternehmen seien offener für einen Dialog über die Zahlungen an ihre Manager.

Wo Banker in Europa am meisten verdienen

Gehalt und Leistung

Ein erstes Urteil fällt eine Studie des unabhängigen Equity-Research-Unternehmens Alpha Value schnell: Banker verdienen zu viel. Im Schnitt sind es rund 40 Prozent mehr als andere Industrien. Dies steht im krassen Gegensatz zu der Performance der Geldhäuser – Aktionäre haben seit 2007 mit Bankentitel rund 86 Prozent an Vermögen verloren. Ein kurze Übersicht, wo in Europa wie viel verdient wird.

Platz 13

In Belgien haben Banker 2010 laut einer Studie von AlphaVille 250.700 Euro verdient. Im Vorjahr war es mehr als doppelt so viel. Die Summen beziehen sich auf Durchschnittgehälter von leitenden Managern.

Platz 12

Die Banker in Norwegen haben dagegen 2010 mehr verdient als im Jahr davor, nämlich im Schnitt 538.000 Euro.

Platz 11

Bei unseren Nachbarn in den Niederlanden verdient man als Banker durchschnittlich "nur" 623.000 Euro, ein wenig mehr als 2009.

Platz 10

Die Banker in Dänemark haben es noch so gerade in die Top Ten geschafft: Sie verdienten 2010 im Schnitt 797.000 Euro.

Platz 9

Vielleicht eine kleine Überraschung, die Portugiesen in diesem Ranking so weit oben zu sehen. Aber nur weil das Land kein richtig großes Institut hat, können die Banker ja dennoch ordentlich verdienen: 846.000 Euro waren es durchschnittlich - übrigens deutlich mehr als 2009.

Platz 8

Einen kräftigen Schluck aus der Pulle haben sich die französischen Banker gegönnt: Ihr Durchschnittgehalt stieg auf 865.000 Euro. Im Vorjahr waren es "nur" knapp 600.000 Euro.

Platz 7

Auf Rang sieben überspringt Österreich die "magishe" Millionengrenze: In der Alpenrepublik verdienen Top-Banker im Schnitt 1,25 Millionen Euro.

Platz 6

Auch in Schweden kann man in Geldhäusern gutes Geld verdienen: 1,36 Millionen Euro waren es 2010.

Platz 5

Die Italiener schaffen es in die Top Five. Die leitenden Angestellten von Unicredit, Intesa und Co. verdienen durchschnittlich 1,9 Millionen Euro.

Platz 4

Bis zu unseren deutschen Bankern auf Rang vier ist es ein gewaltiger Sprung: Hierzulande verdienen leitende Manager 3,3 Millionen Euro. 2009 war es mit 3,5 Millionen Euro übrigens ein wenig mehr.

Platz 3

Sozusagen aufs Treppchen haben es die Funktioniere in Spanien geschafft: Hier lag das Gehalt bei 3,7 Millionen Euro.

Platz 2

Noch ein wenig mehr gibt es in der Schweiz, nämlich 4,4 Millionen Euro. Allerdings sind die Lebenshaltungskosten in Zürich oder Genf auch ein gutes Stück höher als in Deutschland.

Platz 1

Mit weitem Abstand gibt es in Großbritannien am meisten zu verdienen: 5,8 Millionen Euro verdienen die Banker in London. Kein Wunder, tun hier doch sehr viele Investmentbanker ihr Werk, die gewohnheitsmäßig auf überdurchschnittliche Vergütungen kommen.

Von

rtr

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Kisch

07.09.2012, 17:35 Uhr

In der Schweiz wurde doch mal um die Regel gestritten, das Boni mit 3Jahren Verzug ausgezahlt werden müssen um langfristiges Denken zu fördern. Ein Kollege meint das sei eingeführt und er habe schon von Bankern gehört, die deswegen in Arge Geldnot kamen, weil sie ihre Lebenshaltungskosten zu hoch seien.
Weiss wer ob da was dran ist? Ich habe dazu bisher nichts mehr gehört.

stetson

07.09.2012, 17:35 Uhr

Muss noch schnell in den Supermarkt neue Taschentücher kaufen. Habe schon zwei Packungen vollgeheult.

puenktli

07.09.2012, 17:40 Uhr

Ja, es ist schon ein hartes Schicksal. Nur noch 5,8 Millionen in einem Jahr! Dabei hat der Mann doch sicherlich eine 500 Stunden-Arbeitswoche und eine fünfzigjährige Berufsausbildung mit schmerzlichsten Einschnitten in Ferien, Freizeit- und Privatleben auf dem Buckel. Und jetzt dies... Aber eben, diese Gattung Überirdischer hat es nicht leicht auf unserem armseligen Proleten-Planeten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×