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29.09.2013

11:26 Uhr

Studie

US-Banken profitabler als europäische Konkurrenz

Selbst Milliardenstrafen können US-Banken nicht bremsen: Der Gewinn der größten Geldhäuser hat deutlich stärker zugelegt als bei europäischen Top-Banken. Vor der Finanzkrise sah das noch anders aus.

JP-Morgan-Zentrale in New York. ap

JP-Morgan-Zentrale in New York.

US-Banken haben die Belastungen aus der weltweiten Finanzkrise nach einer Studie deutlich schneller verarbeitet als europäische Geldinstitute. Auch deshalb sind sie nun deutlich profitabler, wie das Beratungsunternehmen Ernst & Young (jetzt: EY) berichtet. „Der Nettogewinn der größten zehn US-Banken lag im ersten Halbjahr mit 96 Milliarden Euro viermal so hoch wie der Nettogewinn der europäischen Top-Banken.“ Im Vergleich zum Vorjahr habe der Nettogewinn der US-Geldinstitute um 160 Prozent zugelegt, während die europäischen Geldhäuser nur ein Plus von 54 Prozent auf 24 Milliarden Euro geschafft hätten.

In den Jahren 2004 bis 2007, also vor der Finanzkrise, lagen die Nettogewinne der Top-Banken dies- und jenseits des Atlantiks nach den Angaben noch etwa auf dem gleichen Niveau. Während der Finanzkrise und in den ersten Jahren danach hätten die europäischen Banken sogar deutlich besser abgeschnitten als ihre US-Konkurrenten. Ernst & Young untersuchte die Top-10 der Banken in den USA und Europa, darunter Fannie Mae, JP Morgan Chase und Bank of America auf der einen und HSBC, Deutsche Bank und BNP Paribas auf der anderen Seite.

Die zehn größten Banken der Welt

Platz 10

Platz zehn belegt die China Construction Bank, seit dem Jahr 2005 werden an der Hongkonger Börse Aktien der CCB im Wert von mehr als 8 Milliarden Dollar gehandelt.

Bilanzsumme: 2241 Mrd. US-Dollar

Platz 9

Darauf folgt die Bank of America, deren Ursprünge auf die im Jahr 1784 gegründete Bank of Massachusetts zurückgehen. Sie ist somit die zweitälteste Bank der USA.

Bilanzsumme: 2258,5 Mrd. US-Dollar

Platz 8

Die JP Morgan Chase & Co. ist, gemessen an der Bilanzsumme von mehr als 2,3 Billionen US-Dollar, die größte Bank der USA.

Bilanzsumme: 2359,1 Mrd. US-Dollar

Platz 7

Die britische Großbank Barclays wurde 2011 in einer an der ETH Zürich veröffentlichten Studie als einflussreichstes Unternehmen der Weltwirtschaft bezeichnet.

Bilanzsumme: 2420,6 Mrd. US-Dollar

Platz 6

Crédit Agricole mit Sitz in Paris ist auch durch seine Tätigkeit als Sponsor des Radsportteams Crédit Agricole weltweit bekannt.

Bilanzsumme: 2431,4 Mrd. US-Dollar

Platz 5

Die MUFG entstand 2005 aus dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen Mitsubishi Tokyo Financial Group (MTFG) und UFJ Holdings, Herzstück des Konzerns ist die Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ.

Bilanzsumme: 2488,8 Mrd. US-Dollar

Platz 4

BNP Paribas entstand 2000 durch die Fusion der Banque Nationale de Paris (BNP) und der Paribas. Zusammen mit der Société Générale und dem Crédit Lyonnais gehört sie zu den drei alten Geschäftsbanken Frankreichs.

Bilanzsumme: 2517,1 Mrd. US-Dollar

Platz 3

Die Deutsche Bank mit Sitz in Frankfurt am Main ist das nach Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl größte Kreditinstitut Deutschlands und unterhält bedeutende Niederlassungen in London, New York City, Singapur und Sydney.

Bilanzsumme: 2655,7 Mrd. US-Dollar

Platz 2

Zweiter ist die Bank HSBC, die ihren Sitz in London hat und somit die größte Bank Europas ist.

Bilanzsumme: 2692,5 Mrd. US-Dollar

Platz 1

Die ICBC ist, gemessen an der Bilanzsumme, nicht nur die größte Bank der VR China, sondern auch die größte Bank der Welt.

Bilanzsumme: 2813,5 Mrd. US-Dollar

„Die US-Banken haben die Belastungen aus der Finanzkrise schneller und konsequenter verarbeitet - Stichworte Zwangskapitalisierung und Ausweisung von Milliardenverlusten. Heute sind sie daher weitgehend frei von Altlasten und somit handlungsfähiger“, so Bankenexperte Dirk Müller-Tronnier von Ernst & Young. Gleichzeitig profitierten sie von der im Vergleich zu Europa deutlich stärkeren US-Wirtschaft und der Erholung auf dem heimischen Immobilienmarkt. Und sie seien stärker auf das Investmentbanking ausgerichtet, das derzeit dank der guten Entwicklung an den Kapitalmärkten hohe Gewinne abwerfe.

Hiesige Banken litten hingegen stark unter der schwachen Konjunktur in Europa, die zu einem steigenden Bestand an notleidenden Krediten führe. Nach Überzeugung Müller-Tronniers müssen sich Europas Banken auf eine längere Durststrecke einrichten: „Die Konjunkturkrise wird sich weiter negativ auf die Performance der europäischen Banken auswirken und eine hohe Risikovorsorge nötig machen.“ Weitere Belastungen aus der Staatsschuldenkrise in Form von Wertminderungen im Kreditportfolio seien ebenfalls nicht auszuschließen. „Vorerst ist also keine deutliche Verbesserung der Gewinnsituation der europäischen Banken in Sicht - zumal auch regulatorische Vorgaben den Handlungsspielraum der Banken massiv einschränken.“

Von

dpa

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

29.09.2013, 11:43 Uhr

Kein Wunder - der Finanzkapitalismus, also die fast leistungslose Umverteilung der Früchte realwirtschaftlicher Arbeit zu den Herren des Geldes war schon immer eine angelsächsische Spezialität. Die spannende Frage lautet, welcher gesamtgesellschaftliche Gewinn ist durch das Tun oder Lassen der Ami-Banken entstanden?

Account gelöscht!

29.09.2013, 11:53 Uhr

Wieviel "machen" eigentlich so die Banken in China, Russland, Afrika, etc?

merlot

29.09.2013, 12:16 Uhr

Alles dummes Zeug. Die spielen mit Monopoly Geld. Der Gewinn ist auch nur wieder Spielgeld. Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, dass Geld keine Handelsware, sondern nur ein Gutschein auf eine Ware bzw. Dienstleistung ist? Würden nun alle ihr angehäuftes Geld in Waren oder Dienstleistungen eintauschen wollen, würde man schnell feststellen, dass die Ressourcen der Erde gar nicht ausreichen um ein Gleichgewicht zwischen dem nominalen Wert des ausgegeben Geldes herzustellen. Das nennt man Inflation. Die haben wir schon.

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