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25.09.2013

12:45 Uhr

Studie zur Kapitalstärke

Deutsche Banken hinken Konkurrenz hinterher

VonMartin Dowideit

Deutsche Banken sind für Regulierer keine Musterschüler. Sie erfüllen zwar die künftigen Mindestanforderungen für die Kapitalausstattung. Es gebe aber „noch erheblichen Anpassungsbedarf“, mahnt die Bundesbank.

Deutsche Banken müssen bei einigen künftigen Finanzregeln noch nachsitzen. dpa

Deutsche Banken müssen bei einigen künftigen Finanzregeln noch nachsitzen.

Frankfurt/BaselDie deutschen Banken erfüllten bereits Ende 2012 teilweise die künftigen neuen Kapitalvorgaben – allerdings schneiden gerade die größten Häuser schlechter ab als die europäische Konkurrenz. Das ist das Ergebnis einer Studie der internationalen Finanzaufseher des „Baseler Ausschusses“. Weltweit weisen die Banken nach den Berechnungen noch immer eine Kapitallücke in Höhe von schätzungsweise 115 Milliarden Euro auf. Bis 2019 werden schrittweise härtere Vorgaben für die Kapitalausstattung und Verschuldungsgrenzen („Basel III“) eingeführt.

Viel Eigenkapital ist wichtig, um Verluste aus dem Geschäft abdämpfen zu können und Rettungen durch den Steuerzahler unwahrscheinlicher zu machen. Die unter anderem geprüfte Gruppe aus sieben deutschen Großbanken landete mit durchschnittlich 7,0 Prozent hartem Kernkapital eine Punktlandung auf der angestrebten Quote. Von Investoren wird aber deutliche mehr verlangt.

So kommt auch eine Vergleichsgruppe internationaler Großbanken auf 9,2 Prozent hartes Kernkapital, große europäische Banken auf 8,4 Prozent. Allerdings haben seit dem Stichtag (Ende 2012) bereits die Deutsche Bank und die Commerzbank frisches Geld eingeworben und ihre Quoten erhöht.

Kapitalquoten großer Banken (2. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Bank of America

9,6 Prozent

Citigroup

10 Prozent

Commerzbank

8,4 Prozent (nach 7,5 Prozent im ersten Quartal)

Deutsche Bank

10 Prozent (nach 8,6 Prozent im 1. Quartal 2013)

Goldman Sachs

keine Angabe nach dem 2. Quartal 2013

JP Morgan

9,3 Prozent

Morgan Stanley

9,9 Prozent

UBS

11,2 Prozent

Wells Fargo

8,5 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Für besonders große Häuser gibt es zudem noch strengere Kapitalvorgaben, sodass auch die von den deutschen Häusern erreichten sieben Prozent nicht reichen und eine Kapitallücke von 14 Milliarden Euro ausgewiesen wurde. Vor allem für die deutschen Institute gebe es „noch erheblichen Anpassungsbedarf zur Erfüllung der regulatorischen Mindestanforderungen“, urteilt die Bundesbank im Ergebnisbericht.

Bei der Verschuldungsquote (Leverage Ratio) fahren die deutschen Großbanken einen heißen Reifen mit einem Wert von 1,9 (international: 3,7, EU: 2,9). Je geringer der Wert, desto höher ist die Verschuldung im Verhältnis zum Kapital. Um gleichzeitig genug Kernkapital zu haben und die Verschuldungsquote zu erfüllen, waren Ende Dezember für die größten deutschen Geldhäuser 19 Milliarden Euro frisches Kapital nötig gewesen. Als Alternative besteht die Möglichkeit, die Bilanzsumme zu schrumpfen, was die Deutsche Bank als ein Mittel der Wahl angekündigt hat.

Die Aufseher verlangen künftig zudem eine stabilere Refinanzierung etwa über langlaufende Anleihen. Bei den großen deutsche Häusern erzielt keine Bank die dafür geforderte Quote und es müssen noch 122 Milliarden Euro an „stabilen Refinanzierungsmitteln“ aufgebaut werden, so die Bundesbank. Bei den mittelgroßen Häusern sind es fast 70 Milliarden Euro.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

25.09.2013, 13:11 Uhr

mich würde mal interessieren wo diese Intelligenzbolzen von internationalen Finanzaufsehern vor der Krise waren als die Banken mit 30 Prozent der heutigen Eigenkapitalanforderungen gearbeitet haben.

DarkCookie

25.09.2013, 13:57 Uhr

Betrachtet man die aktuellen Eigenkapitalquoten der beiden größten deutschen Institute, so zeigt sich schnell, dass das wesentliche Problem offensichtlich bei den nachfolgenden fünf großen Instituten besteht. Glaubt manden aktuellenZahlen von 8,4% Eigenkapital der Commerzbank und guten 10% Eigenkapital der Deutschen Bank, so muss es einige Häuser mit weit weniger als 7% Eigenkapital geben um eine durchschnittliche Quote von 7% zu erreichen.

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