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30.01.2008

10:51 Uhr

Subprime-Opfer

Vorzeigebank UBS verbucht Milliardenverlust

Die US-Immobilienkrise hat der weltgrößten Vermögensverwaltungsbank UBS erstmals in ihrer zehnjährigen Geschichte rote Zahlen beschert. Der Verlust für 2007 summiert sich auf rund 4,4 Milliarden Franken (2,7 Milliarden Euro), nachdem 2006 noch 11,3 Milliarden Franken Reingewinn erzielt wurden. Allein im vierten Quartal haben sich Verluste von 12,5 Milliarden Franken aufgetürmt, teilte UBS am Mittwoch mit. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg ist dies fast doppelt so viel wie erwartet wurde.

UBS: Der Fehlbetrag für das vierte Quartal überrascht Analysten.

UBS: Der Fehlbetrag für das vierte Quartal überrascht Analysten.

HB ZÜRICH. UBS musste wegen der Schieflage auf dem US-Häusermarkt im vergangenen Jahr insgesamt rund 18,4 Mrd. Dollar abschreiben, wie ein Sprecher erläuterte. Im Vergleich zu Mitte Dezember, als Bank zum letzten Mal Angaben zum Subprime-Debakel gemacht hatte, sind damit noch einmal vier Mrd. Dollar hinzugekommen. Der vollständige Jahresabschluss werde am 14. Februar veröffentlicht, hieß es.

Das Schweizer Vorzeigeinstitut ist eines der größten Opfer der Kreditkrise, die die Banken weltweit bisher rund 130 Mrd. Doller gekostet und einige der klangvollsten Namen an der Wall Street wie Citigroup oder Merrill Lynch dazu veranlasst hat, ihre Kapitalpolster hastig aufzubessern.

An der Börse rutschten die UBS-Aktien zur Eröffnung zunächst vier Prozent ab, konnten die Kursverluste aber schnell auf knapp ein Prozent eingrenzen. Die Aktie ist seit Mitte 2007, als sich die Subprime-Krise abzuzeichnen begann und UBS die Hedgefonds-Tochter Dillon Read geschlossen hatte, auf Talfahrt.

UBS hat auch nach den jüngsten Abschreibungen nach Schätzungen von Analysten noch Subprime-Verpflichtungen von rund 20 Mrd. Dollar in ihren Bücher, welches den Aktienkurs auch zukünftig belasten dürfte. Die Positionen sollen in eine Abwicklungsgesellschaft ausgelagert werden.

Als größter Vermögensverwalter der Welt muss die Bank darauf achten, dass der missglückte Ausflug ihrer Investmentbanker in das Geschäft mit amerikanischen Hypothekenverbriefungen nicht reiche Kunden abschreckt und die milliardenhohen Erträge sinken, die die Bank in der Vermögensverwaltung erzielt. Mitte 2007 summierten sich die verwalteten Vermögen auf rund 3300 Mrd. Franken.

Um einem drohenden Vertrauensverlust entgegenzuwirken, will UBS den Staatsfonds GIC aus Singapur und einen nicht genannten Investor aus dem Nahen Osten ins Boot holen, die zusammen 13 Mrd. Franken in die Bank stecken wollen. Dies muss am 27. Februar noch von den bisherigen Aktionären genehmigt werden. Ohne die Kapitalspritze würde die Kapitalquote auf 8,8 Prozent absinken, was Marktexperten in Anbetracht der Schweizer Verhältnisse als „alarmierend tief“ einstufen. Vereinzelt regt sich freilich Widerstand gegen das Vorhaben, da die Altaktionäre von der Kapitalerhöhung ausgeschlossen werden sollen.

Ebenfalls zu hören ist der Ruf nach einem Rücktritt von UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel. Allerdings sitzt im gegenwärtigen Verwaltungsrat kein ausgewiesener Bankfachmann, der an Ospels Stelle treten könnte. Zudem haben die Schweizer Bankenaufsicht wie auch Stimmen aus der Politik davor gewarnt, mitten im Sturm den Steuermann zu wechseln.

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