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25.08.2016

13:53 Uhr

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Deutsche Bank hat einen neuen Aufsichtsrat

VonMichael Maisch, Volker Votsmeier

Die Auswahl des neuen Kontrolleurs war nicht unumstritten. Aber jetzt hat das Frankfurter Registergericht Stefan Simon zum Aufsichtsrat der Deutschen Bank bestellt. Er vertritt mächtige Aktionäre.

Nach drei Monaten ist der Aufsichtsrat der Deutschen Bank wieder vollzählig. Reuters

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt

Nach drei Monaten ist der Aufsichtsrat der Deutschen Bank wieder vollzählig.

FrankfurtEs hat eine ganze Weile gedauert, aber nach drei Monaten ist der Aufsichtsrat der Deutschen Bank wieder vollzählig. Nach Informationen des Handelsblatts hat das Frankfurter Registergericht wie von der Bank beantragt den prominenten Juristen Stefan Simon zum neuen Aufsichtsrat des größten deutschen Geldhauses bestellt. Simon zieht auf Empfehlung mächtiger Großaktionäre in des Kontrollgremium ein: Zwei Mitglieder der Herrscherfamilie Al Thani aus dem Scheichtum Katar haben ihre Beteiligungen an der Bank bis zum Juli über die Investmentgesellschaften Paramount Services Holdings und Supreme Universal Holdings auf zusammen knapp unter zehn Prozent aufgestockt und sich für Simon als neuen Aufsichtsrat ausgesprochen.

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Der Platz im Aufsichtsrat wurde frei, nachdem die Bank nach einem hässlichen öffentlichen Streit ihren internen Chefaufklärer Georg Thoma aus dem Amt gedrängt hatte. Simons Aufgabe im Kontrollgremium fällt allerdings zunächst eine Nummer kleiner aus, denn anders als Thoma wird er nicht an der Spitze des Integritätsausschusses stehen.

Bei seinem bisherigen Arbeitgeber der Bonner Kanzlei Flick Gocke Schaumburg galt Simon seit vielen Jahren als Aushängeschild für die gesellschaftsrechtliche Beratung. Außerdem gilt er als anerkannter Experte für Corporate Governance (gute Unternehmensführung).

Der Vorstand der Deutschen Bank

Fakten zum Vorstand

Im Oktober 2015 hatte Vorstandschef John Cryan einen Großumbau des Vorstands angekündigt. Viele Änderungen traten zum 1. Januar 2016 in Kraft, im Laufe der Jahre 2016 und 2017 gab es einige Umbesetzungen. Zwei Frauen gehören zum Zirkel, vier Manager sind Deutsche.

John Cryan - Vorstandschef

Der Brite führt seit Juli 2015 die Deutsche Bank. An seiner Seite agierte bis Mai 2016 noch Jürgen Fitschen als Co-Vorstandschef.

Cryan war zuvor unter anderem Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS.

Marcus Schenck

Bis 2014 arbeitete Schenck für den Energiekonzern Eon und die Investmentbank Goldman Sachs, bevor er als Finanzvorstand zur Deutschen Bank wechselte. Er behielt beim großen Umbau im Herbst 2015 seinen Posten und wurde im März zum Stellvertreter Cryans gewählt. Er leitet nun das Unternehmens- und Investmentbanking.

Christian Sewing

Zweiter stellvertretender Vorstandsvorsitzender ist Christian Sewing. Er sitzt seit Jahresbeginn 2015 im Vorstand. Nachdem er sich zunächst um die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten der Bank kümmerte, übernahm er im Sommer 2015 die Leitung des Privatkundengeschäfts und damit auch die Verantwortung für die Postbank. Die Position Sewings wurde weiter gestärkt, weil sein Bereich auch die Betreuung von sehr reichen Kunden übernahm.

James von Moltke

James von Moltke, früher Treasury-Chef der US-Bank Citigroup, ist neuer Chief Financial Officer.

Kim Hammonds

Die langjährige Boeing-Managerin bringt als Technologiechefin die Informationssysteme der Bank auf Vordermann. Sie hatte zunächst als Generalbevollmächtigte begonnen und rückte im August 2016 in den Vorstand.

Stuart Lewis

Der Brite war bereits vor dem großen Umbau im Jahr 2015 Risikovorstand – und ist es geblieben.

Sylvie Matherat

Die Französin war seit gut einem Jahr bei der Bank, bevor sie im Oktober 2015 in den Vorstand einzog. Sie kümmert sich um die Bereiche Regulierung, gute Unternehmensführung und Kampf gegen Finanzkriminalität.

Nicolas Moreau

Der Franzose blickt auf eine mehr als 25-jährige Karriere beim französischen Versicherungskonzern Axa zurück, wo er zuletzt das Frankreich-Geschäft leitete. Zum 1. Oktober 2016: Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bank mit der Zuständigkeit für die Vermögensverwaltung (Deutsche Asset Management). Sein Sitz: London.

Garth Ritchie

Der britische Manager leitete vor seiner Bestellung in den Vorstand 2016 das Aktiengeschäft in London. Gemeinsam mit Marcus Schenck verantwortet er den Unternehmensbereich Unternehmens- und Investmentbank.

Karl von Rohr

Der Deutsche übernahm ab Oktober 2015 die Verantwortung für die Rechtsstreitigkeiten und das Personal. Vorher war er für das Management der globalen Regionen der Bank zuständig.

Werner Steinmüller

Der Banker arbeitet seit 1991 für das Institut und führte seit 2004 die Transaktionsbank, die etwa Zahlungsdienstleistungen und Handelsfinanzierungen anbietet.

1. August 2016: Aufstieg zum Vorstand für das Asien-Geschäft mit Sitz in Hongkong.

Dennoch war die Wahl des Juristen nicht unumstritten. Unglücklich wirkte vor allem das Engagement von Simon beim inzwischen insolventen Energieunternehmen Windreich. Im März 2013 durchsuchten Ermittler die Windreich-Zentrale, weil sie den Verdacht hegten, dass Firmengründer Willi Balz Bilanzen manipuliert und die Insolvenz verschleppt haben soll. Simon beriet Balz und spielte mit dem Gedanken, selbst Vorstandschef zu werden. "Es gibt nur einen, der Windreich vor dem Zusammenbruch zu retten vermag", schrieb der Anwalt damals an Balz.

Balz fühlte sich hintergangen - und stellte Strafanzeige. Simon wies die Vorwürfe als haltlos zurück. "Die Initiative, dass ich nach erfolgreicher Sanierung eine Managementposition übernehmen könnte, kam von Willi Balz selbst. Eine Entscheidung hatte ich längst noch nicht getroffen", sagte Simon damals dem Handelsblatt. Die Staatsanwälte schlugen sich auf seine Seite und stellten die Vorermittlungen im März ein.

Kritische Aktionäre der Deutschen Bank hatten die Affäre allerdings zum Anlass genommen, um die Bestellung des neuen Aufsichtsrats zu verhindern. Ein Vorstoß der jetzt gescheitert ist.

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