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17.07.2013

14:12 Uhr

S&P-Analyst

Staat hat keine Eile mit Commerzbank-Anteilen

Die Ratingagentur Standard & Poor's sieht die Regierung nicht unter Druck, was ihre Commerzbank-Anteile angeht. Analysten glauben, die Papiere werden nach und nach an der Börse platziert – mit gewaltigen Verlusten.

Droht das Ende der Commerzbank?

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FrankfurtDie Bundesregierung hat nach Ansicht der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) beim Verkauf ihres Commerzbank -Anteils keine Eile. „Ich sehe die Regierung nicht unter Druck, etwas zu tun“, sagte S&P-Ratinganalyst Stefan Best. „Allerdings ist es verständlich, dass sie sich Gedanken über die Zukunft der Commerzbank macht, weil sie eine hoch systemrelevante Bank ist, die durch einen schwierigen Restrukturierungsprozess geht.“ Die Debatte um die Zukunft der Commerzbank war hochgekocht, nachdem das Magazin „Focus“ berichtet hatte, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble habe mit dem Verwaltungsratschef der Schweizer UBS, Axel Weber, in einem Gespräch Lösungen für die Commerzbank ausgelotet.

Die Handlungsmöglichkeiten des Staates, der über den Bankenrettungsfonds SoFFin noch 17 Prozent an der Commerzbank hält, seien aber begrenzt, räumte Best ein. „Eine Möglichkeit ist es, nichts zu tun - aber das ist auch schwierig, weil die jahrelange Restrukturierung die Belegschaft und das Management belastet und es schwermacht, den gesunden Teil des Geschäfts voranzubringen“, sagte der Ratinganalyst. Der Verkauf an eine andere Bank sei "nicht unmöglich, aber das hängt von den Bedingungen ab, also vom Preis und davon, was mit den nicht zum Kerngeschäft gehörenden Teilen passieren soll, die Kapital und Refinanzierung brauchen".

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Andere Experten hatten gesagt, dass der deutsche Staat in diesem Fall zumindest langfristige Garantien für die Schiffs- und Immobilienfinanzierung übernehmen müsste. Die Aufspaltung der Commerzbank in einen „guten“ Teil und eine „Bad Bank“ hält Best aber derzeit kaum für machbar, wenn der Staat dabei die Verluste zum Teil auf die Gläubiger abwälzen würde. „Sonst wäre das negativ für das Kreditrating, weil es die Wahrscheinlichkeit steigen ließe, dass vor- und nachrangige Gläubiger herangezogen werden - was auch Ansteckungsrisiken für andere Banken bergen würde“, warnte der Analyst.

Vorbei sei wohl auch die Chance, die Commerzbank mit einer Landesbank zusammenzubringen. „Das ist ein unwahrscheinliches Szenario, wenn man bedenkt, dass die Politik die öffentlichen Banken auch ohne die Commerzbank hätten konsolidieren können. Das wäre nur sinnvoll, wenn dann die Commerzbank und die anderen Landesbanken zu Zentralinstituten für die deutschen Sparkassen würden“, sagte Best. Und das sei kaum denkbar.

Die meisten Banker halten es für am wahrscheinlichsten, dass der Bund seine Commerzbank-Anteile nach und nach über die Börse platziert. Derzeit würde er damit freilich fast vier Milliarden Euro Verlust machen. Das Paket, für das er rechnerisch gut fünf Milliarden ausgegeben hat, ist an der Börse nur 1,2 Milliarden Euro wert.

Von

rtr

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