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06.02.2004

08:31 Uhr

"System hat sich bewährt"

US-Konzern Gen Re setzt auf strenge Risikokontrolle

VonFrank Wiebe

Die Rückversicherer steuern ihr Geschäft mit unterschiedlichen Systemen. Die Schaden-Kosten-Quote ist als Kennziffer fragwürdig.

DÜSSELDORF. Das Zauberwort der Rückversicherer heißt „underwriting“, seit die Branche durch Terror und Börsenbaisse Tiefschläge einstecken musste. Die Underwriter entscheiden, welche Risiken der Versicherer zeichnet. Wie aber kontrollieren die Gesellschaften ihre Underwriter?

Der US-Konzern Gen Re, zu dem die Kölnische Rück gehört, hat vor zwei Jahren weltweit ein neues System eingeführt. Seitdem ist die erfolgsabhängige Vergütung in hohem Maße an die Combined Ratio (Schaden-Kosten-Quote) gekoppelt. Arno Junke, Vorstand bei der Kölnischen Rück: „Das System hat sich bewährt, es führt zu einer deutlich verbesserten Zeichnungsdisziplin.“ Die Herausforderung bestehe darin, sich mehr auf die Ertragschancen als auf das Zeichnen von Volumen zu konzentrieren.

Das System ist rigide. Konkurrenten äußern sogar unverblümt die Ansicht, das amerikanische System bremse die Kölnische Rück übermäßig. Kein Geheimnis ist zudem, dassHannover Rück und Converium stärker vom Zusammenbruch der Gerling Rück profitiert haben als die Kölnische – obwohl die über ausgezeichnete Ratings verfügt. Auf der anderen Seite gilt: Umsatz zu machen ist für einen Rückversicherer keine Kunst – die wichtigere Frage ist, ob das Risiko stimmt.

Die Combined Ratio, die an den Kapitalmärkten stark beachtet wird, berechnet sich aus Schäden plus Kosten in Prozent des Prämienvolumens. Liegt sie oberhalb von 100 %, so verliert der Versicherer Geld in seinem Kerngeschäft und muss dieses Loch aus den Kapitalerträgen stopfen – was in den letzten Jahren schwierig war. Allerdings hat die griffige Kennzahl auch ihre Tücken. Denn langfristiges Geschäft – etwa Haftpflicht – „verträgt“ viele höhere Combined Ratios als kurzfristiges wie die Feuerversicherung. Der Grund: Je länger die durchschnittliche Frist zwischen Prämienzahlung und Schaden, desto länger liegt das Geld im Haus und produziert entsprechend Kapitalerträge. Wer nur auf die Combined Ratio starrt, liegt daher „grottenfalsch“, wie Ludger Arnoldussen aus dem Vorstand der Swiss Re Deutschland sagt. Auch Nikolaus von Bomhard, der neue Chef der Münchener Rück, hat die Aussagekraft dieser Kennzahl in Frage gestellt.

Gen Re löst das Problem, indem für die einzelnen Marktsegmente unterschiedliche Zielwerte angesetzt werden. Andere Gesellschaften bauen den Kapitaleffekt gleich in die Steuerung ein. Die Schweizer Rück zum Beispiel geht von einem fiktiven Zinssatz aus und berechnet auf dieser Grundlage, wie rentabel das Geschäft des jeweiligen Geschäftsbereich ist – und das hat auch Auswirkung auf die Bezahlung der Mitarbeiter. Die Münchener Rück arbeitet ebenfalls mit einem System von internen Renditen.

Bei manchen Gesellschaften werden die Underwriter gar nicht mit direkten finanziellen Anreizen gesteuert. Bei der Hannover Rück etwa werden Festgehälter bezahlt; allerdings bekommen die Underwriter Zielvorgaben. Bei Converium werden sie aus einem großen Bonustopf bedient, der aber für alle da ist. Insgesamt gilt für die Branche daher die Aussage des Personalberaters Thomas Haibach, Geschäftsführer von Haibach & Cie. aus Wiesbaden: „Bei den Rückversicherern sind die Vergütungssysteme recht konservativ und relativ starr.“

Die Vergütungssysteme passen mit dem zusammen, was am Markt über die jeweiligen Rückversicherer bekannt ist: Gen Re etwa gilt als sehr zurückhaltend. Hannover Rück ändert dagegen „opportunistisch“ die Strategie mit dem Markttrend.

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