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12.03.2017

13:52 Uhr

Tarifvertrag ING Diba

Verdi sieht Maßstäbe für die Finanzbranche

Die ING-Diba ist gerne ein bisschen anders als andere Banken. Das versucht die Tochter der niederländischen ING auch bei den Tarifverträgen für ihre Mitarbeiter. Mit Erfolg, findet die Gewerkschaft Verdi – auch wenn nicht alle Wünsche erfüllt werden.

„Zukunftstarifvertrag“ erweitert. dpa

ING Diba in Frankfurt

„Zukunftstarifvertrag“ erweitert.

Frankfurt/MainMit neuen tariflichen Sonderleistungen für ihre gut 4.000 Mitarbeiter setzt die Direktbank ING-Diba nach Ansicht der Gewerkschaft Verdi Maßstäbe für die Finanzbranche in Deutschland. Der zum 1. Januar 2013 erstmals vereinbarte „Zukunftstarifvertrag“ wurde nun erweitert. Festgeschrieben ist nach Angaben der Tarifpartner seit diesem Jahr unter anderem der Anspruch auf eine berufliche Auszeit („Flexi-Time“/„Sabbatical“) für bis zu drei Monate - nach Verdi-Angaben gibt es das so in Tarifverträgen bislang nicht.

„Das Bedürfnis nach flexiblen Arbeitszeitmodellen nimmt zu, darauf müssen wir als Tarifpartner reagieren“, sagte Birgit Braitsch, Fachbereichsleiterin Finanzdienstleistungen bei Verdi in Hessen, der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt. „Wir brauchen Angebote für die Mitarbeiter - unabhängig davon, in welcher Lebensphase sich der Beschäftigte gerade befindet.“

Zwar müssen die Mitarbeiter ihre Auszeit selbst finanzieren, indem sie zuvor ihr Gehalt reduzieren. Erfordern jedoch besondere Anlässe eine Auszeit - Pflege Angehöriger, soziale Projekte, Weiterbildung - gibt es für den Zeitraum vom Arbeitgeber 20 Prozent Gehaltszuschuss.

Monatliche Zuschüsse zahlt die ING-Diba auch für die Betreuung von bis zu sechsjährigen Kleinkindern (100 Euro) und die Pflege Angehöriger (150 Euro). Finanziell unterstützt wird, wer sich neben dem Job weiterbildet. „Wir werden die Liste der geförderten Weiterbildungsangebote signifikant erweitern - es sollte allerdings einen Bankbezug haben“, erklärte der stellvertretende Personalchef der ING-Diba, Matthias Robke.

Zudem steht jedem Mitarbeiter ein jährliches „Gesundheitsbudget“ von 300 Euro zur Verfügung. Damit können etwa Mitgliedsbeiträge für den Sportverein oder das Fitnessstudio anteilig bezahlt werden. „Wir planen langfristig mit unseren Mitarbeitern, uns ist wichtig, dass sie auch langfristig gesund und leistungsfähig sind“, begründete Robke. „Wir kalkulieren mit Kosten von zwei Millionen bis drei Millionen Euro für die zusätzlichen Leistungen. Das sind etwa ein bis zwei Prozent der gesamten Personalkosten der Bank“, rechnete er vor.

„Das ist nicht nur Marketing, das ist wirkliches Interesse an den Mitarbeitern“, lobte Braitsch. „Die Vereinbarungen bei der ING-Diba können in manchen Bereichen Signalwirkung für die Branche haben.“

Etwas Wasser gießt die Verdi-Vertreterin aber doch in den Wein: „Mit dem Zukunftstarifvertrag wird natürlich nicht aufgefangen, dass die Miete und die Lebenshaltungskosten insgesamt steigen. Das ist kein Ersatz für Gehaltserhöhungen“, betonte Braitsch. „Beim Tarifgehalt ist in der gesamten Branche noch Luft nach oben.“

Von

dpa

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