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22.08.2013

19:18 Uhr

Teilverkauf

Mehrere Interessenten für Commerzbank-Paket

Der Bund will den auf 17 Prozent geschrumpften Anteil an der Commerzbank an einen strategischen Investor verkaufen. Das Interesse sei „erstaunlich groß“, berichtet das „Manager Magazin“. Auch Namen werden genannt.

Eine europäische Bank sei der Regierung als Käufer für die Commerzbank-Anteile willkommen, berichtet das Magazin. Reuters

Eine europäische Bank sei der Regierung als Käufer für die Commerzbank-Anteile willkommen, berichtet das Magazin.

FrankfurtDie Bundesregierung will ihre 17-Prozent-Beteiligung an der Commerzbank einem Magazinbericht zufolge nicht über die Börse, sondern an einen strategischen Investor verkaufen. Die Aktien schrittweise auf den Markt zu werfen, halte die Regierung für keine Option, berichtete das „Manager Magazin“ am Donnerstag in der September-Ausgabe. Mitarbeiter von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hätten in den vergangenen Wochen mit mehreren potenziellen Erwerbern gesprochen. Eine europäische Bank sei der Regierung als Käufer willkommen, so lange die Kreditversorgung des Mittelstands sichergestellt sei.

Das Interesse aus diesem Kreis sei „erstaunlich groß“, heißt es in dem Bericht. Genannt werden erneut die vom Deutschen Axel Weber geführte Schweizer UBS, die französische BNP Paribas und die spanische Santander. Die gleichen Namen werden seit Wochen in Medienberichten gehandelt. Trotzdem schnellte die Commerzbank-Aktie am Donnerstag um 5,6 Prozent auf 8,59 Euro nach oben.

Kapitalquoten großer Banken (2. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Bank of America

9,6 Prozent

Citigroup

10 Prozent

Commerzbank

8,4 Prozent (nach 7,5 Prozent im ersten Quartal)

Deutsche Bank

10 Prozent (nach 8,6 Prozent im 1. Quartal 2013)

Goldman Sachs

keine Angabe nach dem 2. Quartal 2013

JP Morgan

9,3 Prozent

Morgan Stanley

9,9 Prozent

UBS

11,2 Prozent

Wells Fargo

8,5 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Eine Sprecherin des Ministeriums bekräftigte: „Das Thema steht aktuell nicht auf der Tagesordnung. Wann und an wen der verbliebene Aktienanteil des (staatlichen Bankenrettungsfonds) SoFFin an der Commerzbank veräußert wird, ist derzeit nicht absehbar“. Als die Spekulationen im Juli aufgetaucht waren, hatte ein Ministeriumssprecher gesagt: „'Nicht absehbar' können sie durchaus so verstehen, dass wir zurzeit nicht mit Investoren reden.“ Ein Brancheninsider, der nicht genannt werden wollte, sagte Reuters: „Der Zweck solcher Berichte ist möglicherweise, dass die Politik im Wahlkampf Handlungsfähigkeit demonstrieren will.“

In dem Magazinbericht heißt es, der Bund prüfe zwei Optionen, um die von Altlasten geplagte Bank reif für einen Verkauf zu machen. Entweder übernähme der Staat im Zuge einer „Stabilisierungsmaßnahme“ einen Teil der Altlasten, etwa in der Schiffsfinanzierung. Dadurch ließe sich der Wert des restlichen Kerngeschäfts mehr als verdoppeln. Zurzeit ist die Commerzbank an der Börse knapp zehn Milliarden Euro wert – eingestiegen war der Bund zu mehr als dem doppelten Preis. Allerdings droht bei der Einrichtung einer staatlichen „Bad Bank“ ein erneutes EU-Beihilfeverfahren. Die Alternative wäre dem Bericht zufolge eine Abwicklung der Altlasten in Eigenregie, die die Commerzbank nach und nach so stark schrumpfen ließe, dass sie für einen Käufer attraktiv würde.

Diese Strategie verfolgt erklärtermaßen Vorstandschef Martin Blessing. Das kann allerdings dauern. Bis zum Jahr 2016 soll das Portfolio an strategisch nicht mehr erwünschten Immobilien-, Schiffs- und Staatskrediten auf weniger als 90 Milliarden Euro schrumpfen. Ende Juni waren es 136 Milliarden. Nicht alles davon ist allerdings per se ausfallgefährdet. So hat die Commerzbank auch deutsche Staatsanleihen und solide Immobilienfinanzierungen in Deutschland im Portfolio.

Von

rtr

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

22.08.2013, 19:30 Uhr

Wieso ist bei der Commerzbank eigentlich noch der skandalöse Klaus-Peter Müller Aufsichtsratschef? Weil er über exzellente Kontakte zu Bundeskanzlerin verfügt?

Als Vorstandssprecher hat er die größten Managementfehler der Commerzbank eingeleitet und zu verantworten!

Außerdem hat er jahrelang seine Klappe aufgerissen, um gegen die Gewährträgerhaftung z.G. der Sparkassen zu protestieren; am Ende musste keine Sparkasse, aber die Commerzbank von Großkotz Müller vom "Gewährträger" gerettet werden.

Nicht einmal Zinsen hat die Commerzbank dem Staat bislang für die Rettungsmilliarden bezahlt!

Gehen Sie also besser heute als morgen in Rente, Herr Müller!

Oldtimer

22.08.2013, 19:42 Uhr

Teuer wird unser demografisches Problem auch auf der wirtschaftlichen Entscheiderebene: Zu viele zu alte Leute, die nicht möchten, dass ein Grundpfeiler der deutschen Bankenwelt, den sie als solchen aus ihrer Jugend kennen, sich nun öffentlich Blöße geben muss. Darum: Alles muss versteckt sein. Mit gut kaschiertem Schiffsbeteiligungsversenken in einer Bad Bank z. B.

Angelika

22.08.2013, 20:14 Uhr

Herr Blessing hat in München die Advance Bank und dann die Dresdner Bank an den Abgrund geführt.

Mehr Managementschwäche kann man nicht zeigen. - Doch - die Regierung übernimmt Anteile der Commerzbank. Ich bin fassungslos - immer noch!

Der Gipfel ist, dass sich die überheblichen Bankster mit ihren minimalem Eigenkapital von 4 % weiter in risikoreiche Spekulationen flüchten und gleichzeitig in Darlehensverträge die Kündigungsklausel für Kreditnehmer geändert haben und jederzeit die Kredite kündigen können. Dann sind wir wieder bei Lone Star Heuschrecken und die Häuslebauer sind ihr komplettes Haus los. Zustände wie in USA? - Nein. Schlimmer. In den USA wurden über 280 Banken abgewickelt.

In der EU soll der Steuerzahler mit seinem Vermögen haften.

Von den eingezahlten Renten werden nun nur noch 43 % d.h. 680,00 € an Rentner im Schnitt ausbezahlt. Die Selbstbedienungsmentalität muss aufhören.

Deswegen Alternative für Deutschland. Ich bin dabei und mein Mann auch.

Habe 2.400 Prospekte gekauft und 2 Plakate gespendet in Rothenburg ob der Tauber und werde morgen und am Samstag Plakate kleben gehen. Das ich soetwas mache, hätte ich mir nie träumen lassen. Doch jetzt ist die Chance da, etwas zu tun. Ich bin jetzt 56 und mein Mann 60. Wir sind selbständig und haben ein kleines Hotel und wollen nicht weiter zusehen.

(...)

Wer helfen will, dass sich die Zustände in D + EU ändern ist aufgerufen mitzumachen. [...] Jeder kann einen Beitrag leisten und wenn es darum geht Plakate aufzuhängen, als Unterstützer zu wirken, auf Demos zu gehen oder Prospekte zu verteilen.

Bitte helfen Sie ALLE MIT
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