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03.08.2012

13:31 Uhr

Test für Bankenreform

Paradebeispiel: Island

Noch vor vier Jahren lag das Bankensystem der Insel am Boden. Doch mit Reformen im Bankensektor leitete die Regierung die Genesung ein. Die isländische Politik gilt jetzt als Vorreiter für ganz Europa.

Vorneweg: Island. Der europäische Inselstaat gilt mit seinen Bankreformen als Vorzeigeland in der Euro-Krise. Reuters

Vorneweg: Island. Der europäische Inselstaat gilt mit seinen Bankreformen als Vorzeigeland in der Euro-Krise.

Reykjavik Das Bankensystem in Island lag vor etwa vier Jahren vollständig am Boden. Das Land am äußersten Nordwestrand Europas hat aber offenbar aus der Krise die richtigen Konsequenzen gezogen, seinen Bankensektor entschlossen reformiert und befindet sich derzeit auf einem Weg der Erholung. Die eingeleiteten Reformen, einschließlich der Trennung in Geschäfts- und Investmentbanken, sollen eine neue Krise gleichen Ausmaßes verhindern und werden von der isländischen Politik als gutes Beispiel für ganz Europa empfohlen.

“Wir haben uns die Finger verbrannt und nun wollen wir sehr genau sein und eine Wiederholung verhindern”, sagt Wirtschaftsminister Steingrimur J. Sigfusson in einem Gespräch mit Bloomberg News zu den Maßnahmen für eine Bankenreform. “Die Isländer”, sagt er überdies, “sind eher an entschiedenen Schritten als an kleineren Schritten interessiert, wenn es um die Regulierung von Banken geht”.

Sigfusson stammt aus der kleineren der beiden Regierungsparteien der Koalition von Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir. Diese Partei hatte unlängst einen Gesetzentwurf eingebracht, nach denen staatlich garantierte Einlagen nicht für Risikoinvestments verwendet werden dürfen. Island ebnet mit solchen Maßnahmen den Weg zur ersten vollständigen Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken in einem westlichen Land seit dem Ende der globalen Finanzkrise vor fünf Jahren.

Aber die Idee macht Schule. Selbst Sanford “Sandy” Weill, der mit der Gründung des Bankenkonzerns Citigroup Inc. im Jahre 1998 mit dem Gramm-Leach-Bliley Act die Grundlage für Riesenkonzerne im Finanzsektor schaffte, befürwortet nach eigenen Angaben mittlerweile eine Trennung der Investmentbanken von jenen, die das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft betreiben. Unter den Gegnern des Konzepts finden sich prominente Branchenvertreter wie Jamie Dimon von JPMorgan Chase & Co. Hier wird vor allem argumentiert, dass die Risiken bei Banken mit beiden Aufgaben besser gestreut würden, was die Wettbewerbsfähigkeit sicherstelle.

Kommentare (6)

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03.08.2012, 14:32 Uhr

HB, volle Zustimmung zum Trennbankensystem. Ausserdem benötigen wir geänderte Bilanzierungsvorschriften. Zurück zum Gläubigerschutz, idealerweise ein abgewandeltes Niederstwertprinzip. Die Zerschlagung der Deutschen Bank und der Commerzbank sind schon aus Produktivitätsgründen längst überfällig. Beim Pricing sind sie immer der Konkurrenz unterlegen. Die Probleme bei einer Trennung sind dummdreiste Ausreden.

Das eigentliche Problem sind die feigen Politiker, die die Umsetzung blockieren und die naiven Kunden, die sich die Produkte aufschwatzen lassen.

der-oekonomiker

03.08.2012, 15:24 Uhr

Island als Vorbild für eine Bankenreform? Das ist doch wohl ein schlechter Witz! Ein winziger Staat, der zuläßt, dass zwei Banken unbeaufsichtigt mit Milliarden Kundengeldern zocken, für den eine Einlagensicherung ein Fremdwort ist, der britische und niederländische Sparer im Regen stehen läßt, der sich vom IWF Geld gegen die Auflage besorgt, diesen Sparer die Verluste wenigstens teilweise zu ersetzen und sich dann über diese Vereinbarung per Volksentscheid hinwegsetzt, soll Vorbild sein. Deutsche Sparer hat es nur deshalb nicht erwischt, weil die Bundsbank (wenigstens 1 gute Tat in den letzten Jahren) Millionen eingefroren und nicht rausgerückt hat, obwohl die Isländer die gerne auch noch abgeholt hätten. Die Isländer sind moderne Seeräuber, sonst nichts. Klar, ein Trennbankensystem und noch einige andere wichtige Features. Aber nur über den Weg der Verstaatlichung und rigoroser Entrümpelung der Bankbilanzen. Dann bleibt aber von Deutsche Bank und Commerzbank nur noch ein Eintrag in die Geschichtsbücher. Warum, steht hier:
http://der-oekonomiker.blogspot.com/2012/07/stanpunkt-291-derivate-desaster.html

Anja

04.08.2012, 11:07 Uhr

Die Isländer haben mit verbrecherischen Methoden ihr Banksystem auf Kosten ihrer Kunden saniert. Wer hier von Vorbild spricht, sollte überprüfen ob er noch alle Tassen im Schrank hat. Auch verbrecherische Banker mit Einwilligung ihrer Politiker sollten in Europa nicht als Vorbild dargestellt werden. Wo würde die Welt hinkommen, wenn gerade die Isländer unsere Vorbilder würden. Vorbilder können US-Amerikaner (z.B. Citi-Bank) sein aber niemals Verbrecher, die Kundengelder verzokken.

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