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12.10.2011

13:40 Uhr

Thomas von Oehsen

„Das wäre eine Missachtung des Systems"

VonRolf Benders

Der Wechsel eines Vorstandschefs auf den Posten des Aufsichtsratschefs wäre für die Aktionärsberatung ISS die Überschreitung einer roten Linie. Experte Thomas von Oehsen erklärt, warum.

Thomas von Oehsen, Head of Research Deutschland bei der Aktionärsberatung ISS. Pressefoto

Thomas von Oehsen, Head of Research Deutschland bei der Aktionärsberatung ISS.

Handelsblatt: Herr von Oehsen, wie beurteilt ISS den Wechsel eines Vorstandschefs in den Aufsichtsrat?

Thomas von Oehsen: Wir haben keine Einwände, wenn er einfaches Mitglied in dem Gremium wird. Aber wenn er Aufsichtsratschef werden soll, ist das etwas anderes. Das überschreitet definitiv eine rote Linie – für viele Investoren und auch für uns.

Warum?

Das wäre eine Missachtung des dualen deutschen Systems der Unternehmensführung mit einem unabhängigen Aufsichtsrat. Wir würden natürlich mit dem Unternehmen im Vorfeld sprechen, denn im Einzelfall kann es Ausnahmen geben. Aber diese sind noch nie zur Anwendung gekommen, seit wir die Richtlinie haben.

Gesetzeslage

Vier Wege führen in den Aufsichtsrat

Kritiker werfen Josef Ackermann und der Deutschen Bank, dass sein direkter Wechsel in den Aufsichtsrat keine gute Corporate Governance ist. Doch wie ist die Gesetzeslage im Detail? Ackermann stehen vier Wege offen.

Welche Ausnahmen können dies sein?

Wir sehen die Dinge weniger strikt, wenn ein CEO aus besonderen Gründen für eine begrenzte Zeit Aufsichtsratchef werden soll, beispielsweise für ein Jahr. Oder wenn dieser Manager zwischendurch fünf Jahre lang nicht in dem Unternehmen als CEO tätig war.

Firmen argumentieren gerne, ein solcher Wechsel würde den Aufsichtsrat mit dem nötigen Know-how versorgen.

Einen solchen Transfer von Erfahrung hat man auch, wenn ein CEO einfaches Mitglied im Aufsichtsrat wird. Er kann zudem besondere Aufgaben in den Ausschüssen des Gremiums übernehmen und so eine etwas herausgehobenere Stellung bekommen.

Was ist Ihre Aufgabe in einem Abstimmungsprozess vor einer Hauptversammlung?

Wir geben unseren Kunden, das sind meist institutionelle Investoren, eine Abstimmungsempfehlung.

Halten sich die Fondsgesellschaften daran?

Sie müssen natürlich nicht, aber oft tun sie es. Zudem haben sie selbst gerade für solche Personalentscheidungen eigene Regeln. Die sind aber oft mindestens genauso strikt wie unsere.

Wie sehen Sie die Pläne der Deutschen Bank, Josef Ackermann zum Aufsichtsratschef zu machen?

Die Hauptversammlung ist im nächsten Jahr, und in den Wochen davor werden wir unsere Empfehlung veröffentlichen.

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