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10.03.2011

20:26 Uhr

Tochter fehlt Kapital

Bank von Spanien ermahnt Deutsche Bank

Die spanische Zentralbank hat die örtliche Tochter der Deutschen Bank angemahnt. Grund: Zu geringes Eigenkapital. Es ist nicht die erste Bank, die wegen einer zu geringen Quote kritisiert wird.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann Quelle: dpa

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann

Madrid/FrankfurtDie Deutsche Bank hat sich eine Ermahnung der spanischen Zentralbank wegen mangelhafter Kapitalausstattung eingefangen. Nach Auffassung der Bank von Spanien erfüllt die dortige Tochter des größten deutschen Geldhauses nicht die Kapitalanforderungen. Dem stark im Privatkundengeschäft aktiven Ableger fehlten rund 182 Millionen Euro, heißt es in einem am Donnerstag vorgelegten Bericht der Notenbank zum heimischen Bankensystem.

Die Deutsche Bank kündigte an, die harte Kernkapitalquote der Tochter bis Ende September wie gefordert auf mehr als acht Prozent zu erhöhen. Für das Institut ist das Ergebnis zwar durchaus peinlich, es bleibt aber ohne materielle Auswirkungen: Die Lücke könne durch eine Umschichtung von Kapital gefüllt werden, hieß es in Finanzkreisen.

Auch die britische Großbank Barclays erfüllt nach Ansicht der spanischen Zentralbank die Kapitalanforderungen in dem Land nicht. Der Tochter fehlen demnach sogar 552 Millionen Euro. Auch Barclays sagte zu, die Lücke wie verlangt zu füllen.

Kapitallücke der eigenen Banken geringer

Die Kapitallücke seines Bankensystems schätzt die Notenbank für deutlich geringer als viele Experten. Ingesamt 15 Milliarden Euro fehlten den Geldhäusern, um die neuen Kapitalanforderungen zu erfüllen, teilte die Zentralbank des schuldengeplagten Landes am
Donnerstagabend mit. Bislang hatte die Regierung in Madrid den Bedarf auf maximal 20 Milliarden Euro beziffert. Die Schätzungen von Ratingagenturen liegen viel höher.

Die Probleme des spanischen Bankensystems gehen auf eine Kreditschwemme für Baugesellschaften im Zuge eines Immobilienbooms zurück. Als die Blase platzte, gerieten auch die Geldhäuser in Schwierigkeiten. Über die schlummernden Belastungen und Risiken herrscht Uneinigkeit. „Die weitere Debatte, die noch nicht geführt wird, ist die Bewertung des Immobilienengagements der Banken“, sagte Volkswirt Jacques Cailloux von Royal Bank of Scotland. „Und bis es dazu kommt, werden die Märkte nervös bleiben, was die Aussichten für Spaniens Banken angeht.“

Spanische Sparkassen sind Achillesferse

Nach Angaben der Bank von Spanien haben insgesamt zwölf Finanzinstitute Kapitalbedarf. Dazu zählen - neben den Töchtern von Deutscher Bank und Barclays - vor allem acht heimische Sparkassen (Cajas). Der größten, Bankia, fehlen demnach 5,8 Milliarden Euro. Dieser Betrag reduziert sich auf 1,8 Milliarden Euro, wenn Bankia wie geplant an die Börse geht, wie die Bank von Spanien erläuterte. Der Sparkassen-Sektor gilt als Achillesferse der spanischen Finanzindustrie.

In dem Land gibt ein neues Gesetz die Kapitalanforderungen für Geldhäuser vor. Demnach müssen börsennotierte Banken eine harte Kernkapitalquote von mindestens acht Prozent erreichen. Für Institute, die nicht zu wenigstens 20 Prozent gelistet sind, gilt eine Mindestquote von zehn Prozent.

Zuvor hatte die Ratingagentur Moody's die Bonitätsnote für Spanien gesenkt. Die Experten befürchten, dass die Sanierung der Banken deutlich teurer wird als von der Regierung in Madrid veranschlagt. Moody's gab die voraussichtlichen Gesamtkosten mit 40 bis 50 Milliarden Euro an. Im Extremfall könnten es sogar 110 bis 120 Milliarden Euro werden, prognostizierte die Agentur. Die Kollegen von Fitch beziffern die Lücke mit 38 Milliarden Euro und für den Extremfall mit 96,7 Milliarden Euro.

Von

rtr

Kommentare (2)

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cbkrieger

11.03.2011, 13:02 Uhr

Was ist bloß los bei der DB ? Täglich neue negative Schlagzeilen. Kein Wunder, wenn die Kurse der DB ständig nach unten ausschlagen. Hat Herr Ackermann seine Bank nicht mehr im Griff ? Was ist da noch alles im Dunkeln ?

MW65830

11.03.2011, 15:45 Uhr

Die Frage ist doch: Was ist eine Schlagzeile wert?
Die Nachricht über die Probleme and der koreanischen Börse sicherlich eher als dass in einem globalen Konzern Kapital bilanziell anders allokiert ist als es sich ein lokaler Regulator wünscht.
Alles was die DB machen muss, ist einen (vergleichsweise kleinen) Teil Ihres Eigenkapitals in die spanische Tochter verschieben. Das ist sicherlich mit etwas buchhalterischem Aufwand verbunden. Aber eben nicht wirklich etwas, was die Welt bewegen muss.
Es wäre etwas anderes, wenn die DB das notwendige Kapital nicht aufbringen könnte.

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