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16.07.2014

09:29 Uhr

Tokio

Ex-Mitarbeiter der Deutschen Bank wegen Bestechung verurteilt

Ein Gericht in Tokio hat einen Ex-Mitarbeiter der Deutschen Bank wegen Bestechung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Eine firmenweite Systematik könne dem Unternehmen nicht nachgewiesen werden, sagte der Richter.

Logo der Deutschen Bank AG in Tokio: In Japan wurde ein ehemaliger Mitarbeiter wegen Bestechung verurteilt. Reuters

Logo der Deutschen Bank AG in Tokio: In Japan wurde ein ehemaliger Mitarbeiter wegen Bestechung verurteilt.

TokioEin ehemaliger Mitarbeiter der Deutschen Bank ist in Japan wegen Bestechung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Bezirksgericht in Tokio sah es als erwiesen an, dass der 37-Jährige einen Pensionsfonds-Mitarbeiter zum Essen und zum Golfspielen eingeladen habe, um Geschäfte zu machen.

Zugleich sagte der Vorsitzende Richter Akira Ando, es gebe Hinweise, dass hochrangige Manager bei der Tochter Deutsche Securities über solche Praktiken ihrer Kollegen informiert gewesen seien. Es lägen jedoch keine Beweise vor, dass der Angeklagte explizit angewiesen worden sei, den Pensionsfonds-Vertreter zu bestechen. Auch sei es unmöglich, „definitiv festzuhalten, dass dies ein unternehmensweites Problem war.“

Chronologie der Ermittlungen zu Devisenmarkt-Manipulation

Juni 2013

Britische Regulierungsbehörden starten eine vorläufige Ermittlung wegen des Verdachts der Marktmanipulation auf dem Währungsmarkt. In den folgenden Monaten konkretisiert sich der Verdacht: Wichtige Händler verschiedener Geldhäuser sollen Preisabsprachen vor großen Kundenaufträgen getroffen und die Fixing-Kurse für bestimmte Währungen zu ihren Gunsten beeinflusst haben.

Anfang Oktober 2013

Auch die Schweizer Finanzaufsicht berichtet darüber, mehrere Banken wegen möglicher Verstöße auf dem Devisenmarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission steht bereit, bei den Ermittlungen – es geht auch um Kartellvorwürfe – beizuspringen. Am 9. Oktober bestätigt die Royal Bank of Scotland Ermittlungen und übermittelt Kommunikationsaufzeichnungen eines ehemaligen Händlers an die Behörden.

Mitte Oktober 2013

Aus den vorläufigen Ermittlungen der britischen Aufsichtsbehörde FCA wird ein formales Verfahren. In Asien bestätigt die Finanzaufsicht in Hong Kong, ebenfalls einige Banken zu untersuchen.

Ende Oktober 2013

Die Deutsche Bank – Marktführer im Devisenhandel – bestätigt Anfragen der Aufsichtsbehörden. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. Auch die Schweizer UBS legt die Prüfung in ihrem Quartalsbericht offen. Am 29. Oktober bestätigt das US-Justizministerium, dass sowohl die Strafverfolgungs- als auch die Kartellabteilung ermitteln.
Ende Oktober wird bekannt, dass die britische Bank Barclays und die Royal Bank of Scotland Händler von der Arbeit beurlaubt haben – ohne Schuldanerkenntnis.

Anfang November 2013

Citigroup und JP Morgan gehören ebenfalls zu den untersuchten Geldhäusern, am 4. November berichtet auch die HSBC offiziell von Behördenanfragen wegen möglicher Regelverstöße beim Devisenhandel. Am 5. November berichten mehrere Medien über millionenschwere Strafzahlungen wegen der Manipulation des Zinssatzes Euribor. Auch Goldman Sachs ist nun Ziel der Ermittlungen.

Januar 2014

Die Deutsche Bank suspendiert mindestens einen Devisenhändler wegen Manipulationsverdachts. Es bestehe der Verdacht, dass er Referenzkurse für Währungen manipuliert habe, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Händler habe in New York gearbeitet und mit argentinischen Pesos gehandelt.

Februar 2014

Die privaten Konten von Händlern stehen bereits im Visier der Ermittler – der Verdacht: Bankmitarbeiter dürften Manipulationen auch zu gewinnträchtigen privaten Geschäften genutzt haben. Jetzt wollen einige Großbanken die internen Regeln für private Transaktionen ihrer Mitarbeiter verschärfen.

Der Angeklagte wurde zu einer zehnmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt, die drei Jahre lang zur Bewährung ausgesetzt wurde. Er hatte sich im April schuldig bekannt, der Bank etwa 9.000 Dollar in Rechnung gestellt zu haben, um den damaligen Pensionsfonds-Mitarbeiter zu unterhalten. Bei einer Anhörung im vergangenen Monat hatte er ausgesagt, es sei gängige Praxis bei Deutsche Securities, Kunden einzuladen. Manager bis hoch zur Spitze des Investment-Geschäfts der Deutschen Bank in Japan wüssten darüber Bescheid.

Der ehemalige Deutsche-Securities-Mitarbeiter erklärte, das Urteil nicht anfechten zu wollen. Allerdings erwäge er eine zivilrechtliche Klage gegen seinen früheren Arbeitgeber, sagte er, ohne ins Detail zu gehen. Ein Deutsche-Securities-Sprecher lehnte es ab, sich zu dem Fall zu äußern.

Der Ex-Pensionsfonds-Mitarbeiter wurde im März wegen Bestechlichkeit zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der Fonds verwaltete als Teil seines Portfolios öffentliche Gelder. Nach japanischem Recht sind die Manager solcher Fonds wie Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes zu behandeln, denen es streng untersagt ist, Zahlungen oder Geschenke jeglicher Art anzunehmen.

Von

rtr

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