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27.01.2012

18:10 Uhr

Traditionshaus Wegelin

Schweizer Bank zerbricht an Steuerstreit mit USA

VonHolger Alich

Die älteste Privatbank der Schweiz ist Geschichte. Die Bank-Partner von Wegelin verkaufen die Mehrheit des Geschäfts an die Raiffeisen-Gruppe. Grund ist ein Steuerstreit mit den USA.

Zerbrochen: Das Logo der Schweizer Traditionsbank Wegelin in Bern. Reuters

Zerbrochen: Das Logo der Schweizer Traditionsbank Wegelin in Bern.

MeilenDas Ende von einer rund 250jährigen Bankgeschichte wurde in einer guten Woche ausgehandelt. Die Schweizer Traditionsbank Wegelin & Co., nach eigenen Angaben älteteste Bank der Schweiz, ist ausgelöscht. Aus Angst vor einer Klage im US-Steuerstreit zogen die Wegelin-Partner nun die Notbremse - und spalten die Bank auf.

Die genossenschaftliche Bankengruppe Raiffeisen übernimmt den Löwenanteil der Bank; dieser umfasst 21 Milliarden Kundenvermögen der Nicht-US-Kunden und 700 Mitarbeiter. Dieser Teil der Bank wird in "Notenstein Privatbank" umfirmiert und von Raiffeisen übernommen.

"Die US-Kunden bleiben dagegen bei der Wegelin-Bank und ihren verbleibenden Partnern", erklärte Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz vor der Presse. Sprich, aus Wegelin wird eine Art Badbank, in der das US-Kundenportfolio verbleibt. Diese Rest-Wegelin-Bank soll sich so nun einer möglichen Klage wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung stellen. Wegelin-Chef Konrad Hummler war gar nicht erst zur Beerdigungskonferenz der von ihm geführten Bank erschienen.

Damit führt der US-Steuerstreit nun dazu, dass das älteste Schweizer Geldhaus von der Bildfläche verschwindet. Insgesamt elf Banken wirft die US-Steuerverwaltung vor, nach 2008 von UBS in den USA Schwarzgeldkunden übernommen zu haben. Neben Wegelin sind auch Credit Suisse und die Bank Julius Bär im Visier der USA. Seit Monaten laufen Verhandlungen zwischen der Schweizer und der US-Regierung, wie die Schweizer Banken aus der Schusslinie gebracht werden können.

Wegelin war Anfang des Jahres unter starken Druck geraten. Die New Yorker Staatsanwaltschaft hatte drei Wegelin-Mitarbeiter wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt. Laut Klageschrift hätten sie Kunden geholfen, 1,2 Milliarden Dollar Vermögen vor den US-Steuerbehörden zu verstecken.

Die Klageschrift nennt auch die aktive Rolle eines Wegelin-Partners, dem Leiter der Züricher Niederlassung. Sein Name wird zwar nicht explizit genannt, doch war klar, dass damit nur Christian Hafner gemeint sein konnte. Die Wegelin-Führung fürchtete nun, dass der Partner als nächster dran wäre oder gar die Bank verklagt wird. Daher trennte sich die Bank bereits vor gut einer Woche von Hafner und beurlaubte ihn auf unbefristete Zeit.

Eine Klage der USA gegen die Bank hätte de facto die Wirkung eines Geschäftsverbots. Andere US-Banken dürfen dann kein Geschäft mehr mit dem betroffenen Institut ausführen.

Hummler und seine Partner fürchteten, dass die USA nun an Wegelin ein Exempel statuieren wollten. "Wir sind das perfekte Opfer", sagte Ex-Wegelin-Partner Adrian Künzi zu "Handelsblatt online". "Wegelin ist klein, nicht systemrelevant, hat keine Niederlassungen im Ausland und ist im rein Schweizer Privatbesitz."

Schon die Androhung der Klage führe dazu, dass Wegelin keine Zukunft mehr habe. "Kunden und Mitarbeiter sind durch die ständigen Berichte über eine drohende Klage zu stark verunsichert", erklärte er. Ein Kundenrun habe es zwar nicht gegeben; ein institutioneller Kunde habe indes rund eine Milliarde Franken abgezogen.

Kommentare (3)

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Back-Office-der-Korruption

28.01.2012, 10:21 Uhr

Das ungenierte Treiben der Schweiz geht weit hinaus über Fragen der Besteuerung von Kapitalerträgen.
Aktuell zeigen Griechenland und Italien, dass die verdunkelnden
Dienstleistungen der Schweiz komfortable korruptive Strukturen erst möglich machen.
Die resulierende Fehlsteuerung von Wirtschaft und Politik wiegt schwerer, als Verfehlungen bei der Zinsbesteuerung.
So manche "Fehlentscheidung" öffentlicher Entscheider, die (eher verharmlosend) als Dummheit kolportiert werden,ist erst begreifbar vor dem Hintergrund der begleitenden Zahlungeströme in der Schweiz als Back-Office der Korruption.
Erinnert sei hier etwa an abgekartete Finanzwetten des (nun Ex-)Chefs der leipziger Wasserwerke mit Schäden im 3-stelligen Millionenbereichfür die öffentliche Hand. Animiert wurde der Mann
über ein 1-stelliges Millionenbestechungsgeld, abgezweigt aus der
Provision der schweizer Vermittler.
Griechenlands Problem liegt ganz offensichtlich in Staaten wie der Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Zypern oder Singapur ... es wird Zeit, solche Rattennester auszuräuchern, bevor sie die Welt endgültig vergiften ...

Mazi

28.01.2012, 20:21 Uhr

Sie haben es sehr drastisch dargestellt. Ob die Darstellung korrekt ist oder nicht, ist unerheblich. Tatsache ist, dass Griechen in dem von Ihnen vorgetragenen Sinne verstanden haben, in massiven Umfang aus diesem einfachem Grund Geld in die Schweiz gebracht haben und dies von der Schweiz, vertreten durch die Schweizer Banken, gerne entgegen genommen wurde.

Da nicht davon auszugehen ist, dass diese Gelder in Griechenland mit entsprechenden Ausfuhrgenehmigungen staatlich freigegeben wurden und die Schweizer Banken sich nicht von dieser Freigabe überzeugt haben, dürfte die Rechtslage relativ eindeutig sein. Es ist daher abzuwarten, ob Griechenland auf die Herausgabe dieses Geldes besteht oder aber gar die EU ein Pfandrecht darauf geltend macht.

Es ist nicht vorstellbar, dass die griechischen Behörden oder die EU bei einem seriösen Lauf der Dinge auf dieses Recht verzichten werden.

Mazi

28.01.2012, 20:42 Uhr

Ich sehe das Problem in einer anderen Richtung und hege Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Vertrages hinsichtlich der Aufspaltung der Bank.

Weshalb?
Die Bank wurde in der Forma aufgespalten, dass die US-Kunden in der einen Bank, als Bad-Bank im Artikel bezeichnet und der Rest in eine andere Bank übertragen wurde. Dies sei vor dem Hintergrund eines Steuerstreits mit USA geschehen.

Es ist nicht davon auszugehen, dass die Schweizer Privatbank aus diesem Streit mit einer Gelderstattung rechnen muss. Das Gegenteil scheint angesagt, daher auch die hektische Aktivität. Sollte die zu erwartende Strafe die Leistungsfähigkeit der Restbank übersteigen, stellt sich die Frage, ob die Aufspaltung nicht darauf ausgerichtet war, die beklagte Bank durch diese Massnahme wirtschaftlich zu schwächen. Dies würde einen separaten Straftatbestand begründen, der aus US-amerikanischer Sicht bestimmt nicht so einfach hingenommen werden dürfte.

Das mag man innerhalb der Schweiz wie üblich, intern „unter der Decke halten“ können oder es zumindest versuchen. Bei vorsichtiger Einschätzung der Lage dürfte dies unter Beteiligung amerikanischen Behörden jedoch mit wenigen Erfolgsaussichten beschieden sein.

Das nächste Donnerwetter gegen die Schweiz dürfte im Anzug sein.

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