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03.02.2012

09:09 Uhr

Traditionshaus Wegelin

US-Behörden klagen Schweizer Bank an

Das US-Justizministerium verklagt die Schweizer Traditionsbank Wegelin. Es geht um mögliche Steuerhinterziehung nicht nur von amerikanischen Kunden. An diesem Steuerstreit zerbricht die Bank.

Das Firmenschild der Korrespondenzbank Wegelin & Co. in Bern. Reuters

Das Firmenschild der Korrespondenzbank Wegelin & Co. in Bern.

Washington/Meilen/GenfDas amerikanische Justizministerium hat Klage gegen die schweizerische Bank Wegelin wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung eingereicht. Wegelin, die älteste Schweizer Privatbank, habe amerikanischen und anderen Kunden geholfen, mehr als 1,2 Milliarden Dollar (912 Millionen Euro) auf ihren Konten vor dem Fiskus zu verstecken, hieß es am Donnerstag in Washington.

Die Bank solle deshalb in das Verfahren gegen drei Angestellte des Geldinstituts einbezogen werden. Dabei sei allerdings unklar, ob das Verfahren tatsächlich erfolgreich sein könne - denn Wegelin habe nie eine Filiale in den USA unterhalten.

Bei der Korrespondenzbank Wegelins in den USA seien 16 Millionen Dollar (12,1 Millionen Euro) beschlagnahmt worden. Die US-Behörden werfen Wegelin und den drei angeklagten Beschäftigten des Instituts vor, US-Kunden mit einem System von Briefkasten-Firmen und anonymen Konten bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben. Dabei habe die Bank mit ihrer Diskretion geworben, weil sie in den USA keine Niederlassung habe. Abgewickelt wurden Zahlen den Angaben zufolge über ein Konto der Bank bei einer Niederlassung der Schweizer Großbank UBS. Wegelin hat erklärt, im vergangenen Jahrzehnt nicht gegen Schweizer Recht verstoßen zu haben.

Aus Angst vor einer Klage in den USA zogen die Wegelin-Partner bereits die Notbremse - und haben entschieden, die Bank aufzuspalten. Die Schweizer Traditionsbank Wegelin & Co., nach eigenen Angaben älteste Bank der Schweiz, ist ausgelöscht. Die genossenschaftliche Bankengruppe Raiffeisen übernimmt den Löwenanteil der Bank; dieser umfasst 21 Milliarden Franken Kundenvermögen der Nicht-US-Kunden und 700 Mitarbeiter. Dieser Teil der Bank wird in "Notenstein Privatbank" umfirmiert und von Raiffeisen übernommen.

"Die US-Kunden bleiben dagegen bei der Wegelin-Bank und ihren verbleibenden Partnern", erklärte Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz vor der Presse. Sprich, aus Wegelin wird eine Art Badbank, in der das US-Kundenportfolio verbleibt. Diese Rest-Wegelin-Bank soll sich so nun einer möglichen Klage wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung stellen. Wegelin-Chef Konrad Hummler war gar nicht erst zur Beerdigungskonferenz der von ihm geführten Bank erschienen.

Kommentare (1)

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toussaintdelouverture

04.02.2012, 19:53 Uhr

eine Bank, die schon vom Sklavenhandel profitierte und nun ähnlich erwirtschaftetem Geld zur Steuerflucht verhilft, kann ich nicht bedauern - im Gegenteil, es war lange überfällig, dass solchen Verbrechern Justizia erscheint

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