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01.10.2013

15:07 Uhr

Transparenzprozess

Vatikanbank macht öffentlichen Kassensturz

Der deutsche Verwaltungsratschef der Vatikanbank IOR, Ernst von Freyburg, feiert eine Premiere: Erstmals in der langen Geschichte des Instituts veröffentlicht er einen Geschäftsbericht. Die Transparenz tut bitter Not.

Die Vatikanbank IOR veröffentlicht als Teil des Transparenz-Prozesses erstmals ihre Bilanzen. dpa

Die Vatikanbank IOR veröffentlicht als Teil des Transparenz-Prozesses erstmals ihre Bilanzen.

RomErnst von Freyburg hat keine leichte Aufgabe: Die von Skandalen geplagte Vatikanbank IOR muss der Deutsche aus den negativen Schlagzeilen bringen. Mehr Transparenz ist ein Mittel dazu: „Um der katholischen Kirche rund um die Welt dienen zu können, muss die Bank ein hoch anerkanntes Mitglied der globalen Finanzgemeinschaft sein“, schreibt von Freyburg im Grußwort des ersten veröffentlichten Jahresberichts der Bank mit 126-jähriger Geschichte.

Rein wirtschaftlich lief es 2012 vor allem wegen Kursgewinnen der Staatsanleihen im Bestand der Bank gut. Das Geldhaus vervierfachte seinen Gewinn auf 86,6 Millionen Euro (Vorjahr: 20,3 Millionen Euro). Von dem Gewinn im Jahr 2012 flossen 54,7 Millionen Euro in den Haushalt des Vatikans. Die Vatikanbank verwaltet ein Vermögen von 6,3 Milliarden Euro, das im Vergleich zum Vorjahr etwa gleichgeblieben ist. Die Kundenzahl hat sich um einige tausend auf rund 18 900 verringert, da inaktive Konten geschlossen worden seien. Als Teil der Transparenzoffensive werden seit Mai alle Kunden überprüft.

Die Vatikanbank IOR

Geschichte

Die Ursprünge reichen jedoch zurück bis ins 19. Jahrhundert. Ein Vorgängerinstitut wurde 1887 gegründet, die Bank in heutiger Form im Jahr 1942 auf päpstliche Anordnung.

Organisation

Die Vatikanbank hat den offiziellen Titel Istituto per le Opere di Religione (IOR/Institut für die religiösen Werke). Der Sitz des Geldinstituts des Heiligen Stuhls ist im Vatikanstaat. Wichtigstes Organ der Bank ist eine Kommission aus fünf Kardinälen (Commissione cardinalizia), die vom Papst bestimmt werden. Diese Kommission ernennt die Mitglieder des Consiglio di sovrintendenza, einer Art Verwaltungsrat.

Verwaltungsratsvorsitz

An der Spitze des Aufsichtsgremiums steht seit diesem Jahr der Deutsche Ernst von Freyberg, der das Institut auch nach außen vertritt.

Aufgabe

Alle Kunden der Bank sind Teil der katholischen Kirche. Mehr als die Hälfte sind katholische Orden, jeder achte Kunde ist Kardinal, Bischof oder ein anderer Würdenträger.

Größe

Die Bank hat rund 19 000 Kunden und mehr als 100 Mitarbeiter. Die Bilanzsumme beläuft sich auf fünf Milliarden Euro, die Bank verwaltet 3,2 Milliarden Euro im Auftrag der Kunden.

Skandale

Die Bank war in der Vergangenheit wegen ihres Finanzgebarens wiederholt in die Kritik geraten, unter anderem wegen des Vorwurfs der Geldwäsche. Anfang Juli 2013 traten außerdem zwei Top-Manager zurück. Der Vatikan hat aber jede Verwicklung der Bankleitung in dunkle Machenschaften bestritten. Papst Franziskus hatte nach seinem Amtsantritt im März mehrfach angekündigt, das Institut zu reformieren.

Italienischen Medienberichten zufolge soll das Geldhaus wegen des Verdachts auf Geldwäsche die Konten von vier Botschaften geschlossen haben. Bei den Konten der Vertretungen der Länder Syrien, Iran, Irak und Indonesien seien hohe Bargeld-Summen abgehoben worden, berichtete der „Corriere della Sera“. Das IOR wollte dies nicht kommentieren.

Mit der Veröffentlichung der Bilanz will der 54-Jährige von Freyburg „Verschwörungstheorien aus der Welt“ schaffen. „Wir gehen unseren Weg weiter“, sagte der Chef des „Institut für die religiösen Werke“ Radio Vatikan. Für das Geschäftsjahr 2013 erwartet er aber ein schlechteres Abschneiden als 2012. Unter anderem würden die außerordentlichen Ausgaben für den angestrebten internen Transparenzprozess sowie höhere Zinsen zu Buche schlagen, sagte er.

Freyberg steht seit März 2013 an der Spitze der Vatikanbank und hat einen radikalen Kurs gegen Korruption, Skandale und Geldwäsche eingeschlagen, um den Ruf des Instituts zu verbessern. Zudem hatte Papst Franziskus im Juni eine Kommission ins Leben gerufen, die die Geschäfte des Instituts beobachten und bewerten soll.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

01.10.2013, 10:47 Uhr

"Trotzdem konnte sie im Jahr 2012 ihren Gewinn gegenüber zum Vorjahr vervierfachen"

Was hat das mit Glaube und Religion zu tun?


„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“

– Markus 10,25 EU

aktionaer

01.10.2013, 11:22 Uhr

Man gehe nur einmal durch den Petersdom und man sieht an den leicht versteckten Symbolen, was die Katholiken wirklich sind.

- der innere Altar ist vollkommen schwarz
- oberhalb der TAUBE tummeln sich die schwarzen Gestalten
- Prunk und mega Reichtum überall
- selbst die Ahnentafel der Päpste ruht auf der Basis von dem lichten Wesen mit den Hörnern und der Fratze

Aber voll krass ist die Kuppel, wo man eindeutig sieht, dass der WINKELMANN der wahre Gott der Katholen ist, denn zu dem blicken sogar die Päpste auf.

Wer Symbole lesen kann, weiß um die wahre Natur der Sache.

Account gelöscht!

01.10.2013, 15:24 Uhr

Na also! Weder Vermögen, noch Gewinn (1.37 %) sind weltbewegend. Da werden eine Menge Verschwörungstheorien eines natürlichen Todes sterben.

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